Gesprächskreis unterstützt Angehörige von Demenzpatienten
Wenn Betreuung einsam macht

Ein Blick ins Fotoalbum: Demenzkranke leben in der Vergangenheit. Die Krankheit lässt Betroffene die Gegenwart vergessen. Archivbild: Gabriele Rohde
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Schwandorf
08.04.2018
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"Die falsche Scham vor der Öffentlichkeit veranlasst immer noch viele Angehörige, sich zurückzuziehen." Zitat: Petra Ihring

Sie wollen anonym bleiben. Die Teilnehmer am Gesprächskreis "Pflegende Angehörige von Demenzpatienten", die sich täglich und rund um die Uhr in den eigenen vier Wänden um Demenz- und Alzheimerpatienten kümmern, scheuen die Öffentlichkeit. Bei Petra Ihring, der Leiterin des Gesprächskreises, schöpfen sie Kraft.

Der Caritas-Kreisverband hat eine "Fachstelle für pflegende Angehörige im Landkreis" eingerichtet und Petra Ihring mit der Leitung betraut. Die Sozialpädagogin betont: "Die Fachstelle versteht sich als niedrigschwelliges, kostenloses und neutrales Informations- und Beratungsangebot im Landkreis." Die Dienstleistung stehe sowohl pflegenden Angehörigen als auch kranken und pflegebedürftigen Senioren offen. Petra Ihring betreut auch die Gruppe "Pflegende Angehörige", die sich jeden vierten Montag im Monat ab 19 Uhr in der Altentagesstätte des Kreiscaritasverbandes in der Ettmannsdorfer Straße in Schwandorf trifft. Und wer ist in dieser Zeit beim kranken Angehörigen? "Der Mann, die Frau, die Kinder", so die unterschiedlichen Antworten. Die Betreuung müsse rund um die Uhr sichergestellt sein. "Zusammen können wir nichts mehr unternehmen", klagt eine Frau. Wenn sie weggehe, müsse der Mann zu Hause bleiben oder umgekehrt. Die kranke Mutter ins Heim zu geben, komme für sie aber nicht in Frage. Die übrigen Gesprächsteilnehmer nicken.

"Die Tabuisierung des geistigen Leistungsverlustes und die falsche Scham vor der Öffentlichkeit veranlassen immer noch viele Angehörige, die Erkrankung zu verschweigen und sich zurückzuziehen", stellt Petra Ihring fest. Dies könne zu einer schleichenden Vereinsamung bis hin zur Erkrankung der Pflegeperson führen, weiß sie aus Erfahrung. Deshalb hält sie den Austausch und die gegenseitige Hilfestellung im Gesprächskreis für so wichtig.

Der nächste Termin ist der 23. April. An diesem Tag geht es um die Neuerungen in der Pflege. Wie bereitet man sich auf die Begutachtung durch den medizinischen Dienst vor? Welche Folgen hat die Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade? In den weiteren Treffen hören die Teilnehmer Vorträge zu den Themen "Umgang mit Demenzpatienten" und "Seniorengerechtes Wohnen".

Im Landkreis sind 2200 Menschen an Demenz erkrankt. Ihnen und deren Angehörigen will das "Demenz-Netzwerk" (DeNiS) ein Hilfsangebot machen. Petra Ihring (Caritas), Doris Weiß (Helferkreis für Menschen mit Demenz) und Evi Seitz (Seniorenfachstelle am Landratsamt) koordinieren die Zusammenarbeit der 20 Partner, die sich zusammengeschlossen haben mit dem Ziel, an Demenz erkrankten Menschen und deren Familien mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Diesen Einsatz hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen der Initiative "Lokale Allianz für Menschen mit Demenz" mit einem Betrag von 10 000 Euro belohnt.

Die langjährige DeNiS-Sprecherin Regina Suttner hat "Demenz" einmal so beschrieben: "Es ist eine Krankheit, die die Gegenwart vergessen lässt, die Zukunft nimmt und die Betroffenen in die Vergangenheit zurückführt".

Die falsche Scham vor der Öffentlichkeit veranlasst immer noch viele Angehörige, sich zurückzuziehen.Petra Ihring
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