Fische verbarrikadieren

Fritz Heberlein (links) schützt diesen Teich mit einer Art Weidezaun. Ohne Schutzzäune gegen den Fischotter können seiner Ansicht nach Teichwirte "zusperren". Rechts Otterberater Peter Ertl. Bilder: Held (3)
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Schwandorf
28.06.2017
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Fritz Heberlein erläutert Peter Ertl (links) die Fortschritte beim Zaunbau.

Die Wasserflächen sind inzwischen gut verbaut mit Drähten, Netzen und Zäunen. Die Fischräuber kommen nicht mehr nur aus der Luft. Der Otter braucht eine besonders stabile Sperre. Er beißt sich sonst durch.

Schwandorf/Oberviechtach. Hans Verschl aus Gartenried (Stadt Oberviechtach) machte im Frühjahr diese Erfahrung. Der Hobbyfischer hat sein gut gepflegtes Weiher-Grundstück im vorigen Jahr mit einem Maschendrahtzaun vor dem Fischotter gesichert. Doch der hat einfach den Draht durchgebissen. Auf den Rat von Otterberater Peter Ertl hin, fährt Verschl schwerere Geschütze auf. Zwei Stromlitzen wie an Weidezäunen verwehren den Zutritt ebenso wie Lärchenbretter auf dem Boden den Zugang von unten. Hindernisse müssen verbarrikadiert werden, denn der Otter ist schlau und gibt sich nicht leicht geschlagen.

Ertl befürchtet, dass viele Hobby-Teichwirte aufgeben, denn der Schaden, den Otter anrichten, sei immens. Einen Teich mit 200 bis 500 Fischen räubern sie aus und schrecken auch vor prächtigen Karpfen oder Forellen nicht zurück. Berufsfischern geht es an die Existenz. "Wenn wir nichts machen, können wir zusperren", sagt Fritz Heberlein aus Plechhammer (Stadt Oberviechtach). Seit zwei Jahren "wütet" die Marderart in seinen Forellenteichen, in denen sie leichtes Spiel hat. "Keine Fischwirtschaft erholt sich davon. Der Otter lässt sich schlussfolgern ruiniert nicht nur die Fische, sondern auch die Teichwirtschaft.

Während Heberlein einige Teiche bisher mit Stromlitzen gesichert hat, baut er um ein Grundstück, auf dem er die Brut- und Setzlingeproduktion betreibt, einen richtig stabilen Metallzaun, der einen halben Meter tief in den Boden reingeht und 1,50 Meter hoch ist. Das ist teuer. Die Bewirtschaftung fällt aber leichter, denn bei den Stromlitzen um die Wasserfläche muss das Gras ständig kurz gehalten werden. Weil der Fischotter keinen natürlichen Feind hat und nicht bejagt wird, befürchtet Heberlein eine Verdopplung der Population bis 2019. In Tschechien, Österreich und Teilen des Bayerischen Waldes steht das Otterproblem seit 10 bis 15 Jahren auf der Tagesordnung. Ertl sucht in Wassernähe ganz gezielt nach Otterspuren, Trittsiegel und Scharrhaufen. Im östlichen Landkreis ist das Otterproblem am größten, doch auch aus dem südlichen und westlichen Landkreis bekommt er inzwischen Meldungen. Im Charlottenhofer Weihergebiet beispielsweise ist der Otter auch angekommen. Ertl zufolge sind einem Teichwirt aus dem Oberviechtacher Raum von 40 000 Fischen im Herbst, im Frühjahr noch etwa 10 000 geblieben.

Dass sich die Situation momentan entspannt, führt er auf ein größeres Nahrungsangebot für den Fischotter zurück. "Das ist meine Theorie," sagt Ertl. Zeichen für den Otter seien das spurlose Verschwinden von Fischen in größerer Zahl oder Karpfen mit angebissenen Schwanzflossen. Der Otter bezieht gern Biberbauten oder Wurzelstöcke.

Peter Ertl, zuständig für die Kreise Schwandorf, Cham, Regensburg, Neumarkt und den Regierungsbezirk ittelfranken - "aber da ist es noch ruhig" - ist der Mittler zwischen Fischotter und Teichwirten. "Ziel ist es, den Otter zu erhalten." Mit dem Fischottermanagement will laut Ertl die Staatsregierung gleichzeitig der Teichwirtschaft helfen. 100 000 Euro sind im Schadenstopf für ganz Bayern. "Das reicht nicht", sagt Ertl, denn die Schäden sind immens. 80 Prozent sind förderfähig. Ertl nimmt die Schäden auf, untersucht, ob es Otterschäden sind. Dann berät er zu Abwehrzäunen. Sie werden mit 50 Prozent gefördert, allerdings gehen kleine Hobbyfischer leer aus, die nicht vermarkten, sondern Familie, Freunde und Nachbarn mit Fischen versorgen. "Bei großen Anlagen geht mein Rat in die Richtung, das Wichtige zu schützen. 20 Hektar kann man nicht einzäunen." Ertl bringt auch die Entschädigungszahlungen auf den Weg. Seit 15. Februar im Amt sind bereits zwischen 20 und 30 Schadensmeldungen bei Ertl eingegangen, inzwischen auch aus dem westlichen Landkreis, zum Beispiel Fensterbach.Fischotterberater Peter Ertl, der selbst Fischwirt ist, ist zu erreichen unter Telefon 09433 / 896-210 oder 0172 1430 423, E-Mail: peter.ertl@lfl.bayern.de.

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Weitere Informationen:

www.wildtierportal.bayern.de

FischotterDer eurasische Fischotter ist einschließlich Schwanz etwa 90 Zentimeter lang und wiege acht bis zwölf Kilo (Weibchen vier bis acht). Er ist ein ausgezeichneter Schwimmer und Taucher. Zu Gesicht bekommt den Otter kaum einer, denn die Marderart ist dämmerungs- und nachtaktiv. In der Nacht legt er oft bis zu 15 Kilometern zurück. In der Regel bekommen sie ein bis drei Junge. Neben Fischen frisst der Otter auch Krebse, Amphibien, Wasservögel und kleine Säugetiere. Ertl ist bereits aufgefallen, dass es heuer wenig Entenbrut auf den Teichen gibt. Der Nahrungsbedarf liegt bei ein 0,4 bis 1,2 Kilo pro Tag, wenn die Weibchen Junge haben, natürlich deutlich höher. (ihl)
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