Kleine Nuancen machen den großen Unterschied
„Wej wäi der Daoud doud“

Vermischtes
Schwandorf
07.01.2017
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Der Unterschied ist minimal, ohne genaues Hinhören sind also Missverständnisse vorprogrammiert. Redet der Dialektsprecher von "Fàckl" (mit hellem a) meint er ein Ferkel. Das, was der Bub hält, nennt er "Fackl" (dunkels a). Bild: Hartl


Kleine Nuancen machen den großen Unterschied"Wej wäi der Daoud doud"

Schwandorf. (slu) Eine interessante Erscheinung in der Standardsprache wie im Dialekt, die dem Sprecher normalerweise nicht bewusst ist, sind die sogenannten Minimalpaare. Darunter versteht man jeweils zwei Wörter oder Ausdrücke, die die gleiche Anzahl an Lauten aufweisen, unterschiedliche Bedeutung haben und sich dabei nur in einem Laut unterscheiden. Dieser kann am Anfang stehen (Beispiel: Maus - Laus), in der Mitte (Beispiel: Hose - Hase) oder am Ende (Beispiel: Stiel - Stier).

Im nordbairischen Dialekt liegen solche Laute zum Teil sehr eng beieinander, so dass oft nur jemand, der damit aufgewachsen und sozialisiert ist, einen Unterschied feststellen und artikulieren kann. Die "Klassiker" unter ihnen sind die sogenannten gestürzten Diphthonge "ej" (Beispiel: Brejf = Brief) und "ou" (Woud = Wut), die als die Hauptmerkmale der Mundart der Oberpfalz angesehen werden.

Im Mittelbairischen (Niederbayern und Oberbayern) verwendet man dafür "ia" (Briaf) und "ua" (Wuad). Ein aussagekräftiges Minimalpaar für den ersten der beiden erwähnten Zwielaute ist "wej" (wie) und "wäi" (weh), ein ebenso markantes für den zweiten ist "doud" (tut) und "Daoud" (Tod). Um diesen Sachverhalt im Zusammenhang zu illustrieren, wird gerne folgender Satz zitiert: Du woast niad, wej wäi der Daoud doud. In der Standardsprache lautet er: Du weißt nicht, wie weh der Tod tut.

Wie sehr sich die entsprechenden Laute, die die angeführten Minimalpaare bilden, im Nordbairischen artikulatorisch annähern, wird durch einen Vergleich mit dem Mittelbairischen deutlich. Dort liegt nämlich bei den jeweiligen Lauten keinerlei Ähnlichkeit vor: Du woast ned, wia we der Dod duad. Gerade diese lautliche Nähe im Nordbairischen ist es, die dem Unkundigen oft große Probleme bei der korrekten Dialektverschriftung bereitet.

Es bedarf schon einer ziemlich fundierten Kenntnis des dabei zugrunde liegenden Sprachsystems, um jeden Laut einheitlich und konsequent mit den Mitteln der Buchstaben des Alphabets wiederzugeben. Verständlicherweise ist dies bei vielen Mundartautoren nicht der Fall, so dass die entsprechenden Texte, gelinde gesagt, eine sehr heterogene Schreibung aufweisen.

In diesem Zusammenhang sei auf die vom Förderverein Bairische Sprache und Dialekte e. V. beim "Dialektforum 2016" in Holzhausen erhobene Forderung der Schaffung eines normierten und anerkannten Schreibsystems des Bairischen aufmerksam gemacht. Die Reihe der Wörter, die mit "wej" und "wäi" Minimalpaare bilden, lässt sich um die Substantive "Wei" (nasal gesprochen) und "Wai" erweitern. Das erste bedeutet "Wein", das zweite "Weib". Die geringste Abweichung in der Aussprache besteht zwischen "wäi" und "Wei".

Zwei weitere Beispiele für den Unterschied zwischen "ou" und "aou" wiederum sind "Broud" (Brut) und "Braoud" (Brot) sowie "Noud" (Nut) und "Naoud" (Not). Noch weitaus "filigraner" als bei diesen Wörtern stellt sich die dialektale Entsprechung der beiden standarddeutschen Vorsilben "an" und "ab" dar, was sich etwa mit den Verben "anfangen" und "abfangen" eindrucksvoll veranschaulichen lässt. Während hier der Sachverhalt durch das klar identifizierbare Minimalpaar "an" und "ab" auf der Hand liegt, bedarf es im Dialekt einer sehr deutlichen Aussprache, um das geschlossen artikulierte "o" in "ofanga" (anfangen) von dem sehr offen gesprochenen "ò" in "òfanga" (abfangen) abzuheben.

Zum Schluss sei noch der im Bairischen existierende Gegensatz zwischen dem hellen "à" und dem dunklen "a" in den Kontext der Minimalpaare integriert: Während eine "Fackl" der Beleuchtung dient, handelt es sich bei einem "Fàckl" um ein junges Schwein.

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Weitere Informationen im Internet:

www.onetz.de/themen/dialekt
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