27.03.2018 - 20:00 Uhr
Schwandorf

Rosenkrieg löst Sabotage aus

Sabotage - ein dramatisch klingendes Wort, das bei Umsetzung in die Tat meist mit Zerstörung oder schwerer Sachbeschädigung einher geht. Der Fall, verhandelt vor dem Schwandorfer Amtsgericht, steht in enger Verbindung zu einem Rosenkrieg.

von Autor HWOProfil

Da saß sie nun. Eine 47-jährige Frau, Mutter mehrerer Kinder, mehr oder weniger einem Blender auf den Leim gegangen. Der Mann (34), heute 800 Kilometer entfernt von Schwandorf wohnend, hatte nach lachend erstatteten eigenen Angaben "nur eine vorübergehende Bleibe gesucht." Einer, der auf Frauensuche ständig unterwegs war, heute zum dritten Mal verheiratet und gerade Vater von Zwillingen geworden ist.

Dieser Paradiesvogel setzte sich ins Nest der Schwandorferin. Doch schon nach wenigen Monaten suchte er neue Quartiere. Ab dann startete ein "Rosenkrieg". Der eher unfeine Kavalier begann damit, unter der Privatanschrift seiner Ex-Freundin merkwürdige Geschäfte mit Hundewelpen abzuwickeln, stellte unter seinem Facebook-Account auch Fotos der Frau ins Netz.

Account tot

Was dann geschah, beschäftigte nun den Schwandorfer Amtsrichter Thomas Heydn. Er hatte sich mit dem seltenen Tatbestand der Computer-Sabotage auseinanderzusetzen. Wie sah diese Sabotage aus? Die 47-Jährige ging am 10. März 2017 um 21.58 Uhr ebenfalls ins Internet und legte den Facebook-Account ihres ehemaligen Freundes lahm. Dabei wurde zweifellos manipuliert. Tatsache war: Der 34-Jährige konnte anschließend nicht mehr auf seinen Account zugreifen. Er war ohne eigenes Zutun quasi ausgehebelt.

Es folgten gegenseitige Anzeigen. Die der Frau wurden von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Doch ihre Manipulation am Facebook-Account des Mannes blieb in den Akten. Sie führte schließlich zu einem Treffen vor Gericht. Dabei gab die 47-Jährige das illegale Eingreifen via Computer sofort zu. Ihr Ex-Freund, von weit her im Jogginganzug angereist, zeigte bei seiner Vernehmung keinerlei Interesse mehr an einer Bestrafung der Frau.

An Haft vorbei

Die Ahndung zur Computer-Sabotage hatte einen Haken. Denn die Angeklagte brachte zwölf Vorahndungen mit und stand unter Bewährung. Diesen Umstand führte Staatsanwältin Julia Weigl erschwerend ins Feld. Sie beantragte vier Monate Haft zum Absitzen.

Richter Heydn betrachtete in seinem Urteil den Vorfall "eher als Dummheit" und verhängte 1500 Euro Geldstrafe. "Es ist nichts Großes passiert", rückte er die Dinge zurecht. "Eine spontan begangene Tat", wie er unterstrich. Dann gingen die 47-Jährige und der Ex-Partner ihrer Wege, ohne sich auch nur eines Blickes zu würdigen.

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