09.11.2017 - 20:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Bereitschaftspolizist in Disko-Zwist verwickelt - Kommando zurück beim Strafantrag Eine Karriere auf dem Prüfstand

Die ganze Sache hätte in einer eben erst begonnenen Berufslaufbahn zum Stolperstein werden können. Denn auch wenn er in seiner Freizeit unterwegs ist, sollte sich ein angehender Polizeibeamter tadellos benehmen.

von Autor HWOProfil

Sie feierten im September letzten Jahres den Geburtstag einer jungen Frau. Dazu war in einer Diskothek bei Schwandorf eine sogenannte Lounge angemietet. Dort aber nahmen morgens um 4 Uhr plötzlich andere als die Eingeladenen Platz. Das sorgte für Unmut und Reibereien.

Vor dem Schwandorfer Amtsrichter Thomas Heydn spielte sich jetzt, genau genommen, nur eine Begleiterscheinung des die Feier störenden Intermezzos ab. Den ungebetenen Gästen wurde die Tür gewiesen, es wurde laut. Mit dabei war ein heute 23-Jähriger, der von einem Kontrahenten einen Schlag mitten ins Gesicht erhielt. Der Verursacher dieses Hiebes ist, wie sich im Prozess ergab, zwischenzeitlich mit Strafbefehl wegen Körperverletzung rechtskräftig geahndet worden.

Nun aber ging es um Beleidigungen, die der 23-Jährige seinerzeit von sich gegeben habe soll. Zwei der damals uneingeladen erschienenen Leute hatten deswegen Strafanträge gestellt. Einer von ihnen, mit asiatischen Gesichtszügen, soll als "Schlitzauge" bezeichnet worden sein. Er, so stellte sich vor Richter Heydn heraus, war es, der bei den Streitereien zum Schlag ausholte.

Die Verhandlung dauerte knapp drei Stunden. Dabei stand im Mittelpunkt: Der angebliche Beleidiger, der seine Verbalattacken bestritt, ist Bereitschaftspolizist. Von daher war für ihn im Fall einer Verurteilung ein Disziplinarverfahren zu erwarten. Mit möglichen Nachteilen und Karriere-Konsequenzen.

Zwei angeblich beleidigte junge Männer hatten Strafantrag gestellt. Nach einem Gespräch draußen auf dem Flur nahmen beide ihre Anträge zurück. Daraufhin verdeutlichte sich: In einem solchen Fall müssen die Anzeigeerstatter in gemeinsamer Haftung alle bisher angefallenen Kosten tragen. Sie stimmten zu. Wobei es hinter den Kulissen offensichtlich zu der Einigung gekommen war, dass der Angeklagte diese Gebühren übernimmt.

Dafür - aber auch das wurde offiziell nicht mehr zu den Akten genommen - verzichtet der 23-Jährige offenbar auf ein Schmerzensgeld wegen des ihm verpassten Faustschlags mitten ins Gesicht.

Richter Heydn, der eine solche Lösung ins Gespräch gebracht hatte, stellte das Verfahren ein. Nicht ausgeschlossen erschien es Staatsanwältin Jennifer Jäger, dass die Polizei jetzt trotzdem in disziplinarrechtlicher Hinsicht gegen den angehenden Beamten vorgeht. Doch dabei erhob sich die Frage: Wäre so etwas vorstellbar angesichts der bei dieser Geburtstagsfeier entstandenen und ausführlich erörterten Turbulenzen?

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