22.09.2017 - 10:57 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Bombenfund auf Baustelle am Krankenhaus St. Barbara Schwandorf Evakuierung wegen 250-Kilo-Blindgänger

Beim Krankenhaus St. Barbara in Schwandorf ist am Freitagmorgen eine Fliegerbombe entdeckt worden. Der explosive Fund muss entschärft werden. In einem Umkreis von 300 Metern kommt es in der kommenden Woche zur größten Evakuierung in der jüngeren Stadtgeschichte.

Die Bombe lag etwa 3 bis 4 Meter unter der Erde und 20 Meter vom nächsten Krankenhausgebäude entfernt.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Sie wird am kommenden Samstag, 30. September, über die Bühne gehen. Das legte der Krisenstab fest, der am Freitag im Landratsamt tagte. Zum Bombenfund kam es bei den derzeit laufenden Arbeiten für einen 50 Millionen Euro teuren Neubau beim Krankenhaus an der Steinberger Straße. Der Spatenstich für die Maßnahme war erst am Dienstag. Zwar ist der Boden bereits im vorab untersucht worden. Ob dort Munition vergraben liegt, ist aber vor allem deswegen schwer zu kontrollieren, weil viel Metall aus früheren Baumaßnahmen im Boden lagert. Ein Baggerfahrer hatte am Freitag um 8.55 Uhr die 250 Kilogramm schwere Bombe mit einer Größe von rund einem Meter mal 30 Zentimeter entdeckt.

Daraufhin ist ein Sprengkommando aus Nürnberg angereist. Michael Weiß und Christian Scheibinger inspizierten die Bombe, bei der es sich um ein englisches Fabrikat handelt. Es dürfte vom Bombenangriff auf die Stadt am 17. April 1945 stammen. Nach der Einschätzung der Fachleute steht fest, dass sie nicht sofort entschärft werden muss. Es geht keine unmittelbare Gefahr von dem Blindgänger aus.

160 Patienten betroffen

Darüber zeigte sich vor allem Krankenhaus-Geschäftsführer Dr. Martin Baumann erleichtert. Er sagte: „Die Botschaft des Tages ist, dass es sich um eine Bombe handelt, aber dass wir Zeit haben.“ Auch in der nächsten Woche wird im Krankenhaus regulär weitergearbeitet. Jene, die einen längerfristigen Aufenthalt haben, werden in die Nachbar-Krankenhäuser verlegt. Derzeit sind 160 Patienten im Krankenhaus St. Barbara untergebracht, das 267 Betten zählt. Dr. Baumann erklärte: „Vor zwei Jahren hatten wir den gleichen Fall in Regensburg. Diese Erfahrungen können wir nun mit einfließen lassen. Wir haben uns bereits mit den Kollegen ausgetauscht.“ 2015 musste das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in der Bezirkshauptstadt evakuiert werden.

Nun kommt es zu einem ähnlich gelagerten Fall in Schwandorf. Deswegen trat am Freitagnachmittag die Führungsgruppe Katastrophenschutz mit Polizei, Rettungsdiensten, Feuerwehren, THW, Krankenhaus-Verantwortlichen und Vertretern des Landkreises zusammen. In einer anschließenden Pressekonferenz erklärte der Schwandorfer Landrat Thomas Ebeling: „Die Bombe ist wieder mit Erde bedeckt worden und wird durch die Polizei bewacht.“

„Sehr kleine Detonation“

Die Verantwortlichen planten in Absprache mit dem Sprengkommando folgendes Vorgehen: Am Samstag, 30. September, kommt es von 8 bis 12 Uhr zur Evakuierung. Die rund 900 betroffenen Anwohner, Betriebe sowie die Berufsschule, die im Umkreis von 300 Metern des Bombenfunds liegen, werden benachrichtigt. Auch die Bahnlinien Regensburg-Hof und Nürnberg-Furth im Wald liegen in dem betroffenen Bereich. Auf der Internetseite der Stadt soll ein Evakuierungsplan veröffentlicht werden, den es noch auszuarbeiten gilt. Zwischen 12 und 14 Uhr erfolgt die Entschärfung. Landrat Ebeling erklärte, dass eine „sehr kleine Detonation“ notwendig sei, weil der Zünder mit Sprengstoff versehen ist. Läuft alles nach Plan, können die Anwohner am frühen Nachmittag in ihre Häuser zurückkehren.

Während der Evakuierung haben Betroffene die Möglichkeit, in der Oberpfalzhalle unterzukommen. Das BRK und die Johanniter bieten einen Fahrdienst an. Außerdem wird ab Montag ein Bürgertelefon (09431/45-333) eingerichtet. Dort sollen sich vor allem Personen melden, die Unterstützung brauchen, weil sie das Haus nicht alleine verlassen können. Dass die Evakuierung auf einen Samstag gelegt worden ist, liegt laut Landrat Ebeling an mehreren Gründen. Die Schule werde an diesem Tag nur wenig beeinträchtigt. Ehrenamtliche hätten mehr Zeit. Und Menschen könnten eher disponieren, wenn sie betroffen sind.

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