Komparsen für Spielfilm gesucht
Zweimal WAA im Film

Massives Polizeiaufgebot am Bauzaun: Während "if....productions" einen Spielfilm über die Auseinandersetzungen um die WAA vorbereitet, zeigt am Montag das "Erste" eine Dokumentation zum Thema. Archivbild: Götz
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Schwandorf
13.09.2017
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Noch eine Chance: Für den Spielfilm "Wackersdorf" über die WAA-Zeit werden noch Komparsen gesucht. Casting ist am Samstag, 16. September, im Café "Lawendls". Wer sich in einem Dokumentarfilm über die Zeit informieren will, sollte sich den späten Montagabend frei halten.

Schwandorf/Wackersdorf. (ch/exb) Die unabhängige Münchner Filmfirma "if... Productions" dreht ab Anfang Oktober im Landkreis Schwandorf einen Kinospielfilm mit dem Titel "Wackersdorf". Schon beim ersten Casting hatten sich viele "Veteranen" aus dem Widerstand, aber auch von der Polizei, als Komparsen beworben.

Handvoll "Spinner"

Die Story des Spielfilms, den Ingo Fliess produziert: Die Bayerische Staatsregierung plant in den 1980er Jahren in aller Stille den Bau einer atomaren Wiederaufarbeitungsanlage. (WAA). Die strukturschwache Region mit ständig wachsenden Arbeitslosenzahlen scheint dafür ideal. Hans Schuierer, amtierender Landrat, wird mit dem wirtschaftlichen Aufschwung geködert. Bedenken gegen die geplante Atomfabrik gibt es nur von einer Handvoll "Spinnern", die niemand wirklich ernst nimmt. Erst als die Staatsregierung heftig auf die harmlose Aktion einer neu gegründeten Bürgerinitiative reagiert, keimen in Hans Schuierer Zweifel und er beginnt Fragen zu stellen.

Für die Dreharbeiten zwischen dem 5. Oktober und 14. November (die genauen Tage stehen noch nicht fest) sucht die Produktionsfirma laut Pressemitteilung noch Frauen und Männer jeden Alters als Komparsen, verstärkt Männer ab 20 Jahren aufwärts und Frauen ab 30. Gesucht werden Männer mit Bärten und längeren Haaren. Das Casting am Samstag, 16. September, findet statt im Cafe "Lawendls" (Maximilianstraße 8, Schwandorf-Fronberg). Der Ablauf ist ganz einfach: Datenblatt ausfüllen, zwei Fotos machen und noch im September Bescheid bekommen, ob man als Komparse gebucht wird. Das Casting dauert von 9 bis 18 Uhr.

Während aktuell der Spielfilm mit (meist) fiktiven Personen vorbereitet wird, erinnert die ARD am Montag, 18. September, an die Auseinandersetzung um die WAA. Im "Ersten" wird um 23.45 Uhr eine BR-Doku gezeigt. "Atomstreit in Wackersdorf - Die Geschichte einer Eskalation" rekonstruiert 30 Jahre nach dem "Blutigen Herbst" von 1987 die dramatische und teilweise äußerst gewalttätige Zuspitzung rund um die WAA.

Einsatz der "Berliner"

"Wutbürger", gesellschaftliche Spaltung, Misstrauen gegen den Staat und Teile der Medien - was wie eine Zustandsbeschreibung der Gegenwart klingt, beschreibt auch die WAA als ein prägendes Ereignis der deutschen Geschichte. Massive Polizeieinsätze am Zaun verunsichern die Bürger und vor allem die Bauern der Umgebung. Als einige von ihnen Demonstranten bei sich übernachten lassen, werden ihre Höfe mit Razzien überzogen. Im Laufe der Zeit schließen sich immer mehr Anwohner der Protestbewegung an.

Am 10. Oktober 1987 erreichen die Proteste einen Höhepunkt: Eine von der bayerischen Staatsregierung angeforderte Berliner Spezialeinheit knüppelt am Bauzaun Demonstranten nieder, unterscheidet nicht zwischen gewaltbereiten und normalen Bürgern. Die Öffentlichkeit ist entsetzt, die Staatsregierung wiegelt ab, Beobachter sprechen von "Bürgerkrieg". Keine zwei Jahre später werden die WAA-Pläne aufgegeben.
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