20.08.2017 - 20:20 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Nach Ladendiebstahl: Auflage angepasst Beeindruckte Richterin

Es ging um einen Ladendiebstahl. Kein großer Fall für die Jugendrichterin. Doch dann offenbarte sich ihr eine Lebensgeschichte mit fast schon perfekter Integration. Denn vor ihr saß ein 19 Jahre alter, aus Asien stammender Mann, der hier Arbeit gefunden hat und die deutsche Sprache auch bei schwierigeren Redewendungen unterdessen hervorragend versteht.

von Autor HWOProfil

Der junge Mann, in der Nähe von Schwandorf wohnhaft, ist auf sich allein gestellt. Er kam als Kriegsflüchtling den weiten Weg nach Deutschland und gilt zwischenzeitlich als anerkannt. Deswegen darf er arbeiten und er tut es auch. Seit April diesen Jahres hat er eine Anstellung als Bauhelfer gefunden. Dafür bekommt er nahezu 1200 Euro im Monat. "In Vollzeit", wie er berichtete.

Dolmetscher nicht nötig

Als der 19-Jährige nun vor der Schwandorfer Jugendrichterin Petra Froschauer erscheinen musste, geschah dies wegen eines Ladendiebstahls in Regensburg. Zusammen mit einem Landsmann hatte er ein paar Sachen im Wert von einigen Euro geklaut. Das geschah noch vor der Zeit, seit der der 19-Jährige monatlich Geld für seine Arbeit bekommt. Als ihn die Richterin dazu befragte, sagte er: "Es war so, und mir tut das leid." Ob er denn einen Dolmetscher brauche, hatte die Vorsitzende in diesem Zusammenhang wissen wollen. Nein, entgegnete der junge Mann, das sei nicht mehr notwendig. Petra Froschauer erfuhr, dass der geständige Ladendieb unterdessen monatlich 500 Euro an seine im Heimatland zurückgebliebene Familie überweist und sie fragte ihn auch, weshalb er denn im Vorfeld des Prozesses nicht einem Vorschlag der Staatsanwaltschaft zugestimmt habe, die Diebstahlssache gegen eine Arbeitsauflage einzustellen. "Das konnte ich nicht", ließ er wissen. Wieso? Antwort: "Ich habe ja jetzt eine Arbeitsstelle und will dort auch regelmäßig hingehen."

Verfahren eingestellt

Die Richterin war irgendwie beeindruckt. "Kompliment für Ihre deutschen Sprachkenntnisse", sagte sie dem 19-Jährigen, der ihr erlaubt hatte, ihn mit Vornamen anzureden. Dann schlug sie dem Anklagevertreter Wolfgang Doblinger vor, das Diebstahlsverfahren einzustellen. Allerdings unter geänderten Vorzeichen. "Er soll 300 Euro zahlen", ließ die Jugendrichterin erkennen und fand Zustimmung beim Staatsanwalt und auch beim Angeklagten. Die Geldauflage geht an das Schwandorfer Tierheim. Was das ist, wusste der junge Kriegsflüchtling. Nur eines war ihm neu. Nämlich: Dass man vor der deutschen Justiz aus Respektsgründen die Baseballkappe absetzt. Doch auch dies kennt er jetzt nach einem dezenten Hinweis der Richterin.

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