Beliebter Oster-Zeitvertreib
Oia rudln und Oia boussn

Ob Bolmkatzln, -maunzala, oder -kodln: Solche Weidenruten sind in diesen Tagen gefragt. Bild: dpa
Vermischtes
Schwandorf
07.04.2017
46
0

Wer noch keine Weidenruten abgeschnitten hat, sollte das schleunigst nachholen. Eigentlich ist es fast schon zu spät, denn an sonnigen Orten blühen sie schon. Zum morgigen Palmsonntag stellen sich die Oberpfälzer gerne Bolmkatzln in die gute Stube.

Die Zweige sollen an den Einzug Jesu in Jerusalem erinnern. Der Überlieferung nach jubelte die Menge ihm damals mit Palmwedeln zu. Weil solche exotischen Pflanzen hierzulande gemeinhin schwer aufzutreiben sind, begnügen sich die Gläubigen mit Weidenruten - Bolmkatzln oder je nach Landstrich auch Bolmmaunzala oder Bolmkodl genannt. Die Passions- und Osterzeit wartet mit einigen sprachlichen Kuriositäten auf. Gefärbte Eier beispielsweise bezeichnen viele Dialektsprecher immer noch als Röidloia (rötliche Eier). Der Ausdruck stammt aus einer Zeit, als die Ostereier noch auf natürliche Weise, zumeist rot, gefärbt wurden.

Der rote Farbstich ließ sich beim Kochen mit Birken- und Apfelbaumrinde, oder Schwarzbeeren erzielen. Schokoladenhasen gab es früher nicht. Die Kinder erfreuten sich stattdessen an einem Nest voller Eier, die sie auch zum Spielen benutzten. Beliebter Zeitvertreib für die Buben und Mädchen war das Oiarudln. Die Eier wurden dazu einen Ranger (Böschung) oder eine Owandn (Feldrand) hinabgerollt. Sieger war derjenige, dessen Ei das Rudln unbeschadet überstand. Nach dem gleichen Prinzip funktionierte das Oiaboussn. Dabei stoßen die Kinder die Eier aneinander. Wessen Ei heil bleibt, hat gewonnen.

Klar, dass die Eier nach dem Rudln oder dem Boussn brav gegessen wurden. Auch damals schon gab es dabei den Kinderüberraschungs-Effekt: Die Buben und Mädchen machten sich einen Spaß daraus, zu erraten, ob sie a Engerl oder a Deiferl erwischt hatten. Engerl hießen die hartgekochten Eier, deren Dotter gelb war. Deiferl wurden die Eier genannt, die zu lange im siedenden Wasser lagen, deren Dotter deshalb einen grauen Rand hat.

Die Serie im Internet:

www.onetz.de/themen/dialekt
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.