Die Verkleinerung im Dialekt: Hàscherl, Lingerl, Bummerl
„A Drudscherl“ ist keine „Drudschn“

Vermischtes
Schwandorf
03.12.2016
82
0
 
Ist ein männliches Rind erwachsen, heißt es "Bumml", auch wenn's ein Ochs ist. Redet der Mundartsprecher über einen Jungstier sagt er "Bummerl" . Das Grundwort "Bumm" gibt es aber in diesem Zusammenhang nicht. Bild: NT-Archiv


Die Verkleinerung im Dialekt: Hàscherl, Lingerl, Bummerl"A Drudscherl" ist keine "Drudschn"

Schwandorf. (slu) Eine Besonderheit des (nord-)bairischen Dialekts sind Wortformen, die wie eine Verkleinerung aussehen, aber dem Sinn nach keine sind. Sie werden "feste Diminutive" genannt und sind in allen möglichen Bereichen angesiedelt, wie folgende Beispiele zeigen: Bàckl (Paket), Bejchl (Buch), Blàdl (Blatt), Breckl (Brocken), Bültl (Bild), Bumml (Stier), Bussl (Kuss), Fàssl (Fass), Glàsl (Glas), Hiasl (Einfaltspinsel, von "Matthias"), Kaiwl (Kalb), Moidl (Mädchen), Ràdl (Fahrrad), Schoubãntl (Schnürsenkel) und Stickl (Stück).

Die Endung zum Ausdruck der Verkleinerung lautet hier -l. Ebenso groß ist die Zahl der Wörter, die auf -erl enden und bei denen derselbe Sachverhalt vorliegt. Als entsprechende Belege lassen sich nennen: Busserl (Kuss), Dacherl (Dohle, Einfaltspinsel), Drudscherl (liebenswürdiges Mädchen), Hàscherl (bemitleidenswerte schüchterne Person), Koudriedscherl (Birkenpilz), Lingerl (sauere Lunge), Schbozerl (Kosename für eine weibliche Person), Schlàcherl (Schlaganfall), Schoscherl (Einfaltspinsel, von "Georg"), Schwãmmerl (Pilz), Stãmperl (Glas Schnaps), Waiwerl (Frau), Wãmmerl (Schweinekrustenbraten, Wamme beim Kaninchen) und Wimmerl (Pickel, Gürteltäschchen, weinerliches Kind).

Die Bedeutung, die bei den Wörtern dieser Gruppe nicht selten mitschwingt, ist die einer Koseform. Bei vielen dieser Beispiele ist ein direktes Pendant ohne Verkleinerungssilbe vorhanden, wie etwa bei "Bejchl" und "Blàdl", bei anderen existiert ein solches Grundwort bzw. Ausgangswort nicht (z. B. "Busserl") oder es hat eine andere Bedeutung. Ein typischer Beleg dafür ist "Drudscherl", das mit einer "Drudschn" (plumpe, dumme Frau) nicht das Geringste zu tun hat. Ein weiterer ist "Lingerl", das dem aus der "Lunge", also dem Organ, hergestellten Gericht dem Namen gibt.

Daneben besitzt der Dialekt natürlich auch tatsächliche Verkleinerungsformen, das heißt solche, bei denen die Diminutivendung wirklich in der Bedeutung einer Verkleinerung, Verniedlichung und Verzärtlichung verwendet wird, wie folgende Auswahl zeigt: Bàckerl (Päckchen), Bejcherl (Büchlein), Bejwerl (Büblein), Breckerl (Bröckchen), Bummerl (Jungstier), Depferl (Töpfchen), Fàsserl (Fässchen), Kaiwerl (Kälbchen), Lechl (Löchlein), Moiderl (kleines Mädchen), Pfaifferl (Pfeifchen) und Stickerl (Stückchen). Hier sieht man auch, mit welchen Endsilben verkleinernde Ableitungen in der Standardsprache gebildet werden, nämlich -chen und -lein.

Im Dialekt scheint in dieser Gruppe die Endung -erl häufiger zu sein als jene auf -l. Interessant ist hier zu sehen, dass einige von ihnen von einem festen Diminutiv auf -l abgeleitet sind, da kein "normales" Grundwort existiert. Ein aussagekräftiges Beispiel ist "Bummerl" von "Bumml"; "Bumm" dagegen gibt es in diesem Wortfeld nicht. Bei anderen wiederum taucht je nach Form eine Bedeutungsveränderung auf.

So etwa bei "Haisl", das ein (wenn auch relativ kleines) Nebengebäude sowie ein Klo bezeichnet, während "Haiserl" tatsächlich für ein Häuschen steht. Nicht selten werden Verkleinerungsformen im Dialekt auch als Mittel der bewussten Untertreibung eingesetzt, wenn z. B. jemand seinen neuen Prachtbau als "mei Haiserl" oder seine Dogge als "mei Hunterl" bezeichnet.

___



Weitere Informationen im Internet:

www.onetz.de/themen/dialekt
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.