Prozess wegen Beleidigung auf der A 93 mit schwieriger Beweisführung
Zwei Drängler und ein Stinkefinger

Symbolbild: dpa
Vermischtes
Schwandorf
03.01.2017
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Dichter Verkehr auf der A 93, es geht zäh voran. Zwei Motorradfahrer drängeln, werden nicht vorbei gelassen und überholen rechts. Dabei zeigt einer von ihnen den Stinkefinger. Der Halter des Krads erhält später einen Strafbefehl wegen Beleidigung und sagt nun vor Gericht. "Ich bin nicht gefahren. Beweisen Sie mir das Gegenteil."

Bodenlose Unverschämtheit und ein Zeichen dafür, wie rücksichtslos es heutzutage im Straßenverkehr zugeht: Am 4. August war ein Ehepaar aus dem Kreis Schwandorf auf der A 93 mit seinem Wagen unterwegs. Es ging schleppend voran. Doch zwei dem Pkw nachfolgende Motorradfahrer mochten das nicht dulden. "Sie haben zum Rechtsüberholen angesetzt", berichtete der Autofahrer jetzt vor der Schwandorfer Amtsrichterin Petra Froschauer.

Wer fuhr?

Der Vorgang ereignete sich kurz vor der Ausfahrt Schwandorf-Mitte, wobei dann einer der Kradfahrer zwei Mal kurz nacheinander dem im Wagen sitzenden Ehepaar den Stinkefinger zeigte. Die Leute merkten sich das Kennzeichen und erstatteten Anzeige. Daraufhin kam ein Verfahren in Gang. Es erbrachte: Der Halter des Motorrads war im Kreis Regensburg ansässig. Nicht lange danach bekam er einen Strafbefehl der Justiz. Er sollte wegen Beleidigung 20 Tagessätze zahlen und legte Einspruch ein.

Bei der Verhandlung am Schwandorfer Amtsgericht wies der 36-jährige Tierpfleger den Vorwurf energisch von sich, seinerzeit auf der Autobahn unterwegs gewesen zu sein. Richterin Petra Froschauer hörte: "Ich war das nicht." Wer dann? "Mein Motorrad verleihe ich öfter." An wen damals? "Weiß ich nicht mehr. Ich habe einen großen Freundeskreis."

Was folgte, waren lapidare Bemerkungen wie diese: "Mehr habe ich nicht zu sagen. Und Sie müssen mir nun das Gegenteil nachweisen." Durchaus schwierig angesichts des Umstands, dass beide Kradfahrer einen Helm trugen. Von daher konnte das mit dem Stinkefinger beleidigte Ehepaar nur sagen: "Von der Körpergröße her könnte er es gewesen sein. Aber sein Gesicht haben wir ja nicht sehen können." Der Freispruch lag nahe. Doch es gab einen Polizeibeamten aus dem Raum Regensburg, der damals bei einer per Telefon vorgenommenen informatorischen Befragung des Mannes gehört haben will: "Dann muss ich es wohl gewesen sein." Das aber ließ sich nur aus Unterlagen entnehmen.

Neuauflage im Frühjahr

Der Beamte selbst war nicht als Zeuge geladen. Deshalb brach die Richterin den Prozess ab. Er soll im Frühjahr neu angesetzt werden. Dann mit dem Polizisten und seiner Aussage. Vorab schon gab die Vorsitzende dem Angeklagten zu bedenken: "Wenn er das bestätigt, bleibt es nicht bei 20 Tagessätzen."
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