08.04.2018 - 20:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Nur ein Rebhuhn erlegt Natürliches Gleichgewicht aus den Fugen

45 Jahre lang hat Herbert Krauthann das Jagdwesen im Landkreis Schwandorf mitgeprägt, zunächst als stellvertretender und von 2002 an als erster Jagdberater. Ende März trat der 83-jährige Ehrenvorsitzende des Jägervereins St. Hubertus in den "Ruhestand". Zum Nachfolger wählten die Delegierten der Kreisgruppe den bisherigen Stellvertreter Günther Hoffmann aus Maxhütte-Haidhof.

Mit den Jagdsignalen "Hirsch tot" und "Sau tot" haben die Jagdhornbläser des Jägervereins St. Hubertus mit Hornmeister Wolfgang Prebeck (links) bei der Hegeschau der Hegegemeinschaften Neukirchen und Wackersdorf die Jagdstrecke "verblasen". Bilder: Hirsch (2)
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Bei der Hegeschau der Hegegemeinschaften Neukirchen und Wackersdorf am Samstag im Restaurant des Tierzuchtzentrums zog Herbert Krauthann, der seit 1959 Mitglied im Landesjagdverband ist, Bilanz, erinnerte an "tiefgreifende Veränderungen" im Jagdwesen und kritisierte die Querschüsse fachfremder Ideologen.

"Sie haben Ihre Sollzahlen erfüllt", bescheinigte der neue Jagdberater Günther Hoffmann den Revierinhabern, die im vergangenen Jagdjahr in der Hegegemeinschaft Neukirchen 223 (Soll 215) und in Wackersdorf 330 Rehe (Soll 289) in die Abschusslisten eintrugen. Ein Drittel der Tiere fiel allerdings dem Straßenverkehr zum Opfer. Eine Steigerung gab es auch bei den Wildschweinen.

Viele Füchse vor der Flinte

In Neukirchen wurden 111, in Wackersdorf 103 Sauen erlegt. Im gesamten Landkreis waren es 1627 (plus 515). Überraschend viele Füchse liefen den Jägern vor die Flinte. 152 in Wackersdorf und 69 in Neukirchen. Dass nur ein einziges Rebhuhn geschossen wurde, wertete der Jagdberater als Beweis für ein aus den Fugen geratenes Gleichgewicht, verursacht durch die industrielle Landwirtschaft. Der Vorsitzende der Kreisgruppe Schwandorf im Bayerischen Jagdverband, Hans Vornlocher, hält nichts von der Ausgabe von Notfallboxen des Veterinäramtes zur Seuchenprävention. Der Vorsitzende des Jägervereins St. Hubertus plädiert dafür, tot aufgefundenes Schwarzwild zu melden und das weitere Vorgehen der Behörde zu überlassen. Vornlocher tritt für die nachhaltige Schaffung von Wildtier-Lebensräumen ein, denn nur so habe das Niederwild im intensiv bewirtschafteten Agrarraum eine Überlebenschance.

"Die Sichtung eines Wolfes im Raum Burglengenfeld sollte uns zu denken geben ", sagte der Kreisgruppen-Vorsitzende, auch wenn er als scheu und ungefährlich für den Menschen gelte. Dass der Wolf scheu sein soll, hält Jagdberater Günther Hoffmann "für ein Märchen". Stellvertretender Landrat Joachim Hanisch stellte jedoch fest: "Der Wolf gehört nicht zu Deutschland." Er sieht sich aber "einer Front von Andersdenkenden" gegenüber. MdL Alexander Flierl wünscht sich eine Allianz aus Landwirten, Waldbesitzern und Jägern, um das Jagdwesen zu erhalten, "das zu unserer bayerischen Heimat gehört". Bei Wolf, Kormoran, Biber und Otter müsse die Politik zu Lösungen kommen.

Biber stoppen

Die Probleme schlagen auch im Rathaus auf, wie Oberbürgermeister Andreas Feller bestätigte. Seine Forderung: "Wir müssen dem Biber Einhalt gebieten". Wackersdorfs Dritter Bürgermeister Günther Pronath wünscht sich eine "Versachlichung der emotional geführten Diskussion". Forstdirektor Albin Kleber will Anfang September Ergebnisse des Vegetationsgutachtens vorstellen.

Der neue Leiter der Unteren Jagdbehörde, Christoph Mühlbauer, nennt den Einsatz der Nachtsicht-Vorsatzgeräte ein "waffenrechtlich heißes Eisen". Dennoch wolle seine Behörde das Hilfsmittel im Rahmen der Seuchenbekämpfung punktuell zulassen, wenn der Antrag ausreichend begründet sei.

Sie haben Ihre Sollzahlen erfüllt.Jagdberater Günther Hoffmann

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