07.02.2018 - 20:00 Uhr
Schwandorf

Fragwürdige Drogen-Geschenke

Wenn es um Drogen geht, taucht regelmäßig der Name einer Straße in Burglengenfeld auf. Dort leben Leute, die entweder schwer drogenabhängig sind oder mit Rauschgift handeln. Mitunter auch beides. Jetzt drehte sich bei einem Prozess in Schwandorf erneut einiges um Bewohner dieses Straßenzugs.

Symbolbild: Peter Steffen/dpa
von Autor HWOProfil

Schwandorf/Burglengenfeld. Zwei Männer wurden im Vorjahr vom Amberger Landgericht zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Sie waren süchtig und hatten einen wie sie auf Drogen angewiesenen Mann an den Burglengenfelder Stadtrand gelockt. In einem Wald wurde das Opfer ausgeraubt. Ausgangspunkt des Verbrechens waren zwei Anwesen in einer Straße der ehemaligen Kreisstadt.

Diese Straße spielte auch jetzt wieder eine Rolle, als der Schwandorfer Amtsgerichtsdirektor Ewald Ebensperger ein unterdessen in Franken lebendes Ehepaar auf die Anklagebank geholt hatte. Beide sind seit Jahren dem Rauschgift verfallen und waren offenbar regelmäßig in der Burglengenfelder Wohnung eines Mannes, der Crystal Meth ständig im Angebot hatte. Wurden sie dort mit Crystal kostenlos versorgt oder gingen die wöchentlich mehrfach erfolgten Deals gegen Bargeld über die Bühne? Es drehte sich um Hunderte einzelner Geschäfte, bei denen jeweils zwischen 0,2 und 0,4 Gramm Crystal Meth in den Jahren 2014 bis 2016 verhökert worden sein sollen. Im Fall des 35-jährigen Ehemanns ging Staatsanwältin Christina Denk von 252 Rauschgiftankäufen aus.

Der Familienvater, damals mit seiner Partnerin im Städtedreieck wohnhaft, bestritt diese Vorwürfe. Von ihm vernahm der Richter, dass er bei seinen "etwa 30 bis 40 Besuchen in der Wohnung" mit Crystal Meth quasi beschenkt worden sei. Sein Argument: "Ich habe den Mann öfter aufgesucht. Wenn er gut drauf war, hat er mir etwas kostenlos gegeben. Wenn er schlechter Stimmung war, bin ich wieder gegangen."

Eine solche Großzügigkeit beim angeblichen Verschenken von Drogen hatte Richter Ebensperger noch nie vernommen. "Merkwürdig", sinnierte er und fügte hinzu: "Bei einem Grammpreis von 100 Euro wäre das sehr spendabel." Das Gegenteil aber konnte weder der 31-jährigen Frau noch ihrem Ehemann nachgewiesen werden. Denn der als Zeuge geladene mutmaßliche Dealer konnte aus rechtlichen Gründen die Angaben verweigern und tat das auch. Der Grund: Gegen ihn sind noch umfangreiche Ermittlungen im Gang. So kam das Ehepaar glimpflich davon. Gegen beide wurden die Verfahren eingestellt. Sie haben aus anderen Verurteilungen noch hohe Geldbußen zu zahlen. Das müsse genügen, befand der Richter. Dabei war klar: Sie waren nur Randfiguren in einem hochkriminellen Gefüge.

Kriminelles Netzwerk

Das ganz dicke Ende kommt wohl erst. Doch es kündigte sich an, als jetzt in Schwandorf gegen das Ehepaar verhandelt wurde, das angeblich in Burglengenfeld immer wieder mit der hoch gefährlichen Droge Crystal Meth beschenkt worden sein will. Ob er wirklich so großzügig war, mochte ein 51-Jähriger als Zeuge nicht sagen. Er hatte ein Aussageverweigerungsrecht, weil gegen ihn umfangreiche Ermittlungen laufen.

Der Mann steht im Verdacht, über Jahre hinweg wöchentlich zwischen 40 und 60 Gramm Crystal Meth bezogen zu haben. Wie das genau ablief, wird sich wohl erst im Prozess gegen ihn zeigen. Fest aber steht wohl, dass Drogenfahnder der Kripo Amberg irgendwann Wind von den Lieferungen aus der Tschechischen Republik bekamen. Die Beamten legten sich auf die Lauer und stießen auf zwei angeblich aus Russland stammende Männer, die in ständig wechselnden Fahrzeugen die Lieferungen nach Burglengenfeld brachten. Ihre Autos stellten sie am Stadtrand ab. Es soll auch einen sogenannten Erdbunker gegeben haben. Bei weiteren Ermittlungen offenbarte sich eine Liste von Abnehmern.

Eine Rolle in dem kriminellen Netzwerk spielte offenbar ein Mann aus dem tschechischen Rokycany bei Pilsen. Er hatte im Verlauf der Nachforschungen Angaben vor einer Amberger Staatsanwältin gemacht. Als man ihn als Zeuge nach Schwandorf lud, konnte das Schreiben der Justiz nicht zugestellt werden. Er ist wohl abgetaucht. (hwo)

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