09.03.2018 - 20:00 Uhr
Schwandorf

Heroin-Besitz: Bewährungsstrafen für angeklagtes Paar Im Teufelskreis von Drogen gefangen

Amberg/Schwandorf. Was ist ein "Männleinlaufen"? Nein, nicht die Figurenparade an einer Kirchturmuhr. Mit diesem Begriff bezeichnet der Polizeijargon Wohnungen, in denen wegen vorhandener Drogen ständiger Publikumsverkehr stattfindet. In solchen Behausungen wird von Fahndern gerne mal nachgesehen. Der Großaktion am 18. Juni letzten Jahres ging ein anonymer Anruf bei der Zivilen Einsatzgruppe in Amberg voraus. In der Mitteilung verdeutlichte sich: Da gebe es in Maxhütte-Haidhof eine Wohnung, in der mit harten Drogen gehandelt werde. Dort gingen Kunden ein und aus.

von Autor HWOProfil

Die Beamten begannen mit Beobachtungen und nahmen zunächst auf einer öffentlichen Toilette in Haidhof zwei Männer fest, die gerade dabei waren, sich Heroin zu spritzen. Sie behaupteten, das Rauschgift aus ihrer Heimatstadt Cham mitgebracht zu haben. Doch das wurde nicht geglaubt. Denn sie waren aus Richtung einer nicht weit entfernten Wohnung, die der unbekannte Mitteiler genannt hatte, gekommen.

Mit richterlichen Beschlüssen wurde nicht lange darauf die von einer 34-Jährigen angemietete Wohnung durchsucht und gleichzeitig auch zur Kontrolle von Räumen in Teublitz angesetzt. Sie bewohnte der 39 Jahre alte Lebensgefährte der Frau. In Maxhütte-Haidhof lagen 20 Gramm Heroin eingetütet auf dem Küchentisch. Außerdem kam Marihuana ins Sicherstellungsverzeichnis der Kripo Amberg. In Teublitz wurden Rauschgiftutensilien sichergestellt. Das Paar wanderte in U-Haft. Vor dem Amberger Schöffengericht stellte sich nun heraus: Das Heroin von guter Qualität war am Vortag von dem 39-Jährigen am Schwarzmarkt in Regensburg gekauft worden. Er zahlte 900 Euro dafür. Doch war es wirklich zum Weiterverkauf bestimmt? Es offenbarte sich: Das Paar ist seit langem intensiv drogenabhängig. Beide haben sich unterdessen in eine längerfristige Entzugstherapie begeben. Zur Sprache kam auch: Der 39-Jährige hatte seinen Heroinkonsum zum Schluss bis auf sagenhafte fünf Gramm täglich gesteigert. "Da fallen andere tot um", wunderte sich Richter Markus Sand.

Der Verdacht des Handels blieb. Doch letztlich nachzuweisen war er nicht. Deshalb rückte Staatsanwältin Franziska Denk vom Vorwurf der Dealerei ab und sprach in ihrem Plädoyer vom Besitz einer sichergestellten stattlichen Heroinmenge. Für den 39-Jährigen verlangte sie 18 Monate Haft, für dessen einschlägig vorgeahndete Partnerin 20 Monate. Diese Strafen, befand die Anklagevertreterin, könnten noch einmal zur Bewährung ausgesetzt werden.

Die Strafanträge fanden weitgehend Zustimmung bei den Verteidigern Helmut von Kietzell und Karl Rosner (beide Regensburg). Das Schöffengericht verhängte gegen die Beschuldigten jeweils 16 Monate Gefängnis mit Bewährung und setzte 120 gemeinnützige Arbeitsstunden hinzu. Den Angeklagten wurde aufgegeben, ihre Therapie fortzusetzen und sich auch nach erfolgreichem Abschluss regelmäßig auf Rauschgiftkonsum überprüfen zu lassen. "Damit endlich Ordnung in Ihr Leben kommt", wie Richter Sand dem Paar in Stammbuch schrieb.

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