Rauschgiftfahnder zerschlagen kriminelle Verbindungen
Eine Menge Marihuana aus Berlin

Paragrafen-Symbole sind an Türgriffen am Eingang zum Landgericht in Bonn angebracht.  (Foto: Oliver Berg/dpa/Symbolbild)
Vermischtes
Schwandorf
11.01.2018
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Das Ganze ist wie ein Spinnennetz, in dem sich Drogenkonsumenten verfangen. Marihuana in großen Rationen aus Berlin, Zwischenhändler in Hof und Schwandorf. Mehrere Tausend Euro wechseln den Besitzer. Dann zerschlagen Rauschgiftfahnder die kriminellen Verbindungen.

Zwei Beschuldigte wurden in Fußfesseln vor das Amberger Schöffengericht geführt. Ein 26-jähriger Schwandorfer als Angeklagter, sein Marihuana-Lieferant aus dem oberfränkischen Hof als Zeuge. Die beiden Männer hatten im Sommer letzten Jahres am Schwandorfer Bahnhof zwei größere Geschäfte abgewickelt. Der 25-Jährige aus Hof reiste an, bot beim ersten Deal 150 Gramm Marihuana für 2000 Euro an und offerierte beim zweiten abgewickelten Geschäft 200 Gramm für 2600 Euro. Sein Partner aus Schwandorf kaufte und verhökerte die Portionen grammweise an Einzelabnehmer. Über eine Internetplattform vereinbarten die Männer für den 14. Juni 2017 noch ein weiteres Treffen. Diesmal mit Marihuana für 2700 Euro. Doch dazu kam es nicht. Denn noch vor seinem Eintreffen in Schwandorf nahmen Fahnder den 25-Jährigen aus Hof fest.

Etliche Vorstrafen

Vor dem Schöffengericht offenbarte sich nun: Der Oberfranke war auch schon mit einem Pfund Marihuana, das aus Berlin stammte, in Schwandorf aufgekreuzt. Doch diese Menge wurde von einem anderen Abnehmer gekauft. Sie war wohl für den Regensburger Schwarzmarkt bestimmt. Als Polizeibeamte die Wohnung des jetzt wegen Drogenhandels angeklagten Schwandorfers durchsuchten, fanden sie 15 Gramm Crystal Speed und eine ungeladene Schreckschusswaffe. Dabei wussten sie, dass es sich um einen etliche Male vorbestraften Mann handelte, der wegen eines Drogendelikts unter Bewährung stand. Ab dann saß er in Haft.

Es gab ein sogenanntes Rechtsgespräch hinter verschlossenen Türen. Danach wurde dem jungen Mann eine Freiheitsstrafe zwischen 26 und 28 Monaten für ein Geständnis zugesichert. Auf Anraten seiner Verteidiger Helmut Mörtl (Regensburg) und Norbert Rötzer (Schwandorf) legte es der 26-Jährige ab. Dabei offenbarte sich der eigentliche Anlass für die Deals am Schwandorfer Bahnhof: Der Konsum von Marihuana ist für ihn eher nebensächlich. Er braucht seit Jahren seine tägliche Ration Crystal Speed. Von daher ein Fall von Beschaffungskriminalität. Denn mit dem Gewinn aus dem Marihuanaverkauf finanzierte der Schwandorfer seinen Bedarf an Amphetamin. Das war teuer.

26 Monate Haft

Per gerichtlicher Weisung wollte der 26-Jährige nicht in eine Langzeittherapie eingewiesen werden. Allerdings hat er durch Zusicherung von Kostenübernahme die Option, in eine freiwillige Entzugsmaßnahme zu gehen. Das könnte kurzfristig geschehen. Allerdings müsste dazu die Staatsanwaltschaft ihre Zustimmung geben. Das Schöffengericht verzichtete in seinem Urteil auf die Anordnung einer zwangsweisen Therapie. Es schickte den 26-Jährigen für zwei Jahre und zwei Monate hinter Gitter. Staatsanwalt Oliver Wagner hatte zwei Jahre und vier Monate gefordert. "Sie haben ein langes Vorstrafenregister und Sie standen unter Bewährung", unterstrich der Gerichtsvorsitzende Markus Sand.
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