Drehleiter kehrt zurück
Ein Stück Geschichte

Die Schwandorfer Feuerwehr feierte die Heimkehr ihrer "Leila", einer Drehleiter aus dem Jahr 1938. Bilder: Hirsch (2)
Vermischtes
Schwandorf
27.11.2017
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Die Gäste wähnen die "Leila" hinter dem Vorhang der Fahrzeughalle. Doch plötzlich öffnet sich das Tor und die "Kraftfahrleiter KLH 20" rollt herein. Im Originalzustand des Auslieferungsjahres 1938 und in der Farbe "Grün".

Vor 79 Jahren zahlte die Stadt für das handbetriebene Fahrzeug 13 500 Reichsmark. Im April 2013 kaufte die Schwandorfer Feuerwehr die 1970 ausrangierte und später verschollene "Leila" für 12 500 Euro zurück. Mittlerweile hat der Förderverein weitere 55 000 Euro und 2000 Arbeitsstunden in die Restaurierung investiert. Die Vorsitzenden Andreas Hohler und Holger Roidl dankten den 28 beteiligten Helfern und überreichten ihnen ein Geschenk. Neben dem Projektleiter Michael Furtwengler wurde vor allem Bernhard Boßle gewürdigt, der den Motor zerlegte und wieder zusammenbaute.

Wertvolle Hilfe

Bei der Präsentation des historischen Fahrzeugs am Samstag in der Feuerwache zeigten sich Landrat Thomas Ebeling, Oberbürgermeister Andreas Feller und Bundestagsabgeordneter Karl Holmeier beeindruckt von der Leistung der Feuerwehrleute. Die "Leila" ließ sich bis zu einer Steighöhe von 20 Metern ausfahren und war damit den Feuerwehrmännern eine wertvolle Hilfe. Vorsitzender Andreas Hohler erinnerte an die Bekämpfung eines Großbrandes 1969 im Kloster Ettmannsdorf. Damals wurde aber schon deutlich, dass die "Kraftfahrleiter KLH 20" für Großeinsätze nicht mehr ausreichte. Deshalb schaffte die Stadt 1970 eine neue Drehleiter mit Hydraulik an. Die "KLH 20" wechselte in den städtischen Bauhof und war dort noch bis 1978 im Einsatz.

Bild in Fachzeitschrift

Anschließend rostete die "Leila" vor sich hin, bis sie der Neunburger Kreisbrandmeister Willi Stengl in einer Scheune in Kröblitz unterstellte. 2008 ging die Leiter in den Besitz des Unternehmers und Oldtimer-Sammlers Stefan Lindner aus Oberviechtach über. Er transportierte das Gerät vor fünf Jahren bis nach Jork in der Nähe von Hamburg und nahm dort an einem Oldtimertreffen teil. Ein Bild der "KLH 20", die Hersteller "Magirus" in dieser Version nur viermal baute, erschien in einer Fachzeitschrift, die die Schwandorfer Feuerwehrleute zu Gesicht bekamen. Sie erinnerten sich an das gute Stück und wollten es wieder zurückhaben.

Der Feuerwehr-Vorstand war sich mit dem Besitzer Stefan Lindner rasch handelseinig und erwarb den Oldtimer für 12 500 Euro. Mit Freibier und Spanferkel feierten die Feuerwehrleute im April 2013 die Rückkehr der "Leila", nicht ahnend, welche Arbeit auf sie zukam. Allein das Originallenkrad hatte seine eigene Geschichte. Es war nach der Stilllegung des Fahrzeugs plötzlich verschwunden. Hohler recherchierte und bekam den entscheidenden Hinweis. Ein Geschäftsmann hatte das Lenkrad als Dekoration in seinem Büro hängen und gab es gleich zurück, als er von der Geschichte erfuhr. Dass es sich um das Originallenkrad handelt, beweist der Stempel mit dem Herstellerdatum: 22. Januar 1938.
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