15.05.2017 - 12:58 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Bewährungsstrafen für geständiges Ehepaar Zwei Betreuer plündern Konten

Die alte Dame besaß ein Vermögen in sechsstelliger Höhe. Als sie gestorben war, stellte sich heraus: Ein sie betreuendes Ehepaar hatte immer wieder von Konten der Seniorin kleinere und größere Geldsummen widerrechtlich abgehoben. Vor dem Schöffengericht ging es jetzt um 66 000 Euro.

von Autor HWOProfil

In der Anklageschrift von Staatsanwalt Holger Vogl standen 84 einzelne Fälle. 80 davon wurden im Lauf des ganztägigen Prozesses vor dem Schwandorfer Schöffengericht eingestellt. Denn dabei waren immer mal wieder kleinere Beträge von den Bankverbindungen einer betagten Schwandorferin abgehoben worden, die meist zum Kauf von Bedarfsartikeln für die in einem Heim lebende Seniorin verwendet wurden.

Im Verfahren wurde deutlich: Die 2014 im Alter von 90 Jahren verstorbene Frau hatte Kinder. Doch die sahen eher wenig nach ihrer Mutter. Zu ihrer Betreuung war ein entfernt verwandtes Ehepaar eingesetzt worden. Im Urteil sagte Richter Ewald Ebensperger später: "Sie haben sich wirklich um die Frau gekümmert." Die Leute bekamen eine beim Notar beurkundete Vollmacht. Damit konnten sie zwar die Interessen der mehr und mehr an Demenz leidenden Schwandorferin vertreten. Doch ein Verfügungsrecht über die Konten ging damit nicht einher.

Größere Beträge

Von den 84 anfangs zur Debatte stehenden Geldabhebungen blieben vier übrig. Dabei handelte es sich aber um größere Beträge. Im September 2011 hob die heute 58 Jahre alte Betreuerin erst 5000 und dann 10 000 Euro ab. Im Januar 2013 ging sie zur Bank und ließ sich 20 000 Euro geben. Im Januar 2014 starb die alte Dame. Einen Tag später wurde von der Betreuerin im Beisein ihres ebenfalls als Betreuer eingesetzten Ehemannes (65) ein Sparguthaben über 31 000 Euro aufgelöst und dem eigenen Konto zugeführt. Unter dem Strich 66 000 Euro. Nicht lange danach flog das unseriöse Handeln aus. Erben erstatteten Anzeige. Die Eheleute zahlten die Beträge bis auf den letzten Cent zurück. Sie konnten es. Denn auch sie waren von der Verstorbenen, die sie regelmäßig besuchten, mit Geld bedacht worden.

Vor dem Schöffengericht legten beide nun umfassende Geständnisse ab. Die Richter hörten viele Zeugen. Dann stellte Staatsanwalt Vogl seine Strafanträge: Für die Frau ein Jahr und neun Monate Haft, für deren Ehemann ein Jahr. "Bewährung ist möglich", ließ Vogl anklingen. Dieser Ansicht waren auch die Verteidiger Martin Asmus (Schwandorf) und Professor Dr. Jan Bockemühl (Regensburg). Asmus, Anwalt des 65-Jährigen, hielt sechs Monate mit Bewährung für ausreichend. Bockemühl bat die Richter, es bei einem Jahr und drei Monaten für die Frau bewenden zu lassen. In beiden Plädoyers wurde herausgehoben: "Es ist doch definitiv kein Vermögensschaden entstanden."

Bewährung für beide

Die Betreuerin bekam ein Jahr und sechs Monate, ihr Ehemann verließ mit elf Monaten Haft den Sitzungssaal. Beiden bis dahin nicht vorbestraften Angeklagten wurde Bewährung zugebilligt. Zusammen müssen sie 4500 Euro Geldauflage an die Staatskasse zahlen. Das illegal abgehobene Geld hatten die Eheleute zum Autokauf für ihre Kinder und zur Ausgestaltung des eigenen Hauses verwendet.

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