07.07.2017 - 20:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Kurs des Hospizvereins Letzte Hilfe lernen

Leben ist endlich, doch darüber spricht keiner. Sterben und Tod sind aus dem Alltag verbannt. Das Wissen über den Umgang mit Sterbenden ist verloren gegangen. Ein "Letzter-Hilfe-Kurs" holt es zurück.

Der Hospizverein bietet im Herbst wieder "Letzte-Hilfe-Kurse" an. Die Termine im Frühjahr waren schnell ausgebucht. Bild: exb
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"Niemand soll nach dem Tod eines Angehörigen sagen müssen: 'Wenn ich nur dieses oder jenes gewusst hätte, dann hätte ich einiges anders gemacht'", findet Referentin Lieselotte Käss. Aus diesem Grund hat der Hospizverein Stadt und Landkreis Schwandorf den "Letzte-Hilfe-Kurs" in sein Angebot aufgenommen. In vier Stunden informieren und beraten die speziell dafür ausgebildeten Hospizbegleiter Käss und Simmel zu Themen von Abschied nehmen bis Patientenverfügung. Aufgrund des großen Interesses soll das Angebot nun im Herbst fortgeführt werden.

"Es besteht enormer Informationsbedarf", betont Simmel. Das Sterben werde immer mehr aus unserem Lebensalltag verdrängt. Menschen, die sich am Ende ihres Lebens befinden, seien in der Regel aus dem privaten Umfeld verschwunden, damit einhergehend auch das Wissen über den Umgang mit Sterbenden. Das gehörte früher ganz selbstverständlich zum Leben. Auch der Zugang zum Tod durch kirchliche Institutionen sei zumindest in größeren Städten rückläufig.

"Es ist wichtig, über das eigene Ableben nachzudenken, zu Lebzeiten darüber zu sprechen und vorsorgliche, selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen," rät Simmel. Mit ihren "Letzte-Hilfe-Kursen" wollen die Referentinnen Raum für Information und Austausch bieten. Das Angebot richtet sich an jeden. "Schließlich betrifft der Tod auch jeden", fügt Käss hinzu.

"Der Moment des Todes ist ein ganz besonderer, ebenso wie der Moment einer Geburt. Indem wir gut darauf vorbereitet sind, ist es uns sicher eher möglich, Stille und Besinnung einkehren zu lassen und dieser wichtigen Zeit die Wertschätzung beizumessen, derer sie bedarf." Nicht scheuen sollten sich Angehörige, die Hilfe des Hospizvereins in Anspruch zu nehmen, um Entlastung in der Betreuung zu erfahren oder sich beraten zu lassen, heißt es in einer Mitteilung. Oftmals werde diese kostenlose Dienstleistung erst sehr spät eingefordert. "Das finden wir als Hospizbegleiter sehr schade", betont Käss, Auch für die Hospizbegleiter sei es angenehmer, den Kontakt zum Betroffenen und den Angehörigen nicht erst in den allerletzten Stunden aufzubauen.

Im ersten Halbjahr 2017 fanden erstmals "Letzte-Hilfe-Kurse" statt. Sie waren schnell ausgebucht. Teilgenommen haben alle Altersgruppen von Betroffenen, Trauernden bis hin zu Interessierten. Im Herbst stehen weitere Kurse an. Die Idee der "Letzten-Hilfe-Kurse" stammt von Palliativmediziner und Notarzt Dr. Georg Bollig aus Schleswig. Er hat 2008 die Notwendigkeit dieses Angebotes gesehen. Ebenfalls ab Herbst plant der Verein unter dem Titel "Sorgen auf den Tisch" an einem Nachmittag je Monat eine offene Gesprächsrunde, welche von den Koordinatorinnen und Palliativfachkräften geleitet wird.

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