Evangelische Kontakte nach Brasilien
Hilfen für die Indigenen

Eine kleine Delegation aus der Mittleren Oberpfalz besuchte heuer Brasilien, um die Kontakte der Evangelischen aus dem Dekanat Sulzbach-Rosenberg mit dem Indianermissionsrat zu stärken. In einer Grundschule der Kaingang im indigenen Gebiet Guarita führten die Kinder zur Begrüßung Tänze auf. Bilder: Brigitte Lang (3)
Vermischtes
Schwandorf
16.12.2016
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Bei einem Treffen der Kofas, der weisen Männer und Frauen der Kaingang im indigenen Gebiet Guarita, wurde Jahrhunderte altes Wissen über Heilkräuter und deren Wirkung austauscht.

Die indigenen Völker in Brasilien werden häufig noch diskriminiert und ausgegrenzt und sind in ihrem Überleben als Volksgruppe bedroht. Hier setzt das Partnerschaftsprojekt des evangelisch-lutherischen Dekanats Sulzbach-Rosenberg mit "Comin" an. Besonders aktiv ist man in Schwandorf.

Um das Jahr 1500, als die Portugiesen Brasilien eroberten, gab es dort 700 Indianervölker mit zusammen etwa fünf Millionen Menschen. Durch Verdrängung, Ermordung und Versklavung wurde diese Anzahl vermindert. Heute zählt man 734 000 Menschen in 227 Völkern. Bei einer Gesamtbevölkerung in Brasilien von etwa 190 Millionen Menschen beträgt der Anteil der Indigenen nur noch 0,4 Prozent.

Mit Backhouse fing es an

Martin Backhouse war bis September 1975 als Vikar in Schwandorf tätig. Im August 1974 hatte er Brasilien besucht und war dabei mit den Problemen der in Guarita lebenden Indigenen in Berührung gekommen. Im indigenen Gebiet Guarita (Südbrasilien) leben derzeit circa 7000 Menschen des Volkes Kaingang und 200 des Volkes Guarani. Bald kam der Vorschlag, Backhouse solle die Betreuung der indianischen, in Guarita ausgebildeten Lehrer, übernehmen. Backhouse kehrte im September 1974 zunächst nach Deutschland zurück und trat seinen Dienst in Schwandorf an. Im Sommer 1975 wurde Backhouse dann von der evangelische Kirche in Brasilien offiziell mit dem missionarischen Dienst bei den Kaingang in Guarita betraut.

1982 wurde von der Kirchenleitung der "Conselho de Missão entre Índios", kurz "Comin", als Beratungsorgan des Kirchenrates für Indianerfragen gegründet. Hauptaufgabe des "Comin" ist Hilfe beim Kampf der indigenen Völker für die Einhaltung der verfassungsmäßigen Rechte auf den Gebieten Erziehung, Gesundheit, Organisation, Landbesitz und der traditionellen Formen der Sicherung des Lebensunterhaltes.

Mitte der 1990er Jahre kam Schwung in den Austausch. Die regionalen Fördergruppen in Brasilien hatten sich dafür ausgesprochen, eine Partnerschaft mit Sulzbach-Rosenberg einzugehen. Die Zusammenarbeit sollte aber langsam aufgebaut werden. Zur Teilnahme am Dekanatsmissionsfest in Schwandorf 13. Oktober 1996 in der Oberpfalzhalle kam eine Delegation. Im Jahr 1997 stand der Gegenbesuch in Brasilien im Mittelpunkt der Aktivitäten.

Besuche, Gegenbesuche

Das Jahr 1999 sah dann einen zweiten Besuch einer brasilianischen Delegation im Dekanatsbezirk. Und so ging es weiter - Besuche, Gegenbesuche, große Infoveranstaltungen, die Kontakte wurden immer enger. Besonders die Jahre ab 2008 des brasilianischen Pfarrers Milton Jandrey in Schwandorf brachten intensiveres Engagement der Oberpfälzer.

"Wir wollen auch weiterhin keine Almosen, sondern Hilfe zur Selbsthilfe geben", heißt es von deutscher Seite, für die Dekan Karlhermann Schötz verantwortlich zeichnet. Die auch von Schwandorf aus unterstützten Projekte, hauptsächlich in Ernährungsberatung, Gesundheitsvorsorge, Schul- und Berufsausbildung und Landwirtschaft sollen dazu beitragen, dass die Kaingang in Guarita sich baldmöglichst eigenständig um ihre Belange kümmern und mit eigener Hände Arbeit für ihren Unterhalt sorgen können.

Dabei sei es wichtig, so wie dies durch den "Comin" vorbildlich geschehe, Kultur, Traditionen und Gebräuche der Indigenen zu respektieren, um die für das Selbstbewusstsein unverzichtbare Identität nicht nur zu wahren, sondern möglichst sogar weiter zu stärken.

Nicht direkt in Guarita

Nach der Vertreibung des "Comin" aus dem Gebiet Guarita im Jahre 1985 aus politischen Gründen hat man von Kirchenseite zur Vermeidung weiterer Auseinandersetzungen einen Beschluss gefasst, die Arbeit in Guarita nur noch von außen weiter zu betreiben. Andere religiöse Gemeinschaften sind durch Kirchen und andere Gebäude im Territorium deutlich stärker und auffälliger präsent. "Comin gelingt es trotz dieser geringeren Sichtbarkeit stets, bei der Bevölkerung als unabhängige Institution der lutherischen Kirche und als 'Kirche für andere' erkennbar zu bleiben. Soweit möglich, wollen wir gerne dazu weiterhin unseren Beitrag leisten", versicherte der Dekan.

Wir wollen keine Almosen, sondern Hilfe zur Selbsthilfe geben.Der evangelische Dekan Karlhermann Schötz


Jubiläum und HilfeHeuer wurden es 40 Jahre, dass das evangelische Dekanat Sulzbach-Rosenberg eine Beziehung mit der "Indianer-Mission Toldo Guarita", wie es damals noch hieß - heute dem Indianermissionsrat "Comin" der evangelischen brasilianischen Kirche - pflegt. Diese Beziehung wurde zu einer intensiven Partnerschaft. Der Grundstein der Partnerschaft wurde im Jahr 1976 gelegt, als Pfarrer Martin Backhouse (von 1973 bis 1975 Vikar in Schwandorf) im Auftrag der evangelischen brasilianischen Kirche als Missionar im indigenen Gebiet Guarita mit dem Indigenen Volk der Kaingang arbeitete.

Durch die Unterstützung eines Freundeskreises wurde die Partnerschaft erhalten und ausgebaut. Die finanzielle Unterstützung des Dekanats wird seit 2004 ausschließlich für die Arbeit von Noeli Falcade, die das Projekt "Beratung in Gesundheit und Ernährung" leitet, verwendet.
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