02.03.2018 - 20:00 Uhr
Schwandorf

Tafel Schwandorf feiert Zehnjähriges Nachfrage "leider stabil hoch"

Die Tafel in Deutschland feiert 25-jähriges Bestehen. In Schwandorf gibt es die Einrichtung seit mittlerweile zehn Jahren. Für Wolfgang Reiner, den Geschäftsführer des Caritasverbandes Schwandorf, ist das Jubiliäum "kein freudiger Anlass".

Angelina Zubix (links) ist als alleinerziehende Mutter froh über das Angebot der Tafel. Die Ehrenamtlichen (von rechts) Anne Amann, Manfred Bäuerle und Herta Kirschner sorgen dafür, dass bei der Ausgabe an zwei Tagen in der Woche alles reibungslos klappt. Bilder: doz (3)
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Er sagt: "Es wäre besser, wenn es uns nicht geben müsste." Caritas-Mitarbeiter Gero Utz schlägt in dieselbe Kerbe. Er verdeutlicht: "Armut in Deutschland bedeutet auch zehn Jahre weniger Lebenserwartung." Deshalb versuchen er und viele Ehrenamtliche mit "vernünftiger Ernährung gegenzusteuern". Utz betont, dass die Familien, die bei der Tafel einkaufen, nur die "Spitze des Eisbergs" seien. Viele kämen aus Scham oder wegen der Erreichbarkeit nicht. Dabei ginge es um so einfache Fragen wie: "Wie komme ich von Schönsee nach Schwandorf." Was Utz feststellt: Vor allem Ältere, die Nachkriegsgeneration, habe Probleme damit, Hilfe anzunehmen. Bei den Jüngeren sei das schon anderes.

Angelina Zubix (30) etwa hat kein Problem damit, über ihre Situation in der Öffentlichkeit zu sprechen. Die gelernte Friseurin ist froh, dass es Einrichtungen wie die Tafel gibt. Als alleinerziehende Mutter mit einem 16-jährigen Sohn kauft sie einmal in der Woche bei der Einrichtung ein. Die Schwandorferin würde sich generell mehr Unterstützung vom Staat wünschen, die nicht arbeiten können - so wie es bei ihr der Fall ist mit einem kleinen Kind.

Auch ein 56-jähriger Mann, der lieber anonym bleiben möchte, kritisiert die mangelnde Unterstützung seitens des Staates. Mit vier Kindern, einer Frau und 80 Prozent anerkannter Schwerbehinderung findet er keinen Job. Schon als Kleinkind diagnostizierten die Ärzte bei ihm Kinderlähmung, vor drei Jahren bekam der Mann Lymphknoten-Krebs. Lange hat er in Fabriken und als Selbstständiger gearbeitet. Nun ist er auf Unterstützung angewiesen. Der 56-Jährige sagt: "Ich bin froh, dass es die Tafel gibt. Ich spare mir einige Hundert Euro." Er könne sich Essen leisten, das er niemals im Laden kaufen würde. Gemüse und Obst etwa. Damit die Arbeit bewältigt werden kann, dafür sorgen Ehrenamtliche wie Manfred Bäuerle (70) aus Schwarzenfeld und die Schwandorferinnen Herta Kirschner (72) und Anne Amann (69). Alle drei sind seit der Gründung dabei - oder kurz danach. Vor der größten Herausforderung standen die Helfer, als 2015 die vielen Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Statt 90 bis 110 wollten plötzlich 250 Familien Essen kaufen. Laut Utz sei die Nachfrage aber noch immer "leider stabil hoch". Reiner äußerte sich noch zu Essener Tafel, die wegen des großen Andrangs dazu übergegangen ist, vorerst nur noch Deutsche neu in ihre Kartei bedürftiger Menschen aufzunehmen. Der Caritas-Geschäftsführer betonte: "Wir haben ganz bewusst gesagt, dass wir niemanden ausgrenzen."

Armut in Deutschland bedeutet auch zehn Jahre weniger Lebenserwartung.Caritas-Mitarbeiter Gero Utz
Wir haben ganz bewusst gesagt, dass wir niemanden ausgrenzen."Caritas-Geschäftsführer Wolfgang Reiner

Zahlen und Fakten

Die Lebensmittel-Transporter haben seit 2008 insgesamt 244 789 Kilometer zurückgelegt. Vergangenes Jahr waren es 31 127.

Wöchentlich werden vier Tonnen Lebensmittel von der Schwandorfer Tafel bewegt. Diese stammen von 62 Lebensmittelsponsoren.

Es gibt zwei Ausgabenstellen: in Schwandorf (Herbststraße 13; Piusheim), die Dienstag und Freitag von 13 bis 16 Uhr geöffnet hat, und in Maxhütte-Haidhof (Ockerstraße 4), die Mittwoch von 13 bis 16 Uhr geöffnet hat.

Die Tafel Schwandorf zählt 110 Ehrenamtliche, die jährlich über 14 500 unentgeltliche Arbeitsstunden leisten.

Die aktuellen Räume der Tafel in Schwandorf sind zu dezentral, eine Treppe erschwert die Anlieferung und die Eingangstüre ist zu schmal. Deshalb sucht die Caritas eine neue, bezahlbare Unterkunft (170 bis 200 Quadratmeter). Kontakt: Telefon 09431/38160 oder info[at]caritas-schwandorf[dot]de. (doz)

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