19.07.2017 - 20:10 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Schüler sehen, was passiert, wenn eine Angeklagte nicht zum Prozess kommt Realität anders als bei den TV-Richtern

Im Gerichtssaal saß eine Schulklasse. Die jungen Leute bekamen dann quasi hautnah mit, was die Justiz tut, wenn jemand glaubt, nicht vor dem Richter erscheinen zu müssen. Genau an diesem Punkt nämlich ist - um eine Redewendung aus der Umgangssprache zu gebrauchen - absolut Schluss mit lustig. Die Frau aus Amberg war ordnungsgemäß geladen und kam nicht zu ihrem Prozesstermin. Dabei wäre es um eine Reihe von Internetbetrügereien gegangen. Fünf Zeugen waren deswegen angereist. Richter Thomas Heydn wartete eine Viertelstunde, dann schickte er die Amberger Polizei los, um die 28-Jährige zu suchen und vorzuführen. 70 Minuten später stand fest: Die Angeklagte war daheim nicht anzutreffen und folglich auch nicht nach Schwandorf zu bringen. Daraufhin erließ Heydn auf Antrag von Staatsanwalt Holger Vogl Haftbefehl. Das bedeutete: Nach der mutmaßlichen Betrügerin, die früher in Schwandorf wohnte, wird nun gefahndet. Den Schüler und ihrer Lehrerin erläuterte Richter Heydn danach, was eine solche Maßnahme für die nicht erschienene Frau bedeutet. Sie wandert nach ihrer Festnahme vorläufig hinter Gitter. Das könnte durchaus auch länger sein. "Ich habe momentan meine Verhandlungen bereits bis März 2018 terminiert", ließ Heydn anklingen. Außerdem rollt eine finanzielle Lawine auf die 28-Jährige zu. Sie muss die Prozess- und Zeugenkosten für den ausgefallenen Prozess übernehmen, hat auch sämtliche Auslagen für neue Ladungen zu tragen. Hinzu kommen, falls im neuerlichen Termin eine Verurteilung erfolgen sollte, auch alle dabei anfallenden Kosten. "Ihr wolltet die Realität sehen", sagte der Richter zu den interessiert wirkenden Schülern und fügte hinzu: "Das ist sie" - einfach anders eben wie bei Alexander Hold und Barbara Salesch in TV-Gerichtsshows.

von Autor HWOProfil
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