06.04.2018 - 20:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Erlebnisse bei Hilfsaktion auf dem Mittelmeer: Fuchs plant Flüchtlings-Buch

Eine libysche Küstenwache, die mit der "Seefuchs" auf Konfrontationskurs geht und treibende Leichen im Wasser. Der Schwandorfer Harald Fuchs berichtet von seiner Mission mit der Organisation Sea-Eye. Außerdem plant der 61-Jährige, bis Juli ein Buch zu verfassen.

Harald Fuchs (links) kurz vor dem Auslaufen des Schiffes "Seefuchs". Bild: exb
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Als studierter Bau- und Sicherheitsingenieur und passionierter Segler ist Harald Fuchs prädestiniert für einen Einsatz auf hoher See. Im März war er im Mittelmeer unterwegs, um Flüchtlinge vor dem Ertrinken zu retten. Zum Ernstfall kam es nicht, keine Hilfesuchenden mussten aufgegriffen werden. Bereits in einem Interview mit unserem Medienhaus hatte Fuchs allerdings auf die tragische Situation im Mittelmeer aufmerksam gemacht. Wie tragisch, das erlebte Fuchs bei seinem Einsatz.

Warnschüsse auf dem Meer

Unter anderem sah er drei Leichen im Wasser. Der 61-Jährige und die weiteren Crew-Mitglieder der "Seefuchs" waren gezwungen, "die Leichen treiben zu lassen". Wie befürchtet, machte der Hilfsorganisation die libysche Küstenwache Probleme. "Sie ist auf Konfrontationskurs gegangen." Ein Schiff steuerte zielstrebig auf die "Seefuchs" zu. Das dürfte wohl als Drohgebärde zu verstehen gewesen sein. Dabei war die "Seefuchs" im offenen Seeraum und nicht im libyschen Küstengebiet unterwegs. Die Situation löste sich schließlich ohne Zwischenfälle auf.

Die Hilfsorganisation "Open Arms" hatte laut Fuchs eine heftigere Begegnung mit der Küstenwache. Ein Schiff nahm 218 Flüchtlinge auf, die zu ertrinken drohten. Die Libyer forderten, die Menschen an die Küstenwache zu übergeben - oder man werde sie töten ("We will kill you"). Die Libyer feuerten Warnschüsse ab, machten ihre Drohung aber zum Glück nicht wahr. Die Flüchtlinge kamen nach Italien. Unsicher ist, wie es mit ihnen weiter geht. Harald Fuchs, der zu einem Gespräch in die Redaktion kam, wird nicht müde, auf die tragischen Umstände der Flüchtlingsproblematik hinzuweisen.

300 Seiten bis Juli

Deshalb plant er im Juli eine Buchveröffentlichung. Etwa 300 Seiten sollen es werden, 70 hat er schon geschrieben. Den sportlichen Veröffentlichungstermin begründet Fuchs mit der Aktualität des Themas. Deshalb soll das Projekt nicht zu weit hinausgezögert werden. Verlegt wird das Buch notfalls im Eigenverlag. 80 bis 90 Prozent des Werkes sollen vom Schwandorfer stammen. Der Rest von Ko-Autoren, darunter Niklas Rokhar. Der 30-Jährige wohnt in Dortmund und war mit dem Schwandorfer auf der "Seefuchs". "Er hat eine gigantische Materialsammlung, mehrere Tausend Seiten", sagt Fuchs über Rokhar.

Das Buch soll unter anderem eine Einführung des Themas beinhalten, von Nichtregierungsorganisationen und dem Umgang mit der Flüchtlingsproblematik in anderen Ländern handeln. Außerdem wird die Geschichte der Halbaraberin Laila - passend zum Buchtitel "Laila weint nicht mehr" - in das Werk eingearbeitet. Laila wohnt in Nürnberg und ist in Freiheit aufgewachsen. Ihr Vater hingegen hat prägende Erinnerungen an die Zeit im Bürgerkriesland Libanon und den "unsäglichen Zuständen in den 1970er Jahren", wie es im Vorwort des Buches heißt. Demgegenüber wird im Buch eine fiktive Person gestellt, die ebenfalls Laila heißt und stellvertretend für alle kleinen Kinder stehen soll, die in den Folterlagern leben oder zur Welt kommen.

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Unverbindliche Buchvorbestellungen: laila-weint-nicht-mehr[at]mail[dot]de

Spende

Spenden an die Organisation Sea-Eye sind unter folgender Verbindung möglich:

Volksbank Regensburg

IBAN: DE60 7509 0000 0000 0789 98

BIC: GENODEF1R01

Weitere Infos unter www.sea-eye.org

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