30.05.2017 - 20:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Hungriger Dieb hat schon viel auf dem Kerbholz - Gericht gibt ihm keine Bewährungschance mehr Vorstrafen strapazieren den Richter

Strafprozesse müssen nicht immer eine ernste Angelegenheit sein. Manchmal darf geschmunzelt werden. Zum Beispiel dann, wenn ein Richter den Angeklagten um die Schonung seiner Stimmbänder bittet.

von Autor HWOProfil

Die Sache war am Amtsgericht eigentlich innerhalb von fünf Minuten geklärt. Der Tatbestand: Ein 45-Jähriger geht in einen Supermarkt, klaut ein Fleischpaket für 13.60 Euro und wird erwischt - an sich ein Diebstahl geringwertiger Sachen. "Ich hatte Hunger und kein Geld", sagte der Mann aus Schwarzenfeld dem Richter.

Damit war bereits alles klar. Ein wenig Verwirrung herrschte nur, weil der Ladendiebstahl im März geschah und der Angeklagte wissen ließ, die stattliche Fleischportion habe er auf den Grill legen wollen. Richter Thomas Heydn war das letztlich egal. Was ihn aber anschließend für eine gute Viertelstunde auf Trab hielt, war die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Verlesung des Vorstrafenregisters.

Bevor Heydn die lange Liste von Eintragungen rezitierte, bat er den 45-Jährigen mit hintergründigem Lächeln: "Hören Sie bitte endlich auf mit Straftaten." Denn dies, so der Amtsrichter, werde in erheblichem Maß "mit der Schonung meiner Stimmbänder" verbunden sein. Ein solch ungewöhnlicher Hinweis erfolgte nicht grundlos. Denn Thomas Heydn musste 18 Vorstrafen und die daraus resultierenden Konsequenzen verlesen, 13 davon wegen diverser Diebstähle.

Danach war Staatsanwalt Wolfgang Doblinger am Zug. Von Bewährung für den unterdessen mehrfach eingesperrten Dieb könne ja wohl keine Rede sein, sagte er und beantragte wegen der entwendeten Fleischportion drei Monate Haft zum Absitzen. Der Richter schloss sich an und empfahl dem offenbar rastlos als Dieb auftretenden Mann, er solle doch "endlich nachgeben."

Denn jedes weitere Delikt werde zwangsläufig zu einem Aufenthalt hinter schwedischen Gardinen führen. Danach wurde dem Gewohnheitsdieb gleich klar gemacht: "In einer Berufungsverhandlung haben Sie keine Chance."

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