06.08.2017 - 20:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Haft für "brutale Hetzjagd"

"Ich wüsste nicht, wann jemals zuvor in Schwandorf eine solche Hetzjagd stattgefunden hätte", stellte Landgerichtspräsident Harald Riedl in der Urteilsbegründung fest. Die beiden Angeklagten hatten zwei Männer grundlos attackiert, geschlagen und durch mehrere Straßen verfolgt. Nach Ansicht des Richters "eine ganze üble Sache."

von Autor HWOProfil

Amberg/Schwandorf. Onkel und Neffe saßen nebeneinander. Das Kuriose dabei: Der Onkel war um einiges jünger. Zur Tatzeit im September 2015 knapp 18 Jahre alt. Damals schon drogensüchtig und reif für eine längere Therapie, die er nun momentan in München macht. Der Neffe ist heute 22 Jahre alt und musste sich vom Vorsitzenden der Jugendkammer beim Landgericht Amberg, Harald Riedl, den Rüffel gefallen lassen: "Machen Sie so weiter. Dann haben Sie eine bedeutsame kriminelle Karriere vor sich." Den Mann aus Schwandorf hatten Polizeibeamte wegen eines unterdessen begangenen neuen Delikts aus der U-Haft in Handschellen vorgeführt. Er kennt das Leben hinter Gittern, saß das ganze Jahr 2016 über im Gefängnis, brachte zum Berufungsprozess vor der Jugendkammer eine lange Vorstrafenliste und seinen Großvater mit. "Der", ließ Richter Riedl erkennen, "tut mir wirklich leid." Worum ging es in der Neuauflage des Verfahrens? Neffe und Onkel hatten im September 2015 in Schwandorf eine grundlose Attacke gegen zwei Passanten gestartet, die auf dem Marktplatz des Weges kamen. Die Männer wurden beleidigt, angegriffen, geschlagen und verfolgt. Die "schlimme Treibjagd" (Zitat Richter Riedl) führte zum Kolpingplatz, dann auf die Breite Straße und bis hinein in den Zugangsbereich eines Lokals. Daraus resultierten Anklagen wegen gefährlicher Körperverletzung. Ob auch ein Messer gezogen wurde, konnte nicht geklärt werden.

Heuer im Januar hatte es einen ersten Prozess vor dem Schwandorfer Jugendschöffengericht gegeben. Dabei wurde der zur Tatzeit knapp 18-Jährige zu einem Dauerarrest verurteilt und ihm zur Auflage gemacht, eine Suchttherapie anzutreten. Gegen seinen Neffen hatten die Richter eine Freiheitsstrafe von über einem Jahr ohne Bewährung verhängt.

Von der Jugendstrafkammer wurden die Urteile nun korrigiert. Der Dauerarrest fiel bei dem heute 19 Jahre alten Mittäter weg. Er muss stattdessen 100 unbezahlte Arbeitsstunden erbringen und die Entzugsmaßnahme abschließen. Dabei berücksichtigte die Kammer, dass der junge Mann bei dem gewaltsamen Übergriff den geringeren Tatbeitrag leistete. Seinen Neffen schickten die Richter eineinhalb Jahre in die Jugendstrafanstalt. Damit lagen sie über der Höhe des Ersturteils (Riedl: "Viel zu milde") und auch über dem Antrag von Staatsanwältin Franziska Wilhelm. Sie hatte 13 Monate verlangt. Die Entscheidung ist rechtskräftig, es gibt keine weitere Berufungsmöglichkeit.

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