13.03.2018 - 17:30 Uhr
Schwandorf

Bilanz der Suchtambulanz Schwandorf Begleitung auf langem Weg

Den Weg aus einer Abhängigkeit zu finden, ist schwierig. Die Suchtambulanz der Caritas in Schwandorf hilft nicht nur beim ersten Schritt, sondern begleitet Betroffene auf dieser Langstrecke. Die Nachfrage hat sich über die vergangenen Jahre kaum verändert, bestätigen Psychologin Marion Santl und Sucht-Therapeutin Karin Schmittner.

Marion Santl, Heidi Leitl und Karin Schmittner (von links) sind Teil des Teams der Suchtambulanz Schwandorf. Bild: Hösamer
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Genau 615 Klienten weist die Statistik der Fachambulanz für Suchtprobleme für 2017 aus (siehe Grafik). Santl und Schmittner legten sie bei einem Pressegespräch vor. Das sind rund 30 Klienten weniger als im Jahr zuvor, liegt aber im langjährigen Mittel. Zwei Hauptgruppen sind es, um die sich die Mitarbeiter kümmern: 239 Menschen mit einem Alkoholproblem wandten sich an die Suchtambulanz. Etwa mehr, 243, suchten wegen einem Problem mit illegalen Drogen Hilfe bei den Fachleuten an der Ettmannsdorfer Straße. Drunter ein Gutteil, der nicht freiwillig kommt, sondern mit einer Auflage des Gerichts im Gepäck.

"Es wird keiner weggeschickt. Jeder bekommt möglichst sofort ein Gesprächsangebot", sagte Santl. Die Gespräche laufen natürlich unter dem Siegel der Verschwiegenheit. Mit einem einmaligen Kontakt, wie ihn 65 Klienten suchten, ist es aber nicht getan. "Ein Alkoholproblem entsteht nicht in ein paar Tagen, es kann auch nicht in ein paar Tagen gelöst werden", stellt Marion Santl klar. Das Ziel von Beratung, Entgiftung und Therapie sei eine "zufriedene Abstinenz".

Nachsorge wichtig

Die Suchtambulanz vermittelt die Betroffenen an Spezialkliniken und in Rehabilitation, bietet bei Alkoholabhängigkeit auch eine ambulante Therapie an. Auch wenn es darum geht, die notwendigen Anträge an die Kostenträger wie die Rentenversicherungen zu stellen, stehen die Mitarbeiter den Betroffenen zur Seite. Ebenso bei der Nachsorge nach einer Therapie. Dann gilt es, die gelernten Mechanismen im Alltagsleben umzusetzen und durchzuhalten. Rund 60 Prozent der Betroffenen werden rückfällig. Der Rückfall kann zum Krankheitsbild gehören. Wichtig ist, dass der Betroffene möglichst bald wieder Hilfe sucht - bei der Ambulanz oder einer Selbsthilfegruppe wie dem Kreuzbund - und einen weiteren Versuch startet. Deshalb ist das Vertrauensverhältnis zwischen Klient und Therapeut sehr bedeutend.

Die Ambulanz bietet auch Hilfestellung für Angehörige von Suchtkranken. 48 wandten sich 2017 an die Fachleute. Das sei nicht viel, wie Schmittner bedauert. Dabei hätten Angehörige oft Hilfe nötig, etwa wenn sie die Frage quält, ob sie alles getan haben, um dem Abhängigen zu helfen. Dem Suchtkranken auf der einen Seite die Wertschätzung als Mensch zukommen zu lassen, andererseits aber klar zu machen, dass man als Angehöriger die Sucht ablehnt - das ist nicht einfach, und will gelernt sein. Auch Konflikte in Partnerschaften während oder nach einer Therapie sind zu bewältigen. Schließlich durchlebt der Abhängige während der Therapie einen Veränderungsprozess, den die Angehörigen schwer nachvollziehen können.

Gefährlicher "Fahrstuhl"

Das gilt für Alkoholabhängigkeiten ebenso wie für die Sucht nach illegale Drogen. Crystal und THC - also der Wirkstoff von Haschisch und Marihuana - spielen hier die Hauptrolle bei den Klienten, um die sich die Ambulanz kümmert. Die Kombination aus beidem ist nicht selten: "Fahrstuhl fahren" nennt das Karin Schmittner. Crystal als Aufputschmittel und Marihuana, um wieder runterzukommen, das ist gängige Praxis. Amphetamine wie Crystal Meth sind längst nicht nur Partydroge von jungen Menschen, sondern auch "Doping" im Arbeitsleben.

Die Ambulanz betreut auch Klienten, die von Opiaten wie Heroin abhängig sind. Hier begleitet die Ambulanz Betroffene, die ihre Sucht durch die Substitution durch Ersatzstoffe im Griff haben. Das Problem: Es gibt im Landkreis nur noch einen Arzt, der die entsprechenden Stoffe ausgibt. Viele Betroffene in Substitution müssen in die Ambulanz nach Regensburg - was neben dem Zeitaufwand auch ein logistisches Problem sein kann. Ein Gutteil der "Substituierten" gehe einer geregelten Arbeit nach und/oder hat Familie, berichtete Schmittner.

Aus der Erfahrung heraus berichten Santl und Schmittner, dass immer mehr Klienten an Begleiterkrankungen leiden. Dabei sei schwer auszumachen, was Henne und was Ei sei, also ob zum Beispiel eine Depression oder Angststörung mit Alkohol bekämpft wird oder die Sucht Auslöser der Begleiterkrankung ist. Das zu erkennen, dabei helfen Fachärzte wie die Psychiaterin Barbara Kirzinger, mit der die Ambulanz eng zusammenarbeitet.

Relativ wenige Klienten kommen wegen einer Essstörung zur Ambulanz. Neben der Anorexie - also der Magersucht - tauche hier ein neues Krankheitsbild auf, erläuterte Santl. Es nennt sich Orthorexie. Betroffene beschäftigen sich nachgerade zwanghaft aufgrund selbst auferlegter Regeln mit der Qualität und den Inhaltsstoffen von Lebensmitteln.

Kontakt

Die Mitarbeiter der Fachambulanz für Suchtprobleme in der Ettmannsdorfer Straße 2-4 in Schwandorf stehen von Montag bis Freitag von 8 bis 12 und von 13 bis 18 Uhr für Beratungsgespräche zur Verfügung. Telefonisch ist das Team unter 09431/9980680 zu erreichen, per E-Mail über die Adresse beratung@ suchtambulanz-schwandorf.de

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Weitere Informationen:

www.suchtambulanz-schwandorf.de

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