Kreisjugendamt Schwandorf verteilt Kinder in Not auf geeignete Pflegefamilien
Überforderte Eltern

Die Drei vom Kinderpflegedienst: (von links) Dieter Mauritz, Regina Hildwein und Petra Schneider im Schwandorfer Landratsamt. Bild: Herda
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Schwandorf
13.05.2018
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"Zu uns kommt man, wenn Eltern überfordert sind", erklärt Regina Hildwein, Leiterin des Pflegekinderdienst. "Uns", das sind Petra Schneider und Dieter Mauritz im Jugendamt des Landratsamtes, zuständig für 120 Kinder bis zu 12 Jahre. "Wir erfahren von Schieflagen in Familien meist von den Kollegen vom allgemeinen Sozialdienst, wenn Gefahr in Vollzug ist."

"Wenn die Versorgung, die ärztliche Betreuung oder der Schulbesuch auf Dauer nicht gewährleistet sind, muss man einschreiten", sagt Hildwein. Auch Erkrankung oder Sucht eines alleinerziehenden Elternteils kann Grund für Kindesentzug sein. Bei Neugeborenen sei es schon als physische Gewalt zu werten, wenn sie nicht regelmäßig zu essen und trinken bekommen. "Psychische Gewalt ist nicht messbar und nicht immer augenfällig", sagt Mauritz, "Nestwärme spielt in den ersten drei Jahren so eine große Rolle."

"80 Prozent der Pflegekinder werden unfreiwillig rausgenommen", schildert Mauritz. Gerichtsverfahren würden sich dann hinziehen: "Der Grundgedanke ist, die Rückführung zu forcieren", sagt Schneider, "das scheitert oft an den Eltern und den Rahmenbedingungen." Diese versuche man mit sozialpädagogischer Hilfe zu verbessern. Erfolgreiche Rückführungen würden über Jahre laufen: "Die Besuchszeiten wachsen, man macht gemeinsam Urlaub, überträgt mehr Verantwortung."

"Man muss Eltern zugutehalten", ergänzt Mauritz, "die machen das nicht mit Absicht." Rückführungen seien nur zu rechtfertigen, wenn Aussicht auf Erfolg bestünde: "Man kann nicht experimentieren, und das Kind mal zwei Wochen zurückgeben." Wünsche des Kindes seien nicht allein entscheidend, schildert Mauritz das Beispiel eines Fünfjährigen: "Er wollte unbedingt mit seinem Papa, der 2 Promille intus hatte, Autoscooter am Volksfest fahren."

Konflikte zwischen Eltern und Pflegeeltern gebe es nur selten: "Die sehen sich bei Besuchskontakten, wöchentlich oder 14-tägig", erklärt Schneider, "natürlich besteht da in der Regel keine große Zuneigung, meist ist es geduldete Akzeptanz."
1 Kommentar
Alexander Unger aus Amberg in der Oberpfalz | 23.05.2018 | 10:58  
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