25.08.2017 - 15:52 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Handbiker und Radler miteinander auf Tour 360 Kilometer Handarbeit

Drei Handbiker und drei "Fußgänger", wie die Rollstuhlfahrer scherzhaft alle nennen, die sich auf zwei Beinen fortbewegen, radeln zusammen von Würzburg nach Regensburg. Ein tolles Erlebnis, das förmlich nach einer Wiederholung schreit.

von Irma Held Kontakt Profil

Und diese soll es auch geben.Wenn sie an die Tage im Juli zurückdenken, beginnen die Augen von Klaus Schmidbauer und Alfons Weindler zu leuchten, blitzt Begeisterung auf und zurecht auch Stolz auf diese Leistung. Es war ein Gemeinschaftserlebnis mit Eindrücken, die dauerhaft haften bleiben. "Und wir haben schon lange nicht mehr so viel gelacht wie in diesen vier Tagen", sind sie sich einig. "Wir passen zusammen."

Die zwei Schwandorfer Klaus Schmidbauer und Christian Schafberger sowie Alfons Weindler aus Kirchenrohrbach bei Walderbach kennen sich vom Rollstuhlbasketball. Irgendwie kennen sich alle sechs, sind mal Tagestouren zusammengefahren, aber nie länger in dieser Konstellation unterwegs gewesen. In dieser Hinsicht war der viertägige Radausflug ein regelrechtes Wagnis - mit sehr positivem Ausgang.

Akribisch durchgeplant

Als "Fußgänger" waren der Arbeitskollege von Schmidbauer und Schafberger bei "reha team Betzlbacher" Alois Zinke-Baumann dabei. Erich Nietsch ist der Mann einer Arbeitskollegin und auf Vermittlung Weindlers gesellte sich Thomas Solleder aus Tegernheim zum Quintett. "Geredet haben wir schon lange über die Tour", erzählt der 50-jährige Schmidbauer, aber "irgendwann mussten Nägel mit Köpfen gemacht werden". Diese Nägel mit Köpfen bedurften allerdings einer längeren und akribischen Vorbereitung, Vier Etappen zu 100 und 80 Kilometern wurde durchorganisiert. Die Streckeneinteilung war noch das einfachste, andere Fragen waren drängender: "Wie kommen wir nach Würzburg?" "Wo kommen wir unterwegs unter?" Das erste Handicap in Schwandorf: "Wie kommt auf dem Schwandorfer Bahnhof ein Rollstuhlfahrer auf Gleis 3 ?" Es gibt einen Weg, aber "zwei, drei Tage Voranmeldung sind nötig". "Es ist absolut klasse mit der Bahn gelaufen", lobt Schmidbauer und Weindler nickt zustimmend.

Kompromissbereit

Zimmer wurden entsprechend gebucht, aber bei Rothenburg ob der Tauber tauchten die ersten Zweifel auf. "Wir sahen nur Bauernhöfe, dann einen Hinweis auf einen Landgasthof, aber mit Aufzug, rollstuhltauglichen, großen Zimmern." Die Erleichterung war groß. Weindler spricht aus, was nicht nur für Rollstuhlfahrer gelten sollte. "Wenn du unterwegs sein willst, findest du nicht immer das Passendste. Man muss sich zu helfen wissen und Kompromisse schließen." Dann müsse hält mal das Waschen am Waschbecken genügen, statt einer Dusche. Auch an den anderen Quartieren gab es nichts zu meckern, wobei meckern Weindlers und Schmidbauers Sache generell nicht ist.

Die Sechs genossen die "traumhafte Landschaft" und die gepflegten Pausen in Biergärten, aber auch den Altmühlsee. "Jawohl, da musst stehen bleiben", bekräftigt Schmidbauer. Selbst ein Regentag konnte ihnen nichts anhaben. "Ans Aufgeben haben wir nie gedacht. Als wir zur letzten Etappe in Beilngries aufgebrochen sind, hat's wieder geregnet, aber ab Kelheim schien nur noch die Sonne." Viele Radfahrer wurden auf die Gruppe aufmerksam, man kam ins Gespräch. Die Reaktionen waren durchweg positiv, von anerkennendem Nicken bis Daumen hoch. Würzburg - Füssen ist eine Strecke, die den Handbike-Touristen jetzt durch die Köpfe schwirrt. 400 Kilometer sind das. "Wir sind trainiert, aber das geht an die Substanz". Jedoch: Egal, wohin es geht, dass es wieder irgendwohin geht, steht fest.Vorspannrad für Rollstühle

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