25.10.2017 - 19:45 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Staatsanwalt macht bei Verfahrenseinstellung nicht mit - Angeklagte müssen Strafen zahlen Disko-Schlägerei kommt teuer

Die Strategie war eigentlich aussichtslos. Doch die Verteidiger probierten es trotzdem. Sie scheiterten allerdings mit dem Vorschlag, das Verfahren gegen ihre Mandanten wegen gefährlicher Körperverletzung einzustellen. Da, widersetzte sich der Staatsanwalt, werde er nicht mitmachen.

von Autor HOUProfil

Die Ermittlungsbehörden haben solche Fälle packenweise auf ihren Tischen. Wenn in den Diskotheken der Alkoholpegel steigt, kommt es zunächst zu markigen Worten. Dann setzt es Schläge. Fast jede Woche werden solche Straftaten verhandelt. Diesmal nicht anders. Zwei Männer, 34 und 28 Jahre alt, fingen im Eingangsbereich eines Tanzlokals im südlichen Landkreis mit einem ihnen völlig unbekannten Gast aus nichtigem Grund zu streiten an. Eine Videokamera nahm das auf. Der jetzt im Gerichtssaal abgespielte Film machte deutlich: Erst wurde geschubst, dann zugeschlagen. Das Opfer trug Prellungen davon.

Den Tätern war das im Nachhinein peinlich. Nie zuvor mit dem Gesetz in Konflikt geraten, zahlten sie jeweils 1000 Euro Schmerzensgeld. Das trugen ihre Regensburger Verteidiger Michael Haizmann und Helmut Mörtl vor. Danach brachten sie angesichts der Geständnisse ihrer Mandanten eine Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage ins Gespräch.

Doch da mochte Staatsanwalt Oliver Wagner nicht mitmachen. Er räumte zwar ein, dass es sich von der Rechtslage her durchaus um einen sogenannten minderschweren Fall handelte. Wagner anerkannte auch die Bemühungen, alle schmerzhaften Folgen finanziell auszugleichen und hielt eine Geldstrafe für angebracht. "Eine Einstellung aber kann es hier nicht geben", ließ der Anklagevertreter anklingen. Auch schon deshalb, weil die Hemmschwelle bei Disko-Schlägereien immer mehr sinke.

Einer der Beschuldigten muss nun 2000 Euro Geldstrafe bezahlen, der andere 700 Euro. Dies lag in unterschiedlichen Einkommensverhältnissen begründet. Das Urteil von Richter Thomas Heydn wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig. Hinzu kommen Gebühren für die Wahlverteidiger und das Honorar für einen Anwalt, den sich das Opfer der Schlägerei genommen hatte. Die Auseinandersetzung wird teuer. Zumal die Justiz auch ihre Kosten haben will.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp