"Mut-Tour" informiert über Krankheitsbild Depression
Auf Tandem gegen ein Tabu

Teilnehmer der diesjährigen Mut-Tour kamen am Sonntag auf dem Marktplatz an. Radelnd unterwegs sind (von links) Nora Berger, Sarina Krebs, Christoph Strauch, Lukas König, Claudia Richter und Markus Schmidt. Bilder: paje (3)
Vermischtes
Schwandorf
21.08.2017
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"Das Thema Depression soll in die Köpfe der Bevölkerung." Zitat: Lukas König

Seelische Erkrankungen wie Depressionen gehören immer noch zu den Tabu-Themen in der Gesellschaft. Das zu ändern, haben sich die Tandem-Radler der Mut-Tour zur Aufgabe gemacht. Am Sonntag machte das Team Halt auf dem Marktplatz. Mit einem Smiley im Gepäck.

"Das Thema Depression soll in die Köpfe der Bevölkerung.", sagt Lukas König. Er ist einer von sechs Teilnehmer des "blauen Teams" der diesjährigen Mut-Tour. Er und seine fünf Teammitglieder bestreiten dieses Jahr die sogenannte "blaue Tour". Dabei radeln sie mit Tandems durch ganz Deutschland, um auf das Tabu-Thema Depression hinzuweisen.

Die Radler starteten in Augsburg, Ziel ist Leipzig. Am Sonntagnachmittag machte die Gruppe Station auf dem Schwandorfer Marktplatz. Insgesamt sind vier Teams unterwegs, teilte die Deutsche Depressions-Liga mit, die die Aktion ins Leben gerufen hat. Das "blaue Team" bestreitet die große Mut-Tour, das "rote Team" die Mini-Mut-Tour, "Team schwarz" wandert zu Fuß über Stock und Stein und das "orange Team" fährt mit dem Kanu. Seit 2012 gibt es die Mut-Tour. Seitdem wurden über 22 000 Kilometer zurückgelegt. Dieses Jahr kommen 3200 Kilometer hinzu. Die Teams sind vom 10. Juli bis 25. August unterwegs.

Die Teilnehmer - teils selbst Betroffene nach entsprechenden Therapien - nehmen das verbrämte "D-Wort" Depression ganz offen in den Mund und tragen ihren unverkrampften Umgang mit der Erkrankung nach außen. Damit möchten sie Ängste und Vorurteile abbauen. Der Name der Mut-Tour ist Programm: Mutige Teilnehmer möchten anderen Menschen Mut machen. Ziel ist es, dass betroffene und nicht-betroffene Personen angst- und schamfrei mit psychischen Erkrankungen umzugehen lernen.

Ohne Leistungsdruck

Die Mitstreiter erleben, wie Sport ohne Leistungsdruck in Kombination mit Struktur, Natur und Gemeinschaft die Stimmung heben kann. Es gelte als nachgewiesen, dass Sport gegen Depressionen helfen kann, erläuterte König am Sonntag. Jeden Abend setzen sich die Teilnehmer zusammen, lassen den Tag Revue passieren und erzählen sich gegenseitig, wie es ihnen erging. Obwohl die Teammitglieder alle aus verschiedenen Teilen Deutschlands kommen, halten sie dennoch den Kontakt zueinander aufrecht. Vor kurzem gab es zum Beispiel ein Treffen in Wien, zu dem alle "Mut-Tourer" anreisten.

Die Teammitglieder der "blauen Route" sind in diesem Jahr Lukas König (28 Jahre) aus Marburg; Claudia Richter (50) aus Heidelberg; Markus Schmidt (30) aus Memmingen; Nora Berger (30) aus Ravensburg; Sarina Krebs (31) aus Leipzig und der Hamburger Christoph Strauch (52).

Geschützter Rahmen

"Es ist jeden Tag eine Bereicherung für mich", erzählt Claudia Richter. Sie und König bilden eins von drei Zweierteams der großen Mut-Tour. "Es hat auch einen persönlichen Effekt für mich, da ich kein Auto mehr brauche und alles mit dem Rad fahre", erzählt die 50-Jährige weiter, die selbst unter Depressionen leidet. Auch König hat nur positive Erfahrungen mit der Mut-Tour gemacht. "Man ist in einem geschützten Rahmen, um sich auszutauschen.", sagt der 28-Jährige aus Marburg. Er findet es besonders schön, dass man Menschen trifft, die schon lange mit Depressionen zu kämpfen haben, aber denen es dennoch gut geht und die ein erfülltes Leben leben.

Außerdem zeigten sich beide positiv davon überrascht, wie offen und hilfsbereit Fremde sind. Bei schlechtem Wetter etwa fanden sie schnell Unterschlupf in einer Pfarrgemeinde. Auch unterwegs werden sie oft von Passanten angesprochen, die neugierig geworden sind durch die auffallenden Tandems. Die Räder sollen aber nicht nur auffallen, sondern vor allem den Teamgeist stärken und für einen Kräfteausgleich sorgen.

Am Sonntagnachmittag kamen die Teilnehmer in Schwandorf am Marktplatz an. Ihre Reise ging anschließend weiter nach Nabburg, wo sie sich ein Plätzchen zum Übernachten suchten. Danach gilt es noch die letzten Etappen zu bestreiten, ehe sie sich am Samstag mit dem Team der Mini-Mut-Tour in Leipzig treffen und die diesjährige Tour damit beendet ist.

Finanzielle Hilfen

Prominente Unterstützer der Tour in diesem Jahr sind der ehemalige Fußball-Manager Willi Lemke und Entertainer Harald Schmidt. Für finanzielle Unterstützung der Aktion sorgen der Trägerverein Deutsche Depressions-Liga sowie die Aktion Mensch, die Barmer Krankenkasse und die Deutsche Rentenversicherung Bund. Partner sind die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und das Bündnis gegen Depression. Die Gruppe hat für Fotos einen "Smiley" dabei. Er soll diejenigen symbolisieren, die es nicht wagen oder es sich nicht erlauben können, ihre Depressions-Erkrankung beispielsweise wegen Nachteilen im Beruf oder auch Mobbing öffentlich zu machen.

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Weitere Informationen:

www.facebook.com/MutTour www.mut-tour.de

Das Thema Depression soll in die Köpfe der Bevölkerung.Lukas König


Es ist jeden Tag eine Bereicherung für mich.Claudia Richter


BeratungsstellenPsychosoziale Beratungsstellen sind unter folgenden Telefonnummern oder Internetadressen zu erreichen:

Telefonseelsorge: 0800/1110111; Seelefon 01805/950951 (www.depressionsliga.de); Info-Telefon Depression: 0800/3344533 (Internet: www. deutsche-depressionshilfe.de); www.diskussionsforum-depression.de; www.fideo.de.

In der Region: Schwandorfer Diakoniezentrum, Waldschmidtstraße 14, Telefon 09431/8817-0; Gesundheitsamt Schwandorf, Wackersdorfer Straße 78a, Telefon 09431/471-600. (paje)


Mut-Tour 2018Auch 2018 soll wieder eine Mut-Tour starten, mit Stationen in 60 Orten mit Infostand- und Mitmach-Aktionen. Dafür werden schon jetzt die Teilnehmer mit und ohne Depressions-Erfahrung gesucht.

Zwischen Juli und September 2018 ist die Mut-Tour wieder unterwegs, um täglich Journalisten zu treffen und über Erfahrungen im Umgang mit der Erkrankung zu berichten. Die Kosten für die Teilnehmer halten sich in Grenzen, da die Radler täglich zelten.Interessierte können sich online zu einem Treffen anmelden: www.mut-tour.de (paje)
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