14.01.2018 - 17:28 Uhr
SchwandorfOberpfalz

"Haus des guten Hirten" steht zum Bundesteilhabegesetz "Es bleiben noch zu viele auf der Strecke"

(rhi) "Wir verlieren immer noch zu viele junge Menschen", muss Michael Eibl zugeben. Nur mit einer individuellen Betreuung ließen sich benachteiligte Jugendliche dauerhaft in die Gesellschaft integrieren, so der Direktor der Katholischen Jugendfürsorge. "Das Bundesteilhabegesetz sieht das auch so vor", macht MdB Kerstin Tack deutlich. Menschen mit Behinderung sollen mitbestimmen und am Arbeitsleben teilhaben können.

Bundestagsabgeordnete Kerstin Tack (rechts) besuchte am Samstag das "Haus des guten Hirten", begleitet von Direktor Michael Eibl, MdB Marianne Schieder und Einrichtungsleiter Otto Storbeck (von links). Bild: Hirsch
von Ingrid Hirsch (RID)Profil

Beim Besuch im "Haus des Guten Hirten" klagte die SPD-Bundestagsabgeordnete aus Hannover über die mangelnde Umsetzung des Gesetzes. Gemeinsam mit Marianne Schieder war Kerstin Tack am Samstag unterwegs und besuchte Fördereinrichtungen in Ostbayern. Im "Haus des Guten Hirten" führte Einrichtungsleiter Otto Storbeck die Gäste durch die Wohngemeinschaften für Jugendliche mit erhöhtem Förderbedarf und stellte ihnen die Gruppe geflüchteter Mädchen vor. "Mädchen haben ihre eigene Flüchtlingsgeschichte und bedürfen der besonderen Fürsorge", weiß Otto Storbeck. Ihnen bei der Integration zu helfen, sei ihm ein besonderes Anliegen. MdB Marianne Schieder findet es vorbildlich, "was die Katholische Jugendfürsorge im Haus des Guten Hirten leistet". Direktor Michael Eibl machte deutlich: "Wir stehen zum Bundesteilhabegesetz und setzen es um." Die Katholische Jugendfürsorge entlasse an ihren vier Ausbildungsstätten in der Oberpfalz jährlich 1600 benachteiligte Jugendliche und unterstütze sie bei der Integration. Aber trotz aller Bemühungen "bleiben immer noch zu viele auf der Strecke".

Die KJF sieht Michael Eibl als Scharnier zwischen Schule und Arbeitsplatz. Ihm sei es wichtig, "dass die Jugendlichen möglichst schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden". Deshalb müsse man bei der Umsetzung des neuen Gesetzes genau hinschauen, "welche Hilfe der einzelne Jugendliche braucht". Der Leiter der KJF-Abteilung "Teilhabeleistungen für Jugendliche und Erwachsene", Johannes Magin, erkennt einen vermehrten Schulungsbedarf bei der Digitalisierung. Zweite Bürgermeisterin Ulrike Roidl verwies auf die Geschichte des Hauses, von der Einrichtung für "schwer erziehbare Mädchen" bis zum Bildungszentrum für benachteiligte Jugendliche .

MdB Kerstin Tack, ehemals Jugendbildungsreferentin beim Deutschen Gewerkschaftsbund, sieht das Bundesteilhabegesetz als ersten Schritt auf dem Weg zur Sozialrechtsreform. Die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung soll ab 1. Januar 2020 aus dem Fürsorgesystem der Sozialhilfe herausgenommen werden. Kerstin Tack beklagt den mangelnden Willen der Länder, das Gesetz auch umzusetzen. Bayern dagegen gehe mit gutem Beispiel voran und habe es auf die Bedürfnisse vor Ort angepasst.

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