23.05.2017 - 19:16 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Geldstrafe nach Unfall-Tragödie

Vor eineinhalb Jahren kommt es zu einem heftigen Auffahrunfall. Ein Transporter knallt mit voller Wucht auf einen Audi. Ein zwölfjähriges Mädchen stirbt an den Verletzungen. Am Dienstag musste sich der 21-Jährige aus dem Landkreis Schwandorf, der den Unfall verursacht hatte, vor dem Amtsgericht verantworten.

Mit diesem Transporter baute vor eineinhalb Jahren ein damals 20-Jähriger einen folgenschweren Unfall. Dabei starb ein zwölfjähriges Mädchen an den Folgen der Verletzungen. Bild: bk-media
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

19. Dezember 2015 gegen 14 Uhr: Die Tischtennis-Mädchenmannschaft aus Oberviechtach hat gerade gegen den TSV Klardorf unentschieden gespielt. Bevor sie nach Hause fahren, wollen die Mädchen einen Abstecher in ein Schwandorfer Schnellrestaurant machen. Auf der SAD 2 zwischen der Autobahn-Anschlussstelle Schwandorf-Süd und dem Klardorfer Kreisel muss der damals 18-jährige Fahrer abbremsen. Vor ihm steht ein Toyota mit einer Panne. Ein Abschleppwagen des ADAC ist vor Ort. Gelbe Warnlichter blinken. Es sind die Sekunden vor dem Drama.

Ein paar Stunden vorher beginnt ein 20-jähriger Baumaschinenführer seine Arbeit auf einer Baustelle in Regensburg. Es ist sein letzter Arbeitstag vor seinem Winterurlaub. Am Nachmittag macht er sich wegen eines Termins auf den Weg nach Hause. Was er zu dem Zeitpunkt noch nicht weiß: Die ABS-Fühler des Firmen-Transporters sind altersbedingt defekt, die vordere linke Bremsscheibe war schon mehrmals überhitzt worden. Die Mängel stellte ein Gutachter fest, nicht jedoch der TÜV, bei dem der Fiat Ducato drei Monate zuvor auf der Hebebühne stand.

600 Meter freie Sicht

Auf der A 93 fährt der 20-Jährige schließlich die Ausfahrt Schwandorf- Süd ab. Eigentlich müsste er das Pannenfahrzeug, den Abschleppwagen und den Audi auf der SAD 2 sehen: rund 600 Meter freie Sicht, helllichter Tag und Warnleuchten. Weder Alkohol noch Drogen sind im Spiel. Umso verwunderlicher ist es, warum der junge Mann erst etwas über 40 Meter vor dem Audi eine Vollbremsung hinlegt. Der Transporter knallt mit voller Wucht auf den Audi, schlingert s-förmig auf die linke Fahrbahn und bleibt in den Leitplanken hängen. Der Audi wird durch den Aufprall auf den Toyota geschoben. Alle Insassen des Audi sind verletzt. Ein zwölfjähriges Mädchen so schwer, dass es einen Tag später in der Regensburger Uniklinik stirbt.

Am Dienstag stand nun der heute 21-Jährige vor Gericht. Angeklagt wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung in vier Fällen. Über den Unfallhergang konnte der Angeklagte nichts sagen. Er erinnerte sich nur noch, wie er nach dem Zusammenstoß aus dem Transporter taumelte und sich auf die Straße setzte. Beim Gerichtsverfahren wurde dem heute 21-Jährigen vor allem zur Last gelegt, dass er viel zu schnell unterwegs war. Laut Gutachten zwischen Tempo 115 und 131. Genau konnte das nicht geklärt werden, weil es unterschiedliche Angaben darüber gab, ob der Audi noch am Ausrollen war oder bereits stand.

Tränen und Tagessätze

Weder die Familie und Freunde des toten Mädchens noch der Angeklagte haben den Unfall verarbeitet. Ein heute 14-jähriges Mädchen, das damals mit im Audi saß, brachte bei ihrer Aussage gerade noch die Personalien ohne Schluchzen heraus. Der Angeklagte hat sich in psychotherapeutische Behandlung begeben. Er entschuldigte sich bei der Familie.

Bei den Plädoyers lagen Staatsanwältin Franziska Wilhelm (sie forderte 150 Tagessätze und zwei Monate Fahrverbot) und Verteidiger Wilhelm Wartha (120 Tagessätze und ebenfalls zwei Monate Fahrverbot) nahe beieinander. Das Jugendschöffengericht verurteilte den 21-Jährigen schließlich zu 150 Tagessätzen à 43 Euro (6450 Euro) sowie drei Monaten Fahrverbot (das Maximum in diesem Fall). Richterin Petra Froschauer begründete die Strafe vor allem damit, dass der 21-Jährige bereits vor dem Unfall mit Tempo 124 bei erlaubten 100 geblitzt worden ist. Noch schlimmer: Neun Monate nach der Tragödie erwischten Beamte ihn sogar mit Tempo 136.

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