23.02.2018 - 20:00 Uhr
Schwandorf

Urteil der Strafkammer: 21-Jähriger bekommt Bewährung, muss aber in Drogenentzug Zeitlich begrenzte Unterbringung

Amberg/Schwandorf. Kann man einen 21-Jährigen, der zu Straftaten neigt und an einer Schizophrenie leidet, dauerhaft in die Forensik schicken? Die Erste Strafkammer des Landgerichts hat das zwar geprüft, letztlich aber nicht angeordnet. Dennoch muss der junge Mann zeitlich begrenzt in den Drogenentzug.

von Autor HWOProfil

Die Liste war lang: Ladendiebstähle mit skurrilen Begleitumständen, Schläge gegenüber der eigenen Mutter und Polizeibeamten. Der 21-Jährige erschien vor einem Schwandorfer Geschäft und warf die Auslagenscheibe mit einem Pflasterstein ein. Er beging einen Tankbetrug und will Stimmen gehört haben, die ihm sagten, er genieße Immunität und müsse nichts befürchten.

Als der junge Schwandorfer irgendwann nachts auf Bahnschienen spazieren ging, brachte ihn die Polizei ins Regensburger Bezirkskrankenhaus. Dort blieb er sechs Wochen und bekam Medikamente gegen seine Schizophrenie. Was nun im Prozess vor dem Landgericht eine maßgebliche Rolle spielte, war: Der 21-Jährige ist seit längerer Zeit drogensüchtig.

Die psychiatrische Sachverständige Dr. Anna-Christine Wunder-Lippert (Nürnberg) hielt in ihrem Gutachten eine dauerhafte Unterbringung in der Forensik für nicht notwendig. Sie attestierte dem 21-Jährigen bei mehreren der von Staatsanwältin Christine Apfelbacher angeklagten Straftaten Unfähigkeit zur Schuldeinsicht, bejahte aber bei anderen Delikten die Verantwortlichkeit. Die Richter vernahmen zusammen mit der Kammervorsitzenden Roswitha Stöber, dass es dringend geboten sei, den jungen Mann in einen längerfristigen Rauschgiftentzug zu schicken. Dabei führte die Psychiaterin deutlich vor Augen, dass Drogengenuss und die Einnahme von Medikamenten zur Behandlung von Schizophrenie eine unheilvolle Kombination bilden.

Die Strafkammer fand zu einer Entscheidung, die sich aufsplittete in zwei Teile. Sie verhängte für jene Straftaten, die der 21-Jährige in strafrechtlicher Verantwortlichkeit beging, ein Jahr Haft, ausgesetzt zur Bewährung. Allerdings muss der Schwandorfer in eine längerfristige Drogenentzugsmaßnahme. Sie dauert mindestens 18 Monate. "Das ist notwendig", sagte die Kammervorsitzende.

Die dauerhafte Einweisung in eine psychiatrische Anstalt unterliegt strengen Regularien. Eine dieser Voraussetzungen ist, dass die fortdauernde Gefahr massiver Straftaten besteht. Das traf auf den 21-Jährigen nicht zu. Er hielt zwar im vergangenen Jahr die Schwandorfer Polizei auf Trab. Doch was er sich aufs Kerbholz schreiben lassen musste, waren keine Delikte massivster Gewalt. Eher schon eine Liste seltsamer Auffälligkeiten.

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