08.03.2017 - 18:56 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Mann forderte Mutter dazu auf Säugling sexuell missbraucht und gefilmt

Der Fall ist ohne vergleichbares Beispiel im Landkreis Schwandorf. Nach zweitägigem Prozess vor dem Schöffengericht, das weitgehend nichtöffentlich tagte, wurde im Urteil deutlich: Eine Mutter hat ihren eigenen drei Monate alten Säugling sexuell missbraucht und dies auf Wunsch ihres Freundes getan.

von Autor HWOProfil

Zunächst hatte es geheißen, das missbrauchte Kind sei sechs Jahre alt. Dann aber schlossen sich die Türen zum Sitzungssaal, wurde nichtöffentlich über zwei Tage hinweg verhandelt. Nur zum Urteil waren am frühen Mittwochabend Zuhörer zugelassen. Dabei ergab sich: Der kleine Bub, um den es ging, war zum Tatzeitpunkt gerade einmal drei Monate alt.

Auf der Anklagebank saßen ein 33-Jähriger und dessen 26 Jahre alte Ex-Freundin. In seiner sehr ausführlichen Schilderung des Tatkomplexes berichtete Richter Ewald Ebensperger, dass die junge Frau im Juli 2012 ihren damaligen Partner in dessen Wohnung im südlichen Landkreis besuchte und ihren erst wenige Monate zuvor geborenen Sohn dabei hatte.

Quälendes Beweismittel

Was dann in Ebenspergers Sachverhaltsschilderung folgte, war ebenso ungeheuerlich wie kaum erträglich. "Der Mann forderte die junge Mutter auf, sexuelle Handlungen an dem Säugling vorzunehmen", ließ der Richter erkennen und legte weiter dar: "Sie machte es, und er filmte das." Neun Minuten lang. Das entstandene Video stellten Kripobeamte später als gelöschte Datei auf dem Rechner des heute 33-Jährigen sicher. "Es gelang der Polizei", so Ewald Ebensperger, "den Film wieder herzustellen." Nun habe man ihn sich als "quälendes Beweismittel" ansehen müssen.

Der Vorsitzende des Schöffengerichts ließ danach anklingen: "Der Angeklagte hat seine Aufforderung zu den sexuellen Handlungen hier bestritten." Doch das sei widerlegt durch Angaben seiner Ex-Partnerin. Die Frau sei im Juni 2014 zur Polizei gegangen und habe dort von einem Film erzählt, den sie gesehen und darauf eine Nachbarin als diejenige identifiziert habe, die sich an dem Säugling verging. Ebensperger: "Das hat sich die Angeklagte ausgedacht, weil sie sich schämte." Doch während des Prozesses habe die 26-Jährige eingeräumt, selbst die Täterin gewesen zu sein.

Unter Betreuung

Die unter Betreuung stehende Frau war im Zuge der Ermittlungen psychiatrisch untersucht worden. Vor dem Schöffengericht hatte die Sachverständige Dr. Anna Wunder-Lippert (Nürnberg) mitgeteilt, dass es weder verminderte noch völlig ausgeschlossene Schuldfähigkeit gebe. Auch das ließ Richter Ebensperger anklingen.

27 Monate Haft

Der 33-Jährige wurde wegen Anstiftung zum sexuellen Missbrauch eines Kindes und wegen der Beschaffung kinderpornografischer Dateien zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Er muss diese Strafe absitzen, "weil er sich nicht geständig zeigte". Mit einem Jahr und neun Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, kam die Mutter des Säuglings davon. Ihr hielt der Richter zugute: "Sie ist zur Polizei gegangen, hat Anzeige erstattet. Sonst wäre die Sache nie herausgekommen." Außerdem. "Die Frau erwartet in Kürze ihr drittes Kind."

Was die Verteidiger und die Staatsanwaltschaft in ihren Plädoyers forderten, ist nicht bekannt. Auch ihre Schlussvorträge wurden unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten.

Der Mann forderte die junge Mutter auf, sexuelle Handlungen an dem Säugling vorzunehmen. Sie machte es, und er filmte das.Richter Walter Ebensperger
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.