13.10.2017 - 19:16 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Dreharbeiten zu "Wackersdorf" Schauspielerisches Heimspiel

Hans Schuierer durchlebt in diesen Wochen die WAA-Auseinandersetzung wie im Zeitraffer noch einmal. Doch es nicht der ehemalige Landrat, der am siebten Drehtag auf dem Fußballplatz des FC Schwandorf steht, sondern der Schauspieler Johannes Zeiler.

Komparse Christian Forster und sein Käfer sind jetzt mittendrin im Filmgeschehen. In der heißen Phase des Widerstands war er ein Jugendlicher.
von Irma Held Kontakt Profil

Der österreichische Mime schlüpft im von Ingo Fliess produzierten Film "Wackersdorf" in die Hauptrolle des Hans Schuierer. Neben dem damaligen Schwandorfer Landrat ist Claus Bößenecker (Peter Jordan), Jurist am Landratsamt Schwandorf und für die Baugenehmigung der WAA zuständig, die einzig reale Figur der Filmgeschichte. Alles andere sind Archetypen wie Monika zum Beispiel. Sie wird dargestellt von Anna Maria Sturm. "Wir fühlten uns sehr privilegiert, dass sie zugesagt hat", erklärt Fliess am Freitag am Set. "Wir haben sie besetzt ohne das biografische Hintergrundwissen." Natürlich trage die Figur auch Züge ihrer Mutter Irene Maria, die sich mit der sieben Monate alten Amanda, der Tochter von Anna Maria, ebenfalls auf dem Sportplatz sehen lässt.

"Berührt mich sehr"

"Das Thema berührt mich sehr", sagt die 34-jährige Schauspielerin. "Meine Mutter hat ihr ganzes Lebensblut investiert, ihre ganze Zeit damit verbracht, diese WAA zu verhindern." Sie selbst sei zu klein gewesen, um damals die Dimension zu begreifen. Es sei einfach immer viel los gewesen. Ingo Fliess und Regisseur Oliver Haffner geht es in dem ersten Kinofilm zur WAA nach 30 Jahren um den politischen Prozess. Der Film ist primär ein Polit-Drama, denn die Wiedergabe der Eskalation der Gewalt. "Es ist ein regionaler Film mit einem allgemeingültigen Thema. Was Hans Schuierer getan hat, ist heldenhaft." Es gelte Entwicklungen aufzuzeigen, vom Befürworter zum Gegner etwa, oder das zivilgesellschaftliche Engagement unter dem Motto "Wir lassen uns das nicht gefallen." "Die Gewaltdarstellungen erklären nichts, uns geht es um Analysen und tieferes Verständnis." Am Freitag auf dem Fußballplatz war Schuierer (Johannes Zeiler) da, weil er Trikots gespendet hat und sein Sohn in der Mannschaft spielt, angeblich auch noch ein Tor schießt.

Erste Spannungen

Er trifft dort auf seinen alten Weggefährten, Bürgermeister Josef Pirner (Johannes Herrschmann), der die Skepsis Schuierers' gegenüber der WAA nicht versteht. Die Freundschaft ist ersten Spannungen ausgesetzt und dann tritt auch noch die Aktivistin Monika auf, die Schuierer vorwirft, sich mit der Industrie zu verbrüdern. Der hochrangige Vertreter des Bauherrn DWK, gespielt von Fabian Hinrichs, hält sich bisher noch im Hintergrund. Bei einem Dorffest, aufgenommen am vergangenen Samstag in Schwarzhofen, musste der Landrat mehr oder weniger verkünden, dass die BBI schließt, viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Und am Donnerstag hatte er einen Auftritt vor Bergleuten im Bodensteiner-Saal in Stulln.

Ein weiteres Mal wird in einigen Wochen der Schwandorfer Sportplatz zum Drehort. Dann ist der Kampf um die WAA schon erbitterter. Im Sportheim findet eine Versammlung statt und ein hochrangiger Repräsentant der Staatsregierung landet mit dem Hubschrauber auf dem Spielfeld. Für die Szenen im Inneren des Landratsamtes zieht die Filmcrew pikanterweise in das ehemalige BBI-Gebäude. Doch die hochpolitische Auseinandersetzung wird ebenso in München geführt, im Maximilianeum und in der Staatskanzlei. Einer kommt aber in diesem Film nicht vor: Franz Josef Strauß.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.