19.11.2016 - 02:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Bräuche und Mundartausdrücke rund um die Hochzeit Mit’m „Bschoidejchl“ zur Hochzeit

von Autor SLUProfil

Bräuche und Mundartausdrücke rund um die Hochzeit

Mit'm "Bschoidejchl" zur Hochzeit

Schwandorf. (slu) Aufgrund ihrer inhaltlichen und sprachlichen Wechselbeziehung bilden Dialekt und Brauchtum in den kleinräumigen gesellschaftlichen Strukturen der ländlicher Regionen Bayerns seit jeher eine enge Synthese. Von daher beinhaltet der mundartliche Wortschatz eine Fülle von Ausdrücken, die markante kulturhistorische Bezüge aufweisen, die den Sprechern seit alters her vertraut sind.

Einer der geläufigsten ist "Bschoi". Bei diesem Wort handelt es sich - laut Ludwig Zehetner: "Bairisches Deutsch" - um die dialektale (nordbairische) Lautform von "Bescheid" im Sinne von "das, was einem beschieden ist". Während aber das standardsprachliche "Bescheid" in dem in diesem Beitrag thematisierten Zusammenhang völlig nichtssagend ist, assoziiert der Kundige mit "Bschoi" einen auch heute noch bei Hochzeiten und anderen Feierlichkeiten gerne gepflegten Brauch.

Dieser besteht traditionellerweise darin, dass man den Gästen beim Abschied ein Geschenk in Form von Gebäck oder anderen Speisen, die beim Mahl kredenzt worden waren, mit auf den Weg gibt. Im Dialekt heißt dies: "oin ã Bschoi (bzw. ã Bschoibàckl) mitgemm". Zum Anlass einer Kommunion zum Beispiel werden auch jene Personen damit bedacht, die ihren Glückwunsch mit einem Präsent zum Ausdruck gebracht haben, ohne auf der entsprechenden (Familien-)Feier anwesend zu sein.

In diesem Kontext spricht man von "Bschoi àsfoan" oder "Bschoi ummedrong". Seit geraumer Zeit werden statt einer Essensgabe auch andere Erinnerungsgeschenke, wie etwa eine Flasche Wein mit dem Konterfei des Brautpaares oder ein Foto des Kommunionkindes, verteilt. Damit lassen sich die Art und Anzahl der "Bschoibàckla" besser planen. Früher ging dieser Brauch sogar so weit, dass die Gäste einer Festivität ein Körbchen oder ein (Sack-)Tuch (das so genannte "Bschoidejchl") für die entsprechenden Mitbringsel dabei hatten. Diese waren nicht zuletzt auch für die zu Hause gebliebenen Familienangehörigen bestimmt.

Eng damit verbunden ist auch ein anderer Brauch, nämlich jener, den man als "Spiesregga" bezeichnet. Damit wird folgender Sachverhalt bezeichnet: Im Lauf eines Hochzeitsfestes klopfen Bewohner des Ortes, in dem die Feier stattfindet, an einem Fenster der entsprechenden Gaststätte und recken, nachdem ihnen geöffnet worden ist, eine Heugabel durch das Fenster. Dies ist als Aufforderung zu verstehen, daran ein "Bschoi", zum Beispiel in Form von "Wirscht und Kejchl", zu befestigen. Dies ist nur einer von vielen Bräuchen, die sich um Eheschließungen ranken.

Ein anderer ist das sogenannte "Schnejern": Kinder und Jugendliche warten vor der Kirche mit einem quer vor dem Portal gespannten Seil auf das Brautpaar, um ihm nach Entrichtung eines Obolus Durchlass zu gewähren. Dieser Vorgang wiederholt sich dann auch (mitunter mehrmals) auf der Wegstrecke, die das Brautauto nimmt. Aus Teunz wiederum ist das Tätigkeitswort "grabbln" für das Aufsammeln von Münzen bekannt, die von den Mitgliedern einer Hochzeitsgesellschaft unter das jugendliche Volk geworfen werden. Man sieht, Heiraten kann nicht nur für das junge Glück lohnenswert sein.

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Weitere Informationen im Internet:

www.onetz.de/themen/dialekt

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