27.03.2013 - 00:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Schuierermühle steht zum Verkauf - Interessent meldet sich wegen Wasserrechten Ein Wahrzeichen für 250 000 Euro

In großen Lettern kündet sie vom Müller-Stolz und ist eines der markantesten Gebäude am westlichen Stadteingang: Die Schuierermühle in der Wöhrvorstadt. Das Wahrzeichen steht zum Verkauf. Im Internet wird die Mühle für 250 000 Euro feilgeboten. Ein Interessent hat sich indes beim Landratsamt gemeldet. Er hat ein Auge auf die Mühlenrechte geworfen.

Auf der Schuierermühle prangt noch das Firmenlogo. Das Gebäude mit der angebauten Richtermühle ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Aus dieser Perspektive rechts von der Mühle führte bis etwa 1928 die Brücke über die Naab in die Stadt. Bilder: Hösamer (2)
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Seit 1874 gehört die Mühle der Familie Schuierer, mittlerweile Tochter Marille Bienek mit ihrem Mann. Am angebauten, einen Stockwerk niedrigeren Gebäude ist bei genauem Hinsehen noch der Schriftzug "Richter" zu erkennen. Auch diese Mühle haben die Schuierers einst dazugekauft. Alte Pläne (siehe Kasten) zeugen davon, dass die Schuierer-Mühle 1884 erheblich vergrößert wurde. Sie stand einst frei in der Naab auf Pfählen, neben der Brücke, die in die Stadt führte. Gut 20 Meter lang sind beide Gebäude zusammen, rund 300 Quadratmeter Fläche verteilen sich auf die dreieinhalb Stockwerke. Was an technischem Gerät nach dem Aus des Betriebs in den 1970er-Jahren nicht verkauft wurde, wartet auf weitere Verwendung. "Zum Museumsumbau geeignet. Schöne Mühlenbehälter sind vorhanden", heißt es dazu in der Immobilienanzeige. Gut 830 Euro pro Quadratmeter sind allerdings ein sehr stolzer Preis. Vor einigen Jahren gab es schon mal die Idee, kleine Wohnungen in der Mühle einzurichten.

Vorkaufsrecht

Wäre die Stadt an einer öffentlichen Nutzung interessiert, hätte sie ein Vorkaufsrecht, teilt Pressesprecher Lothar Mulzer auf NT-Nachfrage mit. Dass sie das zieht, erscheint allerdings sehr unwahrscheinlich. Es dürfte schlicht am Geld mangeln. Zumal Parkplätze fehlen und der Brandschutz sehr aufwendig sein dürfte. Von der Sanierung ganz zu schweigen. Es gibt aber noch einen anderen Hintergrund, der die Mühle selbst als Geschenk noch teuer machen könnte: Das Wasserrecht.

Wer das Nutzungsrecht am Mühlengraben hat, ist momentan unklar. Das ist wegen der vielen Mühlen an dieser Stelle kompliziert, erläutert Abteilungsleiter Günther Michler vom Wasserwirtschaftsamt. Das Recht für die Wasserräder an der Naabuferstraße liege bei der Stadt. Dann hört es mit der Klarheit aber schon auf, drehten sich doch in der Wöhrvorstadt früher eine ganze Reihe von Mühlrädern. Wer eine Stauung nutzt, ist in der Regel auch für den Unterhalt des Stausees flussaufwärts bis zur "Stauwurzel" - also bis zum fließenden Fluß - und flussabwärts soweit zuständig, wie das Wehr etwa durch Walzen Auswirkungen hat. Wäre das Wehr noch genutzt, so Michler, hätte der Müller ohnehin ein Interesse daran, dass der See vor dem Wehr regelmäßig ausgeräumt wird. Sonst verliert er Wasserdruck.

Wer baggert aus?

Ein Blick in die Naab an der Beer-Kreuzung reicht um zu erkennen, dass sich hier im Laufe der Jahrzehnte seit der Stilllegung 1970 eine ganze Menge Schlick abgelagert hat. Vor der Brücke hat sich eine Insel gebildet. Flussaufwärts wächst die Naab ebenfalls von den Rändern her zu. Wer also die Rechte hat, müsste womöglich für den Unterhalt des Wehrs und das Ausbaggern sorgen, um dann beispielsweise über eine Turbine Strom zu erzeugen. Das Baggern selbst dürfte da noch der geringere Aufwand sein. Der Schlick allerdings könnte sich, sobald er auf der Schaufel ist, in teuren Sondermüll verwandeln. Es ist nämlich nicht auszuschließen, dass die Sedimente belastet sind. Zum Beispiel mit Blei aus Autoabgasen, das mit dem Oberflächenwasser in den Fluss gelangte.

Nutzungsrechte für Mühlräder oder Stromturbinen sind im "Wasserbuch" am Landratsamt eingetragen. Wer allerdings für das Schwandorfer Schuierer-Wehr zuständig ist und die Rechte hat, da muss das Amt momentan passen. Nachdem sich der Interessent gemeldet hat, werde gerade geprüft, so Pressesprecher Franz Pfeffer. Möglicherweise sind die Unterlagen schon im Archiv gelandet. Bei einem gemeinsamen Termin mit dem Wasserwirtschaftsamt soll die Angelegenheit geklärt werden. Das dürfte juristisch durchaus spannend sein. Allein schon die Tatsache, dass die Naab spätestens ab Fronberg eine Abfolge von Stauhaltungen ist: Wo da welcher See beginnt und endet, ist wahrscheinlich nicht so einfach fest zu legen.

Angesichts der Förderung von regenerativen Energien wäre es sicher wünschenswert, wenn das aufgestaute Wasser der Naab nicht nutzlos durch den Mühlengraben rauschen würde. Für den Mühlen-Eigentümer wäre das auch ein Zubrot, um die Sanierung zu finanzieren. Wer den Nutzen zieht, wird aber auch nicht um den Unterhalt herumkommen. Die Frage ist nur, wie teuer der ist.

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