04.10.2017 - 15:54 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Matthias Heinl war Augenzeuge des Massakers in Las Vegas [Video] Schwandorfer nah an der Tragödie

Der Besuch der Glücksspiel-Metropole Las Vegas soll für den Schwandorfer Matthias Heinl und seinen besten Kumpel seit Studienzeiten der letzte Höhepunkt ihrer drei Wochen langen Rundreise durch die USA sein. Sie quartieren sich direkt am berühmten Las Vegas Boulevard ein - und werden Augenzeugen einer unvorstellbaren Tragödie. 

Matthias Heinl (links) und sein bester Kumpel aus Studienzeiten in Las Vegas. Die Glücksspiel-Stadt in der Wüste Nevadas war das letzte Ziel einer dreiwöchigen Rundreise durch den Westen der USA.
von Benjamin Tietz Kontakt Profil

Sonntag gegen 22 Uhr Ortszeit: Matthias Heinl (29) aus Schwandorf und sein Kumpel sind bereits in ihrem Zimmer im 15. Stock des MGM Grand Hotels. Sie packen ihre Koffer, am nächsten Vormittag geht es früh an den Flughafen und wieder nach Hause. Der große Hotelkomplex liegt direkt am bekannten Strip in der Wüstenmetropole Las Vegas. In Sichtweite befinden sich das Hotel "Mandalay Bay" sowie das Gelände, auf dem gerade Jason Aldean zum Abschluss eines dreitägigen Countryfestes auf der Bühne steht. Plötzlich ein lautes Rattern. In einem Telefonat mit unserer Zeitung am Dienstag beschreibt Matthias Heinl, dass er in diesem Moment zunächst an ein Feuerwerk zum Festival-Finale denkt und die Vorhänge zurückzieht. Er sieht das Konzertgelände - aber kein Feuerwerk. Sein nächster Gedanke: ein vorbeifliegender Helikopter. Doch auch der ist nirgends auszumachen. Sein Kumpel - er war bei der Bundeswehr - äußert einen schrecklichen Verdacht: "Da schießt einer mit einem Großkaliber".

Panik auf dem Gelände

Die beiden sehen das Festival-Gelände, beobachten, wie binnen weniger Minuten aus allen Richtungen ein Großaufgebot an Polizei und Feuerwehr vorfährt. Sie bleiben in ihrem Zimmer: "Das war aktuell der sicherste Platz", sagt der Schwandorfer. Heinl und sein Kumpel schalten den Fernseher ein und erfahren in den Live-Nachrichten nach und nach von dem schrecklichen Ereignis, das sich gerade vor ihren Augen abgespielt hat. "Am meisten war ich erschrocken, dass man die Schüsse so laut gehört hat, als stünde der neben dir", schildert der 29-Jährige, der beruflich Energiekonzepte für Fabriken erstellt, am Telefon. Auf dem Konzert-Areal ist Panik ausgebrochen: "Man hat gesehen, wie die Leute Schutz gesucht haben und teilweise blind über die Straße gelaufen sind. Das ist schon unter die Haut gegangen". Viele fliehen auch in die Lobby des nahe gelegenen MGM Hotels.

Matthias Heinl erinnert sich an den Tag, als die beiden in Las Vegas ankamen und am Gelände, auf dem das drei Tage lange Festival stattfand, vorbeifuhren: "Man hat viele Leute mit Cowboyhüten und -stiefeln gesehen. Da waren viele Familien mit Kindern und sehr viele junge Leute", schildert der 29-Jährige - selber ein begeisterter Konzert- und Festivalgänger - betroffen. Bei dem 29-Jährigen selber steht das Telefon in diesen Stunden nicht mehr still. Familie, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen und der Chef melden sich bei ihm, fragen, ob bei den beiden alles in Ordnung ist: "Das hat mich sehr gerührt".

Gedrückte Stimmung

Am Tag nach der unfassbaren Tat, bei der bis jetzt 59 Menschen ihr Leben verloren, ist es auch in der Stadt, die wirklich niemals schläft, außergewöhnlich ruhig. Die unzähligen Spielautomaten in den Casinos dudeln zwar unablässig weiter, aber ansonsten herrscht nahezu absolute Stille. "Es hat keiner gelacht oder laut geredet", beschreibt der Schwandorfer die bedrückte Stimmung am Morgen, als die beiden sich auf den Weg zum Flughafen machen.

Die US-Amerikaner stehen in Zeiten einer derartigen Tragödie zusammen: Matthias Heinl sieht lange Warteschlangen bei den Stellen zum Blut- oder Geldspenden. Viele Menschen gehen außerdem zu den auf dem Las Vegas Strip stehenden Polizisten, geben ihnen die Hand und bedanken sich für ihren Einsatz in der vergangenen Nacht. Am McCarran-Airport gibt es natürlich auch nur ein Thema unter den Fluggästen und einen Satz, der überall zu hören ist: "Unglaublich, dass so etwas passieren konnte".

Man hat gesehen, wie die Leute von dem Festivalgelände Schutz gesucht haben und teilweise blind über die Straße gelaufen sind.Augenzeuge Matthias Heinl
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