20.09.2017 - 20:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Nach dem letzten Arbeitstag auf der Anklagebank Zum Abschied der Hitler-Gruß

Es war sein letzter Arbeitstag in einem Schwandorfer Großbetrieb. Auf seiner Abschiedsrunde durch die Werkhallen baute sich ein 20-Jähriger vor einem aus der Türkei stammenden Kollegen auf und zeigte ihm den Hitler-Gruß. Zwei andere Beschäftigte bekamen den Stinkefinger zu sehen.

von Autor HWOProfil

Er war wohl als Auszubildender nicht allzu beliebt. "Wenn man ihm eine Arbeit schaffte, hat er sich gedrückt", erfuhr nun die Schwandorfer Jugendrichterin Petra Froschauer über den Angeklagten. Heuer im Februar endete die Lehrzeit des 20-Jährigen. Er musste gehen, hatte seinen letzten Arbeitstag und verabschiedete sich auf merkwürdige Weise.

Der junge Mann erschien in einer der Werkhallen und lieferte einen Auftritt der seltsamsten Art. Zunächst nahm er Kurs auf einen türkischstämmigen Kollegen, baute sich vor ihm auf und zeigte dem Mann den Hitler-Gruß. Dann zog er seinen Schutzhelm vom Kopf und warf ihn wuchtig in eine der Produktionsmaschinen. Beim Abgang erhob der 20-Jährige beide Arme und zeigte zwei weiteren Mitarbeitern des Unternehmens die ausgestreckten Mittelfinger.

Die Jugendrichtern war irritiert und ließ anklingen, dass sie eine solche Abschiedsgeschichte noch nie vernommen habe. Der vor ihr sitzende Ex-Lehrling hatte zwar vor der Polizei Angaben gemacht und dort alles von sich gewiesen. Jetzt aber schwieg er eisern. "Das verstehe ich nicht", beschrieb Petra Froschauer ihr Empfinden.

Danach marschierten die unversehens und ohne eigenes Zutun in den Fokus gerückten Bediensteten des Betriebs auf und schilderten der Reihe nach die einzelnen Stationen der zur Debatte stehenden Abschiedstour: Erst Hitler-Gruß, dann der in die Maschine geworfene Schutzhelm, danach zwei Stinkefinger. Ende des Intermezzos. Fort war er.

Die mit dem Stinkefinger beleidigten Arbeiter hatten keinen Strafantrag gestellt. Damit entfiel dieses Delikt im Urteil. Was blieb, war der Hitler-Gruß. "Könnte es sein, dass er mit seinem Arm gewunken hat, quasi um Tschüss zu sagen?", wollte die Richterin wissen. Nein, hörte sie von Zeugen, das sei schon deutlich sichtbar mit ausgestrecktem rechten Arm erfolgt.

Im Hinblick auf die Ahndung waren sich Staatsanwalt Jan Prokoph und die Richterin einig. Prokoph beantragte 25 gemeinnützig zu leistende Arbeitsstunden, Richterin Froschauer verhängte sie dann auch. Mit dem Hitler-Gruß in der Werkhalle sei einem aus der Türkei stammenden Mann sehr bewusst grobe Missachtung entgegengebracht worden, tadelte sie den Täter in ihrer Urteilsbegründung.

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