04.11.2017 - 10:46 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Komparse im "Wackersdorf"-Film Warten auf die kleinen Auftritte

Der Bart ist ab bei Stefan Schuster. Thomas Deimingers "Mähne" fiel am gestrigen Freitag der Friseurschere zum Opfer. Die beiden Staatsschützer sind außer Filmdienst gestellt.

Viele Klappen fallen, bis eine Szene wirklich sitzt.
von Irma Held Kontakt Profil

Warten auf die kleinen Auftritte ist eine der Haupttugenden der unzähligen Komparsen aus Schwandorf und der Region beim Filmdreh für "Wackersdorf", ganz gleich ob sie als Bergmänner, Festbesucher, Trachtenverein, Fußballer, Polizisten oder Staatsschützer die lebende Kulisse abgeben. Aber: Unter den Komparsen haben die beiden Schwandorfer eine tragende Rolle: "Wir sind immer da, wo der Schuierer is'".

Die Zwei haben sich beim Dreh kennengelernt. "Wir sind ein bisschen die Unbeliebten." Auch das schweißt zusammen, sie sind Freunde geworden und es gibt sie - wie "Hubert und Staller" in der ARD - nur als kongeniales Doppelpack. Der 37-jährige Deiminger ist in Sachen Schauspielerei kein Novize. Beim Holnsteiner-Festspiel zum Schwarzenfelder Marktjubiläum spielte er den Diener Bartl. "Film und Theater kann man aber nicht vergleichen", sagt der Bedienstete am Amt für Breitband, Digitalisierung und Vermessung in Nabburg. "Damals habe ich mehr Action gehabt und keinen Zwölf-Stunden-Tag." Einen Filmvergleich hat er obendrein und dieser fällt für die Crew um Produzent Ingo Fliess äußerst positiv aus. Als Bayern-Fan hatte er vor ein paar Jahren einen kleinen Auftritt in einem "Polizeiruf 110". "Die waren arrogant", deshalb würde er für eine Komparsenrolle nicht nach München fahren. Vor Ort und mit diesen Leuten kann er sich das wieder vorstellen.

Stefan Schuster, den ein Freund mehr oder weniger zum Casting überredet hat, geht es genauso. Er wurde genommen, der Freund nicht. Als er für sechs Drehtage gebucht wurde, sei er schon erschrocken. Außerdem wollte er sein Engagement am Arbeitsplatz unter der Decke halten, funktioniert hat es nicht. Der 34-Jährige arbeitet bei BMW in Wackersdorf, genau dort, wo die WAA gebaut werden sollte. Bevor die Dreharbeiten los gingen, habe er sich überlegt, dass er mit seinem Urlaub auch was anderes hätte anfangen können. Jetzt möchte er die Drehtage keinesfalls mehr missen. Peter von der Sitt hätte gerne öfter mitgespielt, aber als Förderlehrer kann er nicht einfach die Schule schwänzen.

Anders als die jungen "Staatsschützer" hat der Schwandorfer oft draußen am Bauzaun demonstriert. Das war ein Motiv, warum er sich beworben hat, das andere: "Ich wollte einmal sehen, wie ein Film entsteht" und er zieht den Hut vor soviel Perfektion. Am 7. Oktober war er für ein Fest auf dem Marktplatz in Schwarzhofen im Dienst.

"Wir Komparsen mussten in einem Festzug mit Knappenkapelle, Trachtengruppe, Volk und jubelnden Zuschauern mitgehen. Die Stimmung war gut und locker. 'Des bring' ma zamm' haben wir uns gedacht und waren uns nicht dem ersten Mal sicher 'Mir warn gut'." Weit gefehlt. Vier bis fünf Wiederholungen folgten. Danach kamen die Schauspieler dazu, die Szene wurde wieder etwa fünf Mal durchgespielt und aus verschiedenen Kamerapositionen gefilmt. Drei Stunden Arbeit seien es für 15 Sekunden im Film gewesen. Voller Bewunderung ist von der Sitt für ein Mädchen, das den Landrat begrüßt. "Mit einer stoischen Ruhe hat sie diesen einen Satz vielleicht 15 Mal gesagt und sich nicht versprochen."

Und stets wurde penibel darauf geachtet, dass nichts verändert werde. Nicht einmal ein Hemdknopf durfte auf oder zu gemacht werden. Den "Staatsschützern" ist besonders in Erinnerung, dass Raucher ihre Zigaretten immer in der gleichen Hand halten müssen. Trotz vieler Wartestunden spricht niemand von verlorenen Tagen. "Bei uns Komparsen in Schwarzhofen war das große Thema 'Sieht man uns, sieht man uns nicht oder nur als Masse'. Wir harren des Films," sagt von der Sitt und betont lachend: "Dabei will aber keiner von uns Schauspieler werden." Das wollen auch Schuster und Deiminger nicht, die eine Art Alleinstellungsmerkmal schon ihrer Rolle wegen haben. Und Deiminger mutmaßt darüber hinaus, dass sie "die einzigen Komparsen mit Double" sind. Für einen Tag mussten die beiden berufsbedingt absagen, angeblich sei aber gedreht worden. "Wir wurden gedoubelt", schlussfolgert Deiminger süffisant schmunzelnd.

Man braucht viel Zeit, Geduld und Nerven aus Stahl.Thomas Deiminger
Von einer Karriere träumen wir nicht.Stefan Schuster
Das läuft unglaublich perfekt ab.Peter von der Sitt

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