05.02.2018 - 20:00 Uhr
Schwandorf

Grillmeister muss Geldstrafe zahlen Ein Rempler zum "Christmas Special"

Amberg/Schwandorf. Hamburger zum Weihnachtsfest, fröhliche Stimmung in der Nacht zu Heiligabend 2016. Und dann das: Auseinandersetzung am Grillstand, den man vor einer Diskothek im Landkreis Schwandorf aufgebaut hatte. Dazu fand jetzt die dritte Gerichtsverhandlung statt.

Bild: Peter Steffen/dpa
von Autor HWOProfil

Sie kamen ins Tanzlokal, um Weihnachten ein wenig vorzufeiern. Zwei junge Männer und eine Frau aus Schwandorf. Vernünftig dabei: Die damals 18-Jährige trank keinen Alkohol, weil sie das Auto chauffierte. In den später ablaufenden Prozessen spielte das eine wesentliche Rolle. Denn die Studentin konnte Abläufe klar schildern. Fest stand: Die jungen Leute begaben sich in der Nacht vom 23. auf den 24. Dezember 2016 aus dem Innern der Disco hinaus auf den Vorplatz. Dort wurde gegrillt. Es gab Hamburger, Gewiss war auch: Einer der Begleiter der jungen Frau, seinerzeit ebenfalls 18 Jahre alt, griff keck nach einer Käsescheibe, die zum Herstellen sogenannter Cheeseburger hätte dienen sollen.

Ärger ausgelöst

Dem im Stand schweißtreibende Arbeit verrichtenden Grillmeister gefiel das nicht. Der 42-Jährige soll mit seiner Zange dem 18-Jährigen auf die Hand geschlagen haben. Oder auf den Rücken? Der auf solche Weise getadelte junge Mann wusste das nun vor dem Amberger Landgericht nicht so genau. Wohl, weil er viel mehr getrunken hatte, als die von ihm angegebenen vier Wodka. Damit war das Intermezzo nicht beendet. Der Griller soll aus seiner Bude gekommen sein und dem eigenmächtig nach einer Käsescheibe greifenden Schwandorfer einen heftigen Schubser vor die Brust verpasst haben. Dieser Stoß bewirkte, dass der 18-Jährige rücklings umfiel und sich einen bis heute schmerzhaften Unterarmbruch zuzog. Erst tags darauf wurde diese Verletzung im Schwandorfer Krankenhaus diagnostiziert.

Der über drei Prozesse hinweg mutmaßliche Täter bestritt das. Er tat es zunächst vor einer Schwandorfer Amtsrichterin, die das Verfahren abbrach. Grund: Man hätte die Begleiterin des Opfers dringend als Zeugin gebraucht. Doch sie hielt sich längerfristig in Asien auf. Als die Frau zurückgekehrt war, wurde in Schwandorf erneut verhandelt. Dann gab es ein Urteil. Es lautete auf 3000 Euro Geldstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung. Jetzt kam es zum Berufungsprozess. Vor dem Landgericht wurden die Geschehnisse am Grillstand noch einmal aufgerollt. Die Dritte Strafkammer unter Vorsitz von Gerd Dreßler hörte alle Beteiligten erneut. Dabei standen die Schilderungen der heute 20 Jahre alten Studentin im Mittelpunkt. Damals absolut nüchtern und ohne Alkoholeinfluss, beschrieb sie, wie ihr Bekannter einen Rempler vom offenbar erzürnten Hamburger-Brater bekam und durch den Stoß umfiel.

Sogar vorsätzlich

Auf diese Angaben konnte sich die Kammer stützen. Sie kam danach zu einem erstaunlichen Urteil. Was sich da beim "Christmas Special" vor der Disco vollzog, sei keineswegs fahrlässige Körperverletzung gewesen. Es habe sich um eine Vorsatztat gehandelt, ließ Richter Dreßler erkennen. Die Strafe dafür aber lag unter jener Buße, die in Schwandorf verhängt worden war. Der Grillmeister muss 2500 Euro bezahlen. Die Höhe dieser Ahndung orientierte sich an seinen heutigen Einkommensverhältnissen.

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