Rechtsextremismus-Experte spricht vor Schülern über aktuelle Lage
Schule erinnert an Brandanschlag

Günter Kohl erinnerte an den Brandanschlag vor 28 Jahren.
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Schwandorf
17.12.2016
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Bevor Wolfgang Meyer von der Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus zu einer enthusiastischen Rede ansetzt, nimmt er einen kräftigen Schluck aus einem Wasserglas. Er hält das Grundgesetz in die Höhe und sagt: "Ich bin von diesem Buch begeistert, weil es nichts Besseres gibt." Meyer kämpft, einen Tag bevor sich der Brandanschlag eines Neonazis auf das Habermeier-Haus zum 28. Mal jährt, für demokratische Werte.

Am 17. Dezember 1988 kamen dabei vier Menschen ums Leben. Am Freitagvormittag gab es im Beruflichen Schulzentrums Oscar-von-Miller eine Gedenkveranstaltung, die jährlich an der Schule über die Bühne geht. Ein Aussteiger aus der Nazi-Szene stellte sich den Fragen der Schüler (Bericht folgt). Günter Kohl, Regionalbeauftragter für Extremismusprävention, erinnerte daran, dass der damals 19-jährige Täter ein ehemaliger Schüler gewesen sei, der nach dem Brandanschlag zu zwölfeinhalb Jahre Haft verurteilt wurde und diese auch absitzen musste. "Angeblich ist er mittlerweile in den neuen Bundesländern abgetaucht und wieder in der Neonazi-Szene", sagte Günter Kohl.

1700 Reichsbürger

Wolfgang Meyer äußerte sich ähnlich über den Täter. Der Referent sprach am Freitag über aktuelle Situation und Tendenzen des Rechtsextremismus in Bayern. Extremisten seien diejenigen, die aktiv gegen das Grundgesetz vorgehen. Neonazis würden sich durch drei Merkmale auszeichnen. Sie seien radikal, gewaltbereit und sehr aktionistisch. Heute habe das Thema Rechtsradikalismus noch genauso Relevanz wie 1988. Meyer sprach über NPD, AfD und die Identitäre Bewegung. In Bayern würden dazu etwa 1700 Reichsbürger leben. Reichsideologen, die sich auf das deutsche Kaiserreich beziehen und Selbstverwalter, die den Austritt aus der BRD erklären. Eine gefährliche Entwicklung. Denn bei Hausdurchsuchungen der sogenannten Reichsbürger seien gefährliche Chemikalien, Pyrotechnik und Waffen worden.

Parolen und Hetze sind nicht nur mehr an Stammtischen oder Hinterzimmern zu zur hören, sondern längst im Internet angekommen. Meyer riet den Schülern, in sozialen Netzwerken nicht unbedarft mit Posts umzugehen. "Ich kann nur warnen, solche Dinge weiterzuverbreiten. Ruckzuck hat man ein Verfahren am Hals." Auch Schulleiter Ralf Bormann thematisiere die "Hetze im Netz". Die sozialen Netzwerke seien bei Jugendlichen beliebt, würden aber oft "Ideologie, Idiotie und Rassismus" bedienen. Meyer beendete seinen Vortrag mit dem Appell: "Demokratie lebt vom Mitmachen." Am Samstag wird um 14.30 Uhr am Gedenkstein am Schlesierplatz der Opfer des Brandanschlages gedacht. Gegen 15 Uhr beginnt die offizielle Gedenkstunde der Stadt in der Moschee an der Max-Planck-Straße.
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