02.02.2018 - 20:00 Uhr
Schwandorf

Nach Frühling kommt der Winter

Im Januar ist März - zumindest aus Sicht der Meteorologen. Mit rund fünf Grad Celsius über dem Durchschnitt verläuft der eigentlich kälteste Monat des Jahres schon fast frühlingshaft und verpasst nur knapp einen Rekord.

Zu warm: Auf diesen einfachen Nenner lässt sich der Winter bislang bringen. Dieses fast vorfrühlingshafte Wetter ist aber - angesichts der drohenden Frostkeule aus dem Norden - wohl bald vorbei. Bild: Götz
von Benjamin Tietz Kontakt Profil

"Ist der Januar hell und weiß, wird der Sommer sicher heiß": Wenn man dieser alten Bauernregel Glauben schenken würde, stehen der Region eher triste Monate bevor. Weder hell noch weiß, dafür Regengrau und Schmuddelwetter: Der Winter ist bislang deutlich zu warm. "Stimmt", sagt der Wetter-Experte von Oberpfalz-Medien, Andy Neumaier, und untermauert das mit Zahlen.

Bereits im Dezember begann, was sich bis Ende Januar durchziehen sollte: Eine richtige Kälteperiode wollte sich bislang nicht einstellen. Der Dezember lag im Raum Schwandorf mit einer Durchschnittstemperatur von 1,7 Grad Celsius um 1,9 Grad über dem sogenannten "langjährigen Mittel" (Infokasten). Doch statt Winter wurde es im Januar noch wärmer: Andy Neumaier verzeichnete eine Durchschnittstemperatur von rund 3,0 Grad Celsius - Plus, wohlgemerkt. Damit liegt der Januar 2018 nur knapp hinter dem des Jahres 2007, als der wärmste Januar seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1951 gemessen wurde. Von den Durchschnittstemperaturen her entsprach der erste Monat des Jahres fast genau dem März: Mehr als fünf Grad Celsius lag er in diesem Jahr über dem Mittel.

Nur einmal Dauerfrost

Ebenfalls ungewöhnlich: Es gab im Raum Schwandorf bis jetzt nur einen sogenannten "Eistag". So werden Tage bezeichnet, an denen das Thermometer nicht über null Grad Celsius steigt, also Dauerfrost herrscht. Ein paar mehr - nämlich fünf - verzeichnete die Region rund um Schönsee. Aber selbst das ist für die Jahreszeit viel zu wenig. "Ein Witz" ist für den Wetterexperten auch die bislang niedrigste Temperatur, die im Raum Schwandorf in diesem Winter gemessen wurde: Sie lag bei -5,6 Grad Celsius. Zum Jahreswechsel am 31. Dezember war es in der Großen Kreisstadt sage und schreibe 11,7 Grad Celsius warm.

An 15 Tagen lag in der Gegend um Schwandorf bislang eine Schneedecke, die mehr als sieben Zentimeter stark war. Das sieht laut Neumaier in den höher gelegenen Ecken des Landkreises - im Raum Teunz, Oberviechtach oder Schönsee - schon etwas anders aus: 35 Tage mit einer Schneedecke von bis zu 35 Zentimetern verzeichnete der Wetterexperte dort bis dato. "In den höheren Lagen ist der viele Niederschlag als Schnee gefallen", erklärt Neumaier. Denn während der Dezember etwas zu trocken war und nur 95 Prozent des normalen Niederschlags fielen, tanzte der Januar auch hier aus der Reihe: Mit 168 Prozent fiel in diesem Monat deutlich mehr Regen beziehungsweise Schnee als normalerweise üblich wäre.

Tiefs über dem Atlantik

Die Ostküste der Vereinigten Staaten von Amerika ist zwar weit weg, das Wetter dort hat aber einen merklichen Einfluss auf den Winter-Verlauf in unserer Region. Grund dafür sind Tiefdruckgebiete über dem Atlantik, die die Region mit warmer Luft versorgen und Nordamerika vor Kälte erzittern lassen. Derartige Verläufe lassen sich oft schon früh erahnen: Wenn es in den USA nämlich bereits im Spätherbst mit der Kälte anfängt, kann man laut Neumaier zu einer guten Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass der Winter in unseren Breitengraden zu warm wird.

Allerdings könnte es damit jetzt ganz schnell vorbei sein: "Kalte Luft aus dem hohen Norden nimmt Kurs auf die Oberpfalz, und schiebt die eher feuchte Kälte in Richtung Mittelmeer", prognostizierte Andy Neumaier für die kommenden Tage. In klaren Nächten drohen die bislang tiefsten Temperaturen dieses Winters mit Werten im zweistelligen Minusbereich. "Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass der Februar den Winter-Durchschnitt wieder runter reißt - und es am Ende unter dem Strich wieder ein ganz normaler Winter war", sagt der Wetterexperte angesichts der frostigen Aussichten für die kommenden Tage. Nachdem also der Januar der März war, könnte nun der Februar zum Januar werden.

Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass der Februar den Winter-Durchschnitt wieder runter reißt - und es am Ende unter dem Strich wieder ein ganz normaler Winter war.Wetterexperte Andy Neumaier

Das "langjährige Mittel"

Zum Vergleich von Wetterdaten wird gerne das "langjährige Mittel" herangezogen. Es ist als Vergleichswert für den Raum Schwandorf aber nicht mehr allzu aussagekräftig, weil es sich auf den Zeitraum von 1961 bis 1990 bezieht. Durch verschiedene Faktoren - wie beispielsweise den Klimawandel - hat sich das Wetter seit 1990 aber signifikant verändert. Deshalb fallen Vergleiche mit dem "langjährigen Mittel", das sich auf diesen Zeitraum bezieht, oftmals bemerkenswerter aus, als sie eigentlich wären. Für verlässlichere Werte gibt es eigentlich einen neuen Durchschnittswert aus dem Zeitraum von 1981 bis 2010. Dieser wird nach und nach einführt. Für den Raum Schwandorf gibt es aber derzeit nur die alten Mittelwerte. (tib)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.