Sea-Eye-Kapitän Günther Pirnke lässt sich nicht entmutigen
Menschenfischer trotz allem

Der Schwandorfer Günther Pirnke opfert viel Freizeit, um in Seenot geratenen Flüchtlingen zu helfen. Die Vorwürfe gegen private Rettungsorganisationen ändern nichts an seiner Hilfsbereitschaft. Bild: exb
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Schwandorf
28.04.2017
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"Für mich zählt Leben retten." Von Oberpfalz-Medien auf die gegen private Retter erhobenen Vorwürfe angesprochen, sie würden Flüchtlinge zur Überfahrt von Libyen nach Europa animieren, lässt der Schwandorfer Sea-Eye-Kapitän Günther Pirnke keinen Zweifel aufkommen: Trotz aller "Angriffe" von Frontex und italienischen Staatsorganen wird er an seinem ehrenamtlichen Seenot-Engagement festhalten, damit sich das Massengrab Mittelmeer nicht weiter füllt.

Der Schwandorfer ist am Freitag gerade auf dem Weg nach Kroatien, um in der Adria vier junge Segler auszubilden. Der pensionierte Polizeibeamte ist Seemann durch und durch, und deshalb gilt für ihn das oberste Gebot: "Als Seefahrer kann man nicht einfach Menschen ertrinken lassen, wenn man ihnen helfen kann." Das zählt für ihn als Akt der Menschlichkeit.

Die Attacken gegen die Nichtregierungsorganisationen - sie würden mit Schleuserorganisationen zusammenarbeiten - und Ermittlungen wegen Schleusertätigkeit lassen ihn genauso wenig kalt wie den Kümmersbrucker Markus Neumann. Er ist voriges Jahr auch als Kapitän auf der Sea-Eye eine Rettungsmission in den internationalen Gewässern vor der libyschen Küste gefahren.

Die Hetz-Kampagne über die Zusammenarbeit mit Schleusern wird nach Angaben des Sea-Eye-Gründers Michael Buschheuer vornehmlich von der italienischen "Movimento 5 Stelle", der "Fünf-Sterne-Bewegung" des rechtsgerichteten Kabarettisten Beppe Grillo und anderer rechtsextremer Gruppen, gesteuert und befeuert. Bei einer einstündigen Anhörung vor dem italienischen Parlamentsausschuss in der Woche vor Ostern wies der Regensburger diese Vorwürfe zurück und belegte die Seenotrettung von Sea-Eye mit Bildern und einer ausführlichen Darstellung der Einsatzregeln. Darunter: Sea-Eye wird vom MRCC Rom (einer Einrichtung des italienischen Militärs) zu den Einsätzen gerufen. Das MRCC koordiniert die Rettungsaktionen der NGOs (Nichtregierungsorganisationen) zusammen mit Militär und Küstenwache. Es gebe aber auch eigene Sichtungen von in Not geratenen Flüchtlingsbooten.

Eine Studie widerlegt laut Pirnke die Vorwürfe. Sie besage, "es ist nicht entscheidend, ob wir rausfahren oder nicht, die Flüchtlinge wagen so oder so die gefährliche Fahrt. Ich hoffe auf Lösungen, die unseren Einsatz überflüssig machen, aber solange es die nicht gibt, werde ich meiner Pflicht, meiner Verpflichtung, nachkommen". Will heißen: Er übernimmt am 4. September wieder für zwei Wochen die Sea-Eye.
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