Saatgutexpertin weiß aus Erfahrung
Junges Gemüse mag's warm

Paprika sät Annegret Hottner Ende Februar. Die Jungpflanzen sind bereit fürs Freiland, müssen aber noch einige Wochen drinnen bleiben. Bilder: Held (3)
Vermischtes
Schwandorf
06.04.2018
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Bohnen gibt Annegret Hottner in größere Töpfe, aber bevorzugt einzeln in Erdtöpfchen, die sie in Plastikschalen stellt. In der zweiten Schale von links werden Gurken gezogen. Für Oberpfalz-Medien hat sie am Freitag einige wenige gesät. Die Zeit ist noch nicht reif dafür.

Tomaten- und Paprikapflanzen strecken ihr frisches Grün schon dem Licht entgegen. Bohnen, Zucchini, Kürbis und Gurken sind noch gar nicht in der Erde. Zeit ist noch genug: Ins Freie dürfen sie allesamt erst nach den Eisheiligen.

Tomaten und Paprika haben sich, schön aufgereiht, im Wintergarten der Hottners eingenistet, verwandeln ihn bis Mitte Mai in ein Gewächshaus. Annegret Hottner hat sie bereits pikiert (vereinzelt) - stundenlang, wenn die Pflänzchen zwei Blätter ausgebildet haben. Die Schwandorferin sät Paprika - rote, gelbe, braune und scharfe Sorten - Ende Februar, dann folgen Anfang bis spätestens Mitte März die Tomaten. Das Arche-Noah-Mitglied zählt nur die Sorten: 50. Die Pflanzen, die sie neben ihren selbst gemachten Marmeladen am 5. und 6. Mai auf dem Frühjahrsmarkt im Bauernmuseum Perschen anbietet, zählt sie dagegen nicht mehr. "Jetzt ist die erste Aprilwoche rum, dann ist es für Tomaten ein bisschen spät," sagt sie. Jedoch noch zu früh für Gurke, Kürbis und Zucchini. Die Samen kommen erst Ende April in die Erde, allerdings nicht zu tief, nur leicht bedeckt. Das mögen sie, fachlich ausgedrückt gehören sie wie die meisten Samen zu den Lichtkeimern. Als Dunkelkeimer fallen der Saatgutexpertin auf Anhieb nur die Stiefmütterchen ein. Bei Zucchini oder Gurken lässt sie zwei Samen in ein rundes Pflanztöpfchen fallen, das verrottet. Wegen der feinen Wurzeln rät sie vom Pikieren ab und pflanzt stattdessen das Anzuchtgefäß in ein größeres. "Ich nehme nur Kompost, aber man kann auch Pflanzerde verwenden."

Das Saatgut vermehrt die Expertin selbst. Es handelt sich ausschließlich um alte Sorten. "Ich persönlich finde, dass sie besser schmecken und schöner sind." Bei Hybrid-Pflanzen würden bestimmte Eigenschaften gefördert. "Bei Tomaten, dass sie fest sind", nennt sie ein Beispiel. "Werden Pflanzen gezielt Eigenschaften angezüchtet, geht das auf Kosten von Eigenschaften, die sie vorher hatten. Als erstes gehen Geschmack und Duft verloren." Das Ergebnis ist laut Annegret Hottner, um bei den Tomaten zu bleiben, "sie sind besonders fest und schmecken nach nichts".

Alte Sorten hält sie für weniger anfällig für Krankheiten. Im Garten gehören ihrer Überzeugung nach Nützlinge wie Marienkäfer, Ohrwürmer oder Florfliegen gefördert. Sie ernähren sich von Läusen. "Mit Gift lässt sich kein Gleichgewicht herstellen", ist sich die Schwandorferin sicher. Für die Bohnen, die sie ebenfalls erst Ende April steckt, macht sie mit einer Erdtopfpresse Erdwürfel, die jeweils mit einer Bohne bestückt werden. Bohnen zieht sie deshalb vor, weil die zarten Pflänzchen zum Beispiel bei Schnecken als Delikatesse gelten und, kaum kommen sie ans Licht, ratzfatz weggefressen werden. "Bei Pflanzen ab einer Größe von zehn Zentimetern passiert das nicht mehr."

Die erfahrene Hobbygärtnerin warnt vor trügerischen warmen Tagen wie an diesem Wochenende. Denn: Pflanzzeit ist für Annegret Hottner nach den Eisheiligen oder lieber erst Ende Mai. Solange müssen ihre Gemüsepflanzen im Haus, pardon im Wintergarten, ausharren, Gurke und Kürbis werden bei Temperaturen unter 10 Grad gelb, wachsen sowieso nicht. Das aber kostet sie viel Kraft, die ihnen fehlt, wenn es wärmer wird. Die meisten Pflanzen mögen es warm, bis auf den Salat und den Forellensalat im Besonderen. Er keimt unter 5 Grad, mag Frost und keinen Platz an der Sonne.

Arche NoahDer Verein Arche Noah setzt sich für die Vielfalt von Kulturpflanzen ein. Er entstand 1990 im niederösterreichischen Schiltern aus zwei Vorgängervereinigungen. Hausgärtner und Bauern begannen sich für ältere und gefährdete Sorten von Gemüse einzusetzen. Heute ist Arche Noah eine der größten Erhaltungsorganisationen Europas. Das Samenarchiv enthält 5500 Kulturpflanzen. 38 Mitarbeiter beschäftigt der Verein. 2017 zählte er rund 17 000 Mitglieder und Förderer, die, wie Annegret Hottner, die Ziele eigeninitiativ vor Ort umsetzen. In der nächsten Zeitschrift und im Newsletter erscheint ein Beitrag Hottners über den Museumsgarten in Neusath-Perschen. Das Projekt wird mit der Schule Pfreimd und dem Sonderpädagogischen Förderzentrum Nabburg fortgeführt. (ihl)

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Weitere Informationen:

www.arche-noah.at
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