15.10.2017 - 16:10 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Großer Aufwand wegen zweier Cola-Dosen Wenn Kosten keine Rolle spielen

Was den jungen Praktikantinnen, die im Gerichtssaal saßen, vorgeführt wurde, war ein Stück Rechtsstaat, bei dem sie sich fragen mussten, weshalb wegen zweier gestohlener Dosen Cola ein fast schon unglaublicher Aufwand betrieben wurde. Bei einem Beutewert von lächerlichen 1,60 Euro.

Symbolbild: Volker Hartmann/dpa
von Autor HWOProfil

Bei Jugendverfahren läuft vieles anders als bei Erwachsenen. Denn wenn Minderjährige und Heranwachsende auswärts eine Straftat begehen, findet die Verhandlung dazu bei ihrem zuständigen Heimatgericht statt. Konkreter Fall: Ein 20-Jähriger aus dem östlichen Kreis Schwandorf klaute heuer zusammen mit einem Kumpel im oberbayerischen Schongau zwei Dosen Cola. Beide tranken sie noch im Laden aus und verlangten - ganz schön dreist - an der Kasse das Pfand für die leeren Behälter.

Das hatte ein Ladendetektiv beobachtet. Dieser Mann musste nun als Zeuge die weite Reise von Oberbayern nach Schwandorf antreten. Eigentlich eher sinnlos. Denn er bestätigte nur, was zuvor schon der vor Jugendrichterin Petra Froschauer sitzende und von seiner Lehrstelle in Niederbayern hergefahrene Angeklagte sofort gestanden hatte. Zwei Minuten also für den Ladendetektiv. Dann war er fort. Nach Stunden erst wieder daheim.

"Man hätte das auch fallenlassen können", hatte der Detektiv anklingen lassen. Doch der Baumarkt, in dem der Diebstahl stattfand, erstattete Anzeige. Bis heute hat er aber keine Forderung über die 1,60 Euro geschickt. Die Staatsanwaltschaft hätte nach Ermittlungsabschluss einen Strafbefehl ausstellen lassen können. Doch das tat sie nicht. Und so traf man sich zu einer, wie Beobachter den Eindruck hatten, völlig überflüssigen Stunde im Schwandorfer Amtsgericht.

Was kosten nun diese zwei Dosen Cola? Der 20-Jährige muss wegen Ladendiebstahls 200 Euro zahlen. Damit entsprach die Vorsitzende dem Antrag der Staatsanwältin. Danach fuhren alle wieder heim: Der 20-Jährige an seinen Lehrplatz in Niederbayern und der Ladendetektiv an den Alpenrand. Die Prozesskosten trägt übrigens die Staatskasse.

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