Gefängnis nach Geldforderung

Vermischtes
Schwandorf
03.12.2016
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Die Verteidigung hatte auf eine Bewährungsstrafe gehofft, doch das Auge-Zudrücken der Judikative blieb aus: Christian T. (Name geändert) muss 16 Monate ins Gefängnis. Für die Richter stand fest, dass der 25-Jährige eine unrechtmäßige Geldforderung mit Gewalt und Drohungen eintreiben wollte. Sie lagen mit dem Urteil noch über der Forderung des Staatsanwalts.

Im Verfahren spielte eine Frage eine maßgebliche Rolle: War der Angeklagte der Ansicht, er hätte einen Anspruch auf 1700 Euro von Roland W. (Name geändert)? Fakt ist: Es gibt einen von Roland W. unterzeichneten Schuldschein, in dem er Christian T. die Zahlung besagter Summe zusagt - quasi als Wiedergutmachung dafür, dass der 25-Jährige wegen einer Aussage von Roland W. ins Gefängnis musste. Dieses Geld hatte der Angeklagte dann wohl versucht einzutreiben, als er den zwei Jahre Älteren im Mai diesen Jahres in einem Auto am Schwandorfer Adolf-Kolping-Platz traf. Durch die offene Fensterscheibe soll er ihn laut Anklageschrift gepackt und gedroht haben, ihn aus dem Auto zu prügeln, wenn er sein Geld nicht bekommt.

Eine weitere Frage stellte sich: Unterschrieb Roland W. den Schuldschein freiwillig, wie Christian T. sagte, oder wurde er mit Schlägen und Drohungen dazu gezwungen? Das beteuerte Roland W. Dazu hörte das Gericht einige Zeugen, die bestätigten, dass der Geschädigte ihnen gegenüber gesagt habe, geschlagen worden zu sein. Andererseits gaben sie zu Protokoll, dass es der 27-Jährige wohl mit der Wahrheit oftmals nicht allzu genau nahm. "Alles gelogen": So kommentierte zum Beispiel eine Ex-Freundin von Roland W. im Zeugenstand die Beziehung zu ihm.

Unter dem Strich kam es zu zwei unterschiedlichen Bewertungen: Staatsanwalt und Verteidiger gingen nicht mehr von einer versuchten räuberischen Erpressung, sondern einer versuchten Nötigung aus. Das hat Auswirkungen auf die mögliche Strafe. Ihrer Ansicht nach handelte Christian T. im Glauben, zurecht einen Anspruch auf das Geld zu haben. Staatsanwalt Holger Vogl beantragte deshalb eine Freiheitsstrafe von einem Jahr. Verteidiger Wilhelm Wartha hielt sechs Monate für angemessen - ausgesetzt zur Bewährung.

Zu einer Bewährungsstrafe führte für das Schöffengericht unter Vorsitz von Ewald Ebensperger angesichts der vielen Vorstrafen von Christian T. kein Weg mehr. Das Gericht war im Gegensatz zu den Vorrednern der Überzeugung: "Hier wurde eine versuchte räuberische Erpressung begangen". Es gebe keinen Hinweis dafür, dass der Geschädigte den Schuldschein freiwillig unterschrieben hat. Richter Ebensperger fragte: "Warum hätte er das auch tun sollen?". Die Quittung: 16 Monate Gefängnis. Angesichts der unterschiedlichen Bewertungen scheint eine Berufung aber durchaus möglich.
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