Keine Sicherheitsgarantien für Sea-Eye
Seenotretter auf Stand-by

Solange es keine Sicherheitsgarantien gibt, bleibt das Rettungsschiff Sea-Eye im Hafen. Unklar ist, wie es weitergeht. Bilder: sea-eye/exb (2)
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Schwandorf
25.08.2017
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Der Schwandorfer Sea-Eye-Kapitän Günther Pirnke - hier bei einer früheren Fahrt - geht nicht davon aus, dass das Rettungsschiff am 4. September ausläuft.

Günther Pirnke ist im Stand-by-Modus. Das bezieht sich nicht nur auf sein ständig eingeschaltetes Handy, sondern vor allem auf die Mission "Leben retten" auf der Sea-Eye. Optimismus hört sich anders an.

Für 1. September hat der Schwandorfer Sea-Eye-Kapitän einen Flug nach Malta gebucht. Dort, so der ursprüngliche Plan, hätte er den ehemaligen Fischkutter übernommen und wäre am 4. September vor die libyschen Hoheitsgewässer zur Mission 13, die bis 18. September dauert, ausgelaufen. Wie im vergangenen Jahr hätte er mit der Crew vierzehn Tage lang Ausschau nach in Seenot geratenen Flüchtlingen gehalten und sie so vor dem sicheren Tod im Mittelmeer gerettet.

"Ich bin mit meiner Mannschaft auf Stand-by" sagt Pirnke auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Mit vier Leuten hätte er sich am kommenden Freitag Richtung La Valetta aufgemacht. "Die Flüge sind gebucht. Wir sind alles Selbstzahler", sagt er, "aber ich glaube fast nicht, dass wir auslaufen". Die Crew der Mission 12 ist nach Angaben von Sea-Eye-Sprecher Hans-Peter Buschheuer noch auf Malta, nachdem die Regensburger Sea-Eye, wie alle Nichtregierungs-Organisationen, die Seenotrettung eingestellt hat. Auch das zweite Rettungsschiff Seefuchs liegt in Malta und wartet ab.

Küstenwache bewaffnet

Pirnke hat vollstes Verständnis für das Aussetzen der Hilfstätigkeit. "Die libysche Küstenwache hat ihr Hoheitsgebiet nach Norden ausgedehnt, agiert dort und ist bewaffnet. Sie wird die Flüchtenden aufgreifen und sie wieder nach Libyen zurückbringen." Pirnkes persönliche Meinung ist, "dass die libysche Küstenwache auch Schleusertätigkeit betreibt". Genau das wurde unter anderem Sea-Eye von italienischen Staatsanwälten vorgeworfen. Dies ist inzwischen vom Tisch.

Das und auch viele Attacken im Netz empören Hans-Peter Buschheuer. "Pirnke hat als Polizeibeamter sein Berufsleben lang, dafür gesorgt, dass Gesetze eingehalten werden" und jetzt werde er in die Nähe von Kriminellen gerückt. Sea-Eye wollte nie politisch sein, sondern handelte aus reiner Menschenliebe. Wie für den passionierten Segler Pirnke als auch alle anderen, steht es außer Frage, in Seenot geratenen Menschen zu helfen. Inzwischen ist diese Hilfe ein Spielball der Politik geworden.

Vertreter der privaten Hilfsorganisation mit Sitz in Regensburg waren am Mittwoch bei einem Gespräch im Berliner Innenministerium. Als erfreulich wertete Buschheuer, dass man miteinander spreche und viele Einschätzungen zu Libyen teile. Es werde daran gearbeitet, hätten Ministeriumsvertreter versichert, die Situation zu verändern. Einig seien sich beide Seiten auch, die auf 100 Seemeilen ausgedehnte Search-and-Rescue-Zone Libyens sei völkerrechtswidrig. "Aber die Lage ist unverändert. Wir können das Risiko nicht kalkulieren, weil wir keine Sicherheitsgarantien haben." Verbessere sich die Position nicht, werde sich die Organisation überlegen, die "Aktivitäten runterzufahren".

"Vom Hals halten"

Was die Helfer umtreibt ist, dass es keine Kontrolle darüber gibt, was auf dem Meer passiert, wie viele Menschen tatsächlich flüchten, wie viele ertrinken. Den unter dramatischen Bedingungen in Libyen Ausharrenden bleibe keine andere Wahl, als die Flucht über das Meer. Kritik übte er am Kurs der EU: "Wir bezahlen die Libyer, dass sie uns die Afrikaner vom Hals halten." Bei der Bekämpfung der Fluchtursachen sehe es dagegen dunkel aus. Niemand habe Interesse an Flucht und an Seenotrettung. "Wir reißen uns nicht darum", betont er, "um dann auch noch in ein schlechtes Licht gerückt zu werden".
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