01.03.2017 - 20:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Geblitzt: Handwerker darf Führerschein behalten Verzicht auf Verbot

Schwandorf/Nabburg. Wer vor Gerichten um die Aufhebung von Fahrverboten kämpft, hat in der Regel so gut wie keine Chance. Denn es existiert ein Bußgeldkatalog, der bei Verkehrsverstößen klar gestaffelt ist. Jetzt aber gab es trotzdem "eine Ausnahme", wie die Schwandorfer Amtsrichterin Franziska Bücherl ihre Entscheidung bezeichnete.

Ein Handwerker fand vor dem Gericht Gnade. Symbolbild: dpa
von Autor HWOProfil

Der Handwerker aus dem nördlichen Bereich der Oberpfalz war mit seinem Wagen auf der A 93 bei Nabburg unterwegs. Er hielt den Mindestabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug nicht ein und wurde geblitzt. 155 gemessene Stundenkilometer bei einem von der Polizei registrierten Abstand von 23 Metern zum "Vordermann". Dafür gab es 240 Euro Geldbuße und einen Monat Fahrverbot.

Beim Einspruchsverfahren vor Richterin Bücherl ließ der 52-jährige Handwerker über seinen Anwalt argumentieren, warum ihn ein Fahrverbot als quasi einzigem Bediensteten seiner Firma in gewisse Existenznöte bringen würde: Regelmäßig unterwegs zu Kunden, eher bescheidene Einkommensverhältnisse, auf den Wagen als Fortbewegungsmittel immer angewiesen. "Könnte seine Frau ihn fahren?", hakte die Richterin nach. "Nein", erfuhr sie. Denn ihr falle im Haushalt die Aufgabe zu, sich fortwährend um ihre kranke Mutter und auch noch um die ebenfalls auf Betreuung angewiesene Schwiegermutter zu kümmern. Da könne sie nicht längere Zeit ihren Mann zu Kunden bringen.

Zur genauen Beleuchtung der Lebensumstände wurden Unterlagen vorgelegt, die in der Gesamtschau zur Erkenntnis führten, dass der Mann aus dem Kreis Neustadt/WN sich auch keinen Fahrer leisten kann, der ihn vier Wochen lang chauffiert. Von daher kam es zu der, wie die Richterin in ihrem Urteil sagte, ungewöhnlichen Entscheidung, auf das Fahrverbot zu verzichten. Allerdings muss der Handwerker nun 480 Euro Buße überweisen. Vorab schon bat sein Verteidiger um Ratenzahlung, denn die Lage in dem Ein-Mann-Betrieb sei alles andere als rosig.

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