16.02.2017 - 20:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

30-jähriger Elektroniker erlaubt sich einen „Kleinkinderscherz“ Freundin mit Nacktfotos erpresst

Um seine Verflossene zurück zu gewinnen, griff ein 30-jähriger Elektroniker aus dem Landkreis Schwandorf zu drastischen Mitteln. Dass er am Ende glimpflich davon kam, hatte er der Staatsanwaltschaft zu verdanken.

von Autor AHSProfil

/Regensburg. Der Mann handelte sich eine Anklage vor dem Strafrichter Sebastian Sitzinger am Amtsgericht Regensburg wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen in acht Fällen und zweifacher versuchter Nötigung ein. Bis zum März 2015 war der Angeklagte zwei Jahre lang mit einer vier Jahre jüngeren Schwesternschülerin liiert. In dieser Zeit filmte er sie heimlich, als sie unter der Dusche stand. Ein weiteres Filmchen drehte er von ihr, als sie nackt im Bett lag. Als Krönung zeichnete er es noch heimlich auf, als er und seine Freundin intim wurden.

Nachdem die Beziehung beendet war, erschien er im Januar 2016 in der Wohnung der Frau und forderte von ihr, dass sie ihre Beziehung mit einem anderen Mann beendet, andernfalls würde er die heimlich gemachten Filme ins Internet stellen. Doch sie wollte nur, dass er aus ihrer Wohnung verschwindet. Drei Wochen später tauchte der Angeklagte erneut bei ihr auf. Diesmal bot er ihr an, die Videodateien zu löschen, falls sie sich auf der Stelle vor ihm ausziehen würde. Andernfalls, so seine Drohung, würde er die Aufnahmen ins Internet stellen. Auch diesmal hatte er nicht den gewünschten Erfolg. Stattdessen ging die Geschädigte zur Polizei und erstattete Anzeige. Außerdem schaltete sie eine Rechtsanwältin ein. Bereits zwei Wochen später erhielt sie eine E-Mail vom Angeklagten: "Mal gucken, wie lange Du nicht mit mir sprechen willst. Gestern war die Polizei da. Das gibt eine Gegenanzeige wegen übler Nachrede und Rufmord."

Als "Scherz" angesehen

Da sein Verteidiger bereits im Vorfeld angekündigt hatte, dass der Angeklagte ein Geständnis ablegen wird, wurde die Geschädigte gar nicht erst als Zeugin geladen. Zudem hatte ihr der Angeklagte einen Tag vor der Hauptverhandlung 2000 Euro als Täter-Opfer-Ausgleich überwiesen und an Eides statt versichert, dass von den von der Polizei sichergestellten Aufnahmen keine Kopien existieren würden und auch keine Veröffentlichung stattgefunden hat beziehungsweise wird. Vor Strafrichter Sitzinger berichtete der Angeklagte auf Nachfrage, dass er die Trennung wollte, nachdem er mitbekam, dass seine Freundin die Pille abgesetzt hat. Sie wollte ein Kind, für ihn war es noch zu früh. Das habe er später bereut, er wollte sie wieder zurück haben.

Die Videoaufzeichnungen habe er in einer "unglücklichen Zeit quasi als Ersatzbefriedigung" gemacht. Heute würde er sich für sein Handeln unendlich schämen. Damals habe er es jedoch als "Kleinkinderscherz" angesehen. Erst die Hausdurchsuchung und das Schreiben der Rechtsanwältin haben ihn zum Nachdenken gebracht. Dass der Angeklagte zudem mit Alkoholproblemen belastet war, zeigt sein Vorstrafen-Register, das mit sieben Eintragungen von der vorsätzlichen Straßenverkehrsgefährdung bis hin zum Vollrausch reicht. Zudem steht der Angeklagte unter laufender Bewährung.

Zu aller Überraschung beantragte der Staatsanwalt die Vorwürfe hinsichtlich der unbefugten Bildaufnahmen einzustellen, da diese vor der letzten Verurteilung gefertigt wurden und mit dieser Strafe bereits abgegolten seien. Für die beiden Fälle der versuchten Nötigung forderte er eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 65 Euro. Verteidigerin Birgit Hofmann stellte keinen eigenen Antrag.

Urteil rechtskräftig

Sichtlich schweren Herzens setzte Strafrichter Sebastian Sitzinger die Geldstrafe auf 7200 Euro fest. In seiner Urteilsbegründung gab er dem Angeklagten mit auf den Weg: "Das war eine rechte Sauerei, was Sie da gemacht haben, wenn man die massiven psychischen Belastungen der Geschädigten betrachtet. Dass Sie so glimpflich davon kommen haben Sie der Staatsanwaltschaft zu verdanken. Sonst hätten Sie eine saftige Freiheitsstrafe bekommen, was auch gerechtfertigt wäre". Das Urteil wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig.

Das war eine rechte Sauerei, was Sie da gemacht haben, wenn man die massiven psychischen Belastungen der Geschädigten betrachtet. Dass Sie so glimpflich davon kommen, haben Sie der Staatsanwaltschaft zu verdanken.Strafrichter Sebastian Sitzinger
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