06.03.2018 - 20:00 Uhr
Schwandorf

Berufung zurückgezogen Arrest für Drogendealer

Er setzte darauf, nichts zu sagen. Das allerdings bereitete der Jugendstrafkammer des Landgerichts Amberg keine Probleme. Denn den Vorsitz hatte mit Landgerichtspräsident Harald Riedl ein Jurist, der das Ermittlerhandwerk glänzend beherrscht.

Symbolbild
von Autor HWOProfil

Amberg/Schwandorf. Die Fahnder kamen am Dreikönigstag letzten Jahres und filzten eine Wohnung in Schwandorf. Sie schritten zur Sicherstellung von Rauschgift und nahmen einen heute 20-Jährigen mit zur Vernehmung. Monate später gab es einen Prozess vor dem Schwandorfer Jugendgericht. Bereits dort trat eine 17-Jährige auf und berichtete, wie ihr der junge Mann immer wieder mal Marihuana zum Grammpreis von 10 Euro verkaufte.

Sehr detaillierte Aussage

Die Schwandorfer Richterin war zum Schluss überzeugt davon, dass zumindest in zwölf Fällen Cannabisprodukte verhökert wurden. Dafür gab es eher milde zwei Wochen Dauerarrest für den Verkäufer. Der aber mochte nicht in den kurzzeitigen Knast und zog mit seinem Verteidiger Christoph Schönhofer vor das Landgericht. Dort schwieg er jetzt eisern. Die Jugendstrafkammer setzte zur Befragung der heute 18 Jahre alten Marihuana-Käuferin an. Sie erfuhr sehr detailliert, wie die Deals vonstatten gingen: Unter der Adenauerbrücke, auf dem Parkplatz eines dort angrenzenden Supermarkts und nahe des Wendelinplatzes.

Von Freundin entlastet

Damit war der Fall eigentlich klar. Doch es kam eine junge Frau, die zu dieser Zeit mit dem Angeklagten eng befreundet war und der Jugendkammer versicherte: "Er hat nie Rauschgift verkauft." Doch das glaubten weder der Vorsitzende Richter Harald Riedl noch der Leitende Oberstaatsanwalt Joachim Diesch. Beide wunderten sich. Gegenargument dann: "Es gibt Handyaufzeichnungen, denen sich die Deals entnehmen lassen." Als die sogenannte Entlastungszeugin gegangen war, führte Richter Riedl dem Beschuldigten vor Augen: "Hier könnte es noch mehr geben als die zwei Wochen Dauerarrest." Ein Warnsignal, das Wirkung zeigte. Der 20-Jährige akzeptierte die erstrichterliche Entscheidung und geht nun in den Arrest.

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